Neuer Schutzstatus für Königsbrücker Heide

06.02.2018

© Uwe Menschner

Sümpfe bilden einen wichtigen Bestandteil der Landschaft in der Königsbrücker Heide, insbesondere in der Nähe der Pulsnitz.

Deutschlands erstes Wildnisgebiet mit internationaler Anerkennung befindet sich in Sachsen. Nach erfolgreicher Evaluation durch Europarc, den europäischen Dachverband der nationalen Naturlandschaften, steht der Aufnahme der Königsbrücker Heide in die angestrebte Schutzkategorie I b („Wilderness Area“) nicht mehr viel im Weg. Dies ist die zweithöchste der von der International Union of Conservation and Nature (IUCN) vorgenommenen Klassifizierungen und stellt die Wildnis vor den Toren Dresdens auf eine Stufe mit den Everglades-Sümpfen in Florida  oder mit Dürrenstein, dem größten Urwaldgebiet Mitteleuropas in Österreich.

 

Natur entfaltet sich


„Sachsens größtes zusammenhängendes Naturschutzgebiet mit einer Fläche von fast 70 km² hält die besten Voraussetzungen für ein Wildnisgebiet bereit“, meint Dr. Jürgen Stein, Leiter der beim Staatsbetrieb Sachsenforst angegliederten Schutzgebietsverwaltung. „Einmalig für Mitteleuropa entwickelt sich hier eine natürliche Waldlandschaft.“ Der frühere Truppenübungsplatz bietet hierfür beste Voraussetzungen. Er machte alle Auswirkungen menschlicher Tätigkeit dem Erdboden gleich und hielt quasi den Platz für die Natur frei. Nach dem Ende der militärischen Ära entfaltete sich diese dann explosionsartig.


In der „Naturentwicklungszone“, die etwa 75 % des Areals umfasst, läuft laut Stein „eine vom Menschen ungestörte natürliche Entwicklung ab.“ Im Zuge einer neuen Rechtsverordnung, die bis zum Jahresende erlassen werden soll, ist die weitere Vergrößerung dieser Zone geplant. Sie soll sich dann im Zentrum des Naturschutzgebietes konzentrieren. Umgeben wird sie von der „Zone der gelenkten Sukzession“ sowie der Pflegezone, in denen menschliche Eingriffe in einem gewissen Rahmen – auch der Jagd – möglich sind. Als Besonderheiten der Königsbrücker Heide gelten „die Vielzahl an Lebensräumen und damit an Tier- und Pflanzenarten, die reiche Ausstattung an Fließgewässern und Biberweihern sowie der Wechsel von feuchten und trockenen Standorten mitunter auf einem Quadratmeter.“ Besucher sind willkommen: So zählte man 4.300 Gäste bei Führungen im Jahr 2017, davon 3.147 auf den beliebten Bustouren, die mitten durch das NSG führen.


Für die nähere Zukunft plant die Schutzgebietsverwaltung die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) „Königsbrücker Heideland“, das sich wie ein Gürtel  rings um das NSG herum erstrecken soll. Es dient als Pufferzone und sichert den Erhalt der vorhandenen Kulturlandschaft.

 

Kaum Einschränkungen


„Für die Bevölkerung und die Landwirtschaft ist das kaum mit Einschränkungen verbunden“, versichert Jürgen Stein. Das Betreten, Befahren (auf den ausgewiesenen Straßen) und Pilzesammeln seien im LSG uneingeschränkt möglich. Allerdings gebe es Auswirkungen auf kommunale Planungen, die im Vorfeld zu prüfen seien. Und: Es biete die Möglichkeit, Wildwuchs im Bereich der Windkraftanlagen einzudämmen, die auf einen Standort (Cosel-Nord) konzentriert werden sollen.

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