Anglo-Nubier-Ziegen auf der Weide direkt hinter dem Stall. (c) Silvia Kölbel

Ziegenhof Taubert: Ausgleich zum Bürojob

An seinen farbenfrohen Anglo-Nubier-Ziegen erfreut sich Züchter Robert Taubert genauso wie an der bunten Hühnerschar und den Minischweinen auf seinem Nebenerwerbshof im Altenburger Land.

Von Silvia Kölbel

Auf dem Ziegenhof Taubert in Ziegelheim im Altenburger Land ist im Mai Lämmer- und Kükenzeit. Robert Tauberts Nebenerwerbsbetrieb, eine Anglo-Nubier-Ziegenzucht mit Direktvermarktung, ist das Kontrastprogramm zum Haupterwerb des Thüringers. Er ist Techniker für Heizung, Lüftung und Klimatechnik. Als Planer arbeitet er täglich sechs Stunden und damit verkürzt, damit ihm noch genügend Zeit für den zweiten Beruf bleibt.

Denn die Arbeit in der Landwirtschaft ist für den 47-Jährigen der perfekte Ausgleich zum Bürojob. Neben der zurzeit knapp 20-köpfigen Ziegenherde gehören Minischweine, Hühner, Enten, Gänse und Kaninchen in wechselnder Besetzung zum Hof.

Robert Taubert
Robert Taubert und ein Entenküken in den Händen. (c) Silvia Kölbel

In die Landwirtschaft rutschte er fast unbemerkt hinein. „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, hatte immer Kontakt zu Tieren. Nur hat mich das als Kind und Jugendlicher nicht sehr interessiert. Das kam erst später und fing mit Pferden an. Dann kam die erste Weiße Deutsche Edelziege auf den Hof, später wurden es mehr. Als diese dann Milch gaben, machte ich mir Gedanken, wie ich diese verarbeiten könnte“, erzählt Taubert von den Anfängen seiner Tierhaltung.

In diesen ersten Jahren beschäftigte er sich viel mit der historischen Käsebereitung und experimentierte auch damit. „Es gab leider kaum noch Leute, die ich fragen konnte. Als es noch keine Kühl- und Reifeschränke gab, mussten sich die Menschen mit einfachen Mitteln helfen. Sie legten den Käse ins Heu oder rieben ihn mit Möhrensaft oder Kaffee ein, damit er eine Rinde bekommt.
Trotzdem gab es das Problem mit den Käsefliegen und Maden. Daran haben sich die Menschen damals nicht gestört und den Käse trotzdem gegessen – heute undenkbar und auch nicht erlaubt.“

Ziegenhof Taubert: In Technik investiert

Der erste Käse, den Taubert herstellte, hatte nach altem Vorbild eine Rinde aus Möhrensaft und Kaffee und schmeckte gut. „Weil ich den Käse aber auch verkaufen wollte, investierte ich dann in entsprechende Technik“, erzählt der Ehemann und Vater von zwei Kindern. Heute gehören vier Sorten Frischkäse mit verschiedenen Kräutern zum Sortiment, ferner Camembert, Hartkäse und in Öl eingelegter Hirtenkäse. Verkauft wird der Käse in zwei kleinen Läden in der näheren Umgebung. Das Melken, Verarbeiten und Vermarkten beginnt etwa Mitte Mai.

Das zweite Standbein, dem sich Taubert mit viel Leidenschaft widmet, ist die Seifenherstellung. „Ich habe überlegt, was man aus Ziegenmilch noch machen könnte. So kam ich auf die Seife“, sagt er. Alle zehn Sorten sind eigene Kreationen. Sie tragen klangvolle, teils eigenwillige Namen wie Himbeertraum, Rosmarin-Salbei, Zimt-Ziege oder Ziegenbock, Letzteres ist ein Herrenduft. Die Seifen vertreibt Taubert vornehmlich übers Internet, manchmal verkauft er sie auch auf Märkten der Region.

Die Weißen Edelziegen ersetzte der Nebenerwerbler vor ein paar Jahren durch Anglo-Nubier-Ziegen, eine Zweinutzungsrasse. Taubert ist Mitglied im Landesverband Thüringer Ziegenzüchter und verkauft auch Zuchttiere.

Obgleich Anglo-Nubier-Ziegen auch des Fleisches wegen gezüchtet werden, kann sich ihre Milchleistung ebenfalls sehen lassen. „Meine Ziegen geben pro Laktation im Schnitt zwischen 700 bis 950 Liter Milch und das bei sehr hohem Fett- und Eiweißgehalt. Die Milchkontrolle weist Mittelwerte von 4,4 Prozent Fett und 4,1 Prozent Eiweiß aus. Mit abnehmender Milchmenge liegt der Eiweißgehalt oft auch bei fünf bis sechs Prozent und der Fettgehalt bei sechs bis acht Prozent. Dadurch kann ich aus meiner Ziegenmilch sehr viel Käse herstellen“, hat Taubert auch den wirtschaftlichen Aspekt im Blick, auch wenn er sagt, dass es ihm nicht ums Geld verdienen geht.

Ziegenhof Taubert: Melken per Hand

Gemolken wird mit der Hand. Auch bei dieser Entscheidung wog er Vor- und Nachteile ab. „Beim Melken mit der Maschine bin ich schneller, muss diese dann aber noch sauber machen. So spare ich am Ende keine Zeit ein. Beim Handmelken habe ich Kontakt zum Tier, bemerke Euterentzündungen rechtzeitig.“

Bei der Auswahl der Zuchttiere spielen deshalb nicht nur Milchmenge sowie Eiweiß- und Fettgehalt eine Rolle. Für den Züchter sind auch die Zitzengröße und eine leichte Melkbarkeit wichtige Kriterien. Die jungen Ziegen ans Melken zu gewöhnen, ist dann noch einmal eine Herausforderung für sich.

2,5 ha Grünland stehen dem Landwirt für die Versorgung seiner Tiere zur Verfügung. Tauberts Ziegen bekommen im Winter Heu und fressen im Sommer Gras. „Ich könnte meine Milch theoretisch als Bio- oder Heumilch vermarkten. Aber die Zertifizierungen sind mir zu teuer. Meine Kunden wissen außerdem, wie ich meine Tiere halte“, erklärt Taubert.

Weil bei der Käseherstellung Molke anfällt, war die nächste Überlegung, diese ebenfalls sinnvoll zu verwerten. So kam der Nebenerwerbler zu den Minischweinen. Über diese sagt er: „Ich liebe die Minischweine. Vor allem die kleinen Ferkel mit ihren Steckdosenschnauzen sind einfach herrlich.“ Auch in diesem Jahr hofft er wieder auf Nachwuchs bei den Borstentieren. Ausgewachsen bringen diese immerhin 50 kg auf die Waage. Um die eigene Familie und die Verwandtschaft mit Fleisch zu versorgen, reichen diese Mengen völlig aus.

Robert Taubert geht es nie allein um Wirtschaftlichkeit. Seine Tiere müssen auch etwas fürs Auge sein.

Nie langweilig

So wie die Ziegen mit ihrer gefleckten Zeichnung ein Blickfang sind und die Schweine in allen Farbvarianten den Stall bereichern, geht es auch bei den Hühnern alles andere als langweilig zu. Der Orloff-Hahn, der über die Hühnerschar wacht, ist mit seinem Wulstkamm und dem schwarz-weiß gescheckten Gefieder ein Hingucker.

Weil es dem Züchter Freude bereitet, die ganze mögliche Farbpalette an Eiern in seinen Schachteln unterzubringen, gackern auf dem Hof auch Araucana, Cream Legbar, Marans, Orpington, Wyandotte, Reichshuhn und andere ausgefallene Hühnerrassen. Da Taubert in eine 120 Eier fassende Brutmaschine investiert hat, gibt es jedes Jahr eine entsprechende Anzahl Küken.
Selbst eine Uralt-Brutmaschine, vermutlich aus den 1960er-Jahren, rüstete er mit Heizplatte und Elektronik auf und machte sie wieder gangbar. „Die Hälfte der Küken sind Hähne. Die werden im Herbst geschlachtet. Die Hennen lasse ich zwei Jahre Eier legen. Überzählige Eier verkaufe ich über eine Eierklappe am Hof“, beschreibt Taubert sein Konzept.

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