Vor einer Filiale des Bio-Händlers in Dresden demonstrierten AbL-Mitglieder gegen den Einstieg von Investoren in die Landwirtschaft. © ABL

Kauf von Agrarbetrieb in Sachsen: Bio-Händler erhält Negativpreis der AbL

AbL-Mitteldeutschland verleiht den Negativpreis „Landgrabber des Jahres“ an Dennree. Das Bio-Unternehmen hat einen Landwirtschaftsbetrieb im Vogtland gekauft. Vor einem Denns-Bio-Markt in Dresden gab es eine kleine Demo.

Von Karsten Bär

Zum vierten Mal hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland ihren Negativpreis „Landgrabber des Jahres“ vergeben. Ausgewählt wurde der im fränkischen Töppen ansässige Bio-Lebensmitteleinzelhändler Dennree. Mitglieder des Verbandes fanden sich am Sonnabend (6.4.) in Dresden vor einer Denns-Biomarktfiliale für die Preisverleihung ein. Anlass ist der Aufkauf eines weiteren Landwirtschaftsbetriebes im Vogtland durch das Unternehmen.

Bereits im Jahr 2015 hatte Dennree einen großen konventionellen Betrieb im Vogtland aufgekauft und unter dem neuen Namen Hofgut Eichigt auf ökologischen Landbau umgestellt. Rückwirkend zum Jahresbeginn hat das Hofgut nun auch die Agrargenossenschaft Großzöbern übernommen und bewirtschaftet damit nun 6.100 Hektar. Die Expansion mache deutlich, dass Landwirte nicht mit außerlandwirtschaftlichen Investoren um Land konkurrieren könnten, sagte Anne Neuber, Geschäftsführerin der AbL Mitteldeutschland. „Die Konzerne erwirtschaften ihr Geld nicht in der Landwirtschaft und können deshalb beliebig hohe Preise zahlen.“

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Negativpreis der AbL: David gegen Goliath

Problematisch sei im konkreten Fall das Zusammenspiel zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Landwirtschaft. Land, Produk­tion, Verarbeitung und Vertrieb konzentrierten sich in einer Hand. Diese könne auch für den Biobereich zum Problem werden, kritisiert die AbL. Größe und Vernetzung führten langfristig dazu, die Preise in diesem Bereich zu bestimmen.

Der Einstieg außerlandwirtschaftlicher Investoren bedroht aus Sicht von Clemens Risse, AbL-Landesgeschäftsführer in Sachsen und Bauer in der Nähe von Meißen, nicht nur kleine Betriebe. „Kein Landwirtschaftsbetrieb, egal ob groß oder klein, kann langfristig gegen die Konkurrenz durch kapitalstarke Großkonzerne bestehen“, sagt er. „Wir alle wirtschaften bis auf ganz wenige Ausnahmen zu 70 bis 80 Prozent auf Pachtland. Wenn ein Betrieb einen Investor im Hintergrund hat, wird er alle anderen Pachtgebote in der Region überbieten. Das gefährdet die Existenz der bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe.“

Kritik und Streit um das Agrarstrukturgesetz

Die AbL kritisiert in diesem Zusammenhang die Ablehnung des sächsischen Agrarstrukturgesetzes vor allem durch den Sächsischen Landesbauernverband (SLB). Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf wäre der erneute Landkauf durch Dennree nicht möglich gewesen.

„Der sächsische Bauernverband vertritt offenbar nur die Interessen der größten 30 der insgesamt 6.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen“, so Anne Neuber. „Der SLB setzt die Existenz des Großteils der bestehenden Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen aufs Spiel und verhindert Existenzgründungen in der Landwirtschaft. Wenn dem Bauernverband die Zukunft des Berufsstands am Herzen liegt, sollte er seine Haltung zum Agrarstrukturgesetz der Regierung dringend ändern.“

Der Streit um das Agrarstrukturgesetz schwelt unterdessen weiter. Die Grünen-Fraktion hat mit einem „Faktencheck“ auf die Ablehnung des Gesetzes durch den SLB, LsV Sachsen, Familienbetriebe Land und Forst und den Genossenschaftsverband reagiert, aufgrund derer die CDU dem Gesetz ihre Zustimmung versagt. Auf die inhaltlichen Einwände gegen den Gesetzentwurf wird in dem „Faktencheck“ indes kaum eingegangen.

Gesprächsbereitschaft mit der Koalition

Ein Gesprächsangebot mit dem Koali­tionsausschuss, das sie für Mittwoch (10.4.) erhalten hatten, lehnten die Verbände kategorisch ab. Nicht nur sei die Einladung erneut sehr kurzfristig erfolgt und der Termin einen Tag vor Eröffnung der agra zudem ungünstig. Auch wolle man kein Gesetz dieser Tragweite mitten im Wahlkampf diskutieren. Gern sei man dafür zu Beginn der neuen Legislaturperiode bereit.

Den Titel „Landgrabber des Jahres“ verlieh die AbL Mitteldeutschland erstmals im Jahr 2019. Er ging damals an einen Autohändler wegen dessen Engagements in landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen-Anhalt und Thüringen. 2020 wurden der ehemalige Thüringer Bauernpräsident Klaus Kliem wegen des Verkaufs seines Betriebes an die Aldi-Stiftung und 2023 die Quarterback Immobilien AG für den Kauf der Röderland GmbH in Südbrandenburg von der AbL als „Landgrabber des Jahres“ betitelt.

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