150 Wölfe in 22 Rudeln und drei Paaren gibt es mittlerweile in Sachsen-Anhalt. (c) Imago/blickwinkel

Mehr Wölfe, weniger Nutztierrisse?

Trotz eines leicht höheren Bestandes an Wölfen in Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere zurückgegangen. Zumindest besagt das der aktuelle Monitoringbericht für 2021.

Von Detlef Finger

Trotz einer erneut leicht gestiegenen Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere deutlich zurückgegangen. Das geht zumindest aus dem Wolfsmonitoringbericht hervor, den das Landesamt für Umweltschutz (LAU) heute veröffentlicht hat.

Dem Bericht zufolge wurden im Zeitraum vom 1. Mai 2020 bis 30. April 2021 landesweit 233 Nutztiere durch Wölfe getötet. Das waren 152 Tiere weniger als im vorherigen Berichtszeitraum (1. Mai 2019 bis 30. April 2020). Die Zahl gemeldeter Übergriffe sank von 95 auf 62. „Die rückläufigen Zahlen von Wolfsübergriffen und getöteten Nutztieren belegen, dass Herden zuverlässig vor Wölfen geschützt werden können, wenn Schutzvorkehrungen fachgerecht angewendet werden“, kommentierte Sachsen-Anhalts Umweltminister, Prof. Dr. Armin Willingmann (SPD), die Zahlen. „Die Herdenschutzförderung des Landes zahlt sich hier eindeutig aus.“

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Weidetierhalter bezweifeln Zahlen

Viele Weidetierhalter, insbesondere Schäfer, zweifeln die von staatlicher Seite vorgelegten Zahlen und Fakten allerdings massiv an. Das wurde erst unlängst auf der Mitgliederversammlung des Landesschafzuchtverbandes in Bernburg-Strenzfeld deutlich. Die geringeren Risszahlen seien ihres Erachtens allein dem Umstand geschuldet, dass vor allem viele Schafhalter Risse in ihren Herden inzwischen nicht mehr meldeten. Sie seien gefrustet ob der damit einhergehenden Bürokratie und des Aufwandes, ohne Gewissheit zu haben, dass es am Ende auch eine Entschädigungszahlung gibt.

Die Zahl der Raubtiere in Sachsen-Anhalt ist laut dem 2021er-Monitoringbericht nur leicht um elf Tiere auf insgesamt 150 Wölfe angestiegen. Sie bilden 22 Rudel und drei Wolfspaare. Zwei neue Rudel sind in Zerbst (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) und im Gebiet Mechau-Riebau (Altmarkkreis Salzwedel) hinzugekommen. Die Territorien sechs weiterer Rudel der Nachbarbundesländer Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen erstrecken sich nur teilweise auf Sachsen-Anhalt. Sie werden daher als grenzübergreifende Rudel im Bericht aufgeführt.


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Wölfe mitunter auch Verkehrsopfer

Mit durchschnittlich drei Welpen pro Rudel ist die Reproduktionszahl ähnlich niedrig wie im Vorjahr. Das weise auf funktionierende arteigene Regulationsmechanismen hin, heißt es. In den Anfangsjahren der natürlichen Wiederbesiedlung 2010/2011 wurden acht Welpen pro Rudel gezählt. „Unser Ziel muss es sein, den naturschutzrechtlich strengen Schutzstatus des Wolfes mit berechtigten Interessen von Weidetierhaltern in Ausgleich zu bringen. Beide sind wesentlich für den Erhalt unserer natürlichen Umwelt. Präventionsmaßnahmen sind daher weiterhin das wichtigste Werkzeug im Umgang mit dem Wolf“, erklärte Umweltminister Willingmann.

Laut Monitoringbericht 2021 wurden im Berichtszeitraum übrigens 19 Wölfe landesweit tot aufgefunden, davon waren 14 Verkehrsopfer. Zwei weitere Wölfe wurden illegal abgeschossen. Eingriffe in die Population können nicht nur Rudelstrukturen destabilisieren, sie führen auch zu Neuverpaarungen. Das zeige ein Beispiel aus der Colbitz-Letzlinger Heide: Dort wurde ein krankheitsbedingt zeugungsunfähiger Wolf, der über Jahre sein Territorium verteidigt hatte, illegal abgeschossen. Nunmehr hat ein neues Rudel sein Territorium übernommen und dieses Jahr erstmalig vier Welpen erfolgreich aufgezogen.

Fehlender schutz in Hobbyhaltungen

Dass weiterhin Nutztiere Opfer von Wolfsübergriffen werden, lässt sich laut Monitoringbericht oftmals auf Mängel in der Zaunführung, fehlerhafte Elektrifizierung und fehlenden Untergrabungsschutz zurückführen. Besonders in der Hobbyhaltung fehlt der wolfsabweisende Mindestschutz häufig. „Insoweit möchte ich auch die Hobbyhalter ermutigen, sich beraten zu lassen und Schutzvorkehrungen zu treffen. Sie werden vom Land zu hundert Prozent gefördert“, betonte Umweltminister Willingmann.

Der Wolfsmonitoringbericht umfasst alle Ergebnisse des Monitorings in Sachsen-Anhalt im Zeitraum vom 1. Mai 2020 bis 30. April 2021 und enthält mehr als 4.600 Artnachweise und -hinweise. Viele davon wurden von der Jägerschaft oder der Bevölkerung beigetragen. „In den Monitoringbericht gehen alle Informationen ein, über die das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) Kenntnis erlangt hat. Wir bitten daher weiterhin um die Meldung von Sichtungen, Rissfällen und sonstigen Wolfshinweisen. Nur so kann der Bericht die Verhältnisse bestmöglich abbilden“, erklärte Dr. Sandra Hagel, Präsidentin des Landesamtes für Umweltschutz, abschließend.


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