Regionale Produkte aus Sachsen werden immer mehr auch im Lebensmitteleinzelhandel nachgefragt. (c) Volkmar Heinz

Regionalen Produzenten Tür und Tor geöffnet

Der Lebensmitteleinzelhandel im Freistaat Sachsen bietet sich regionalen Produzenten als Partner an. Auch kleine Erzeuger sollen sich demnach nicht scheuen, den Kontakt zu suchen.

Von Karsten Bär

Die Schwelle ist niedrig – und wird trotzdem kaum überschritten: Aus Sicht des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) nutzen regionale Produzenten in Sachsen noch zu selten die angebotene Chance einer geschäftlichen Zusammenarbeit. Die Hand des LEH bleibt indes ausgestreckt. Dies ist ein Fazit eines Gespräches, das Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) am 29. April mit Vertretern des LEH führte.

Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln steige

Ein „einladendes Signal“ des Handels konstatierte Günther nach dem Treffen und zeigte sich zuversichtlich, „Regionalität von der Nische zur Systemrelevanz zu bringen“. Die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln steige, der LEH habe den Wunsch das Angebot auszubauen. Es sei „gemeinsames Anliegen“, in dieser Sache voranzukommen. Erzeugerseitig gebe es in Sachsen ein großes Potenzial, eine Grundversorgung sicherzustellen.

Gleichwohl bleibe es auch eine Herausforderung, etwa weil heimische Erzeuger zum Teil nur saisonal oder in begrenzten Mengen liefern können. Die daraus resultierenden Befürchtungen der meist kleinteilig aufgestellten Erzeuger sieht der Minister nach dem Gespräch indes nicht als gerechtfertigt an. „Der LEH will Partner sein und auch unterstützen“, so Günther. Eine Einschätzung, die auch die beteiligten Vertreter des Handels bestätigten.

Die Nachfrage nach regionalen Waren durch die Verbraucher sei in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen und werde vermutlich noch weiter ansteigen, schätzt Roger Ulke, Vorstandssprecher der Konsum Dresden eG. Die Bereitschaft der Kunden, für Regionalität mehr zu zahlen, sei vorhanden – „auch, wenn es dafür trotz alledem natürlich Obergrenzen gibt“. Man setze auf die Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern.

Nachfrage steht oft nicht Angebot nötiger Menge gegenüber

Wer etwas zu verkaufen habe, könne sich ohne Weiteres in der Zentrale der Genossenschaft melden. Man werde es sich ansehen und versuchen, ins Geschäft zu kommen. „Kurz, schnell und unkompliziert“, so Ulke.

Ähnlich äußerten sich Vertreter von Edeka und Rewe, ebenso wie von der Konsum Leipzig eG und der Verbrauchergemeinschaft Dresden eG. Tür und Tor seien geöffnet für Erzeuger, die man einlädt, den direkten Kontakt zu suchen. Man werde helfen und unterstützen, regionale Angebote in die Verkaufsregale zu bekommen. Bisherige Aufrufe hätten indes nur schwache Resonanz unter heimischen Produzenten gefunden.

Unabhängig von der offenkundigen Zurückhaltung der Produzenten: Der Nachfrage steht oft nicht ein Angebot in der nötigen Menge gegenüber. Laut dem Landwirtschaftsministerium lag der Selbstversorgungsgrad in den letzten Jahren bei Gemüse bei ca. zehn Prozent, bei Obst bei 30 Prozent und bei Schweine- und Geflügelfleisch bei etwa 40 Prozent der in Sachsen konsumierten Produkte.

noch mangel an regionalen aNBIETERN VeganeR Produkte

Und auch bei neuen Trends gibt es noch Reserven. Günther sprach in diesem Zusammenhang die im Wachstum begriffene Nachfrage nach veganen Produkten an. In diesem Bereich mangele es noch an regionalen Anbietern.

Wer Regionalität nachfragt, sollte auch akzeptieren, dass Produkte mitunter nur saisonal verfügbar sind. Darauf machte Roger Ulke aufmerksam. „Ein sächsischer Apfel, der den ganzen Winter im Lagerhaus war, hat sicher eine schlechtere CO2-Bilanz als ein Apfel, der aus Südafrika mit dem Schiff hergebracht wurde“, sagte der Vorstandssprecher von Konsum Dresden.
Wer die schlechtere CO2-Bilanz umgehen und trotzdem regional konsumieren wolle, komme nicht umhin, auf Saisonalität zu achten.


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