Wolfsopfer: Provokante Installation am Freitag in Stücken in Brandenburg. (c) Jens Schreinicke

Wolfsangriffe: Bis die Polizei kommt …

Mit einer provokanten Installation machte Jens Schreinicke aus dem brandenburgischen Dorf Stücken am Freitag auf die Lage der Weidetierhalter aufmerksam. Die Aktion dauerte nur bis zum Nachmittag, schlug aber dennoch Wellen.

Von Heike Mildner

Allein in diesem Jahr hatte der Wolf im 500-Seelen-Dorf Stücken schon dreimal zugeschlagen. Fünf Kamerunschafe und drei Weiße Gotlandschafe sind als Nummer 30, 73 und 230 in der Statistik der Wolfsrisse in Brandenburg verzeichnet. In der Nacht zum vergangenen Freitag fiel nun ein Wolf auf einer Koppel im Dorf eine zehn Monate alte Färse an. „Das Tier wurde so schwer verletzt, dass es nach Begutachtung durch den Tierarzt getötet werden musste“, sagt Jens Schreinicke.

Gesicherten Erhaltungszustand anerkennen

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Der Haupterwerbslandwirt mit hundert Mutterkühen ist Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark und Wolfsbeauftragter des Landesbauernverbandes Brandenburg. In dieser Funktion hatte er soeben die aktuelle Rissstatistik für Brandenburg ausgewertet und in einer Pressemitteilung des Landesbauernverbandes Umweltminister Axel Vogel aufgefordert, „sich bei seiner Amtskollegin auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass sie gemeinsam mit ihren baltisch-osteuropäischen Ministerkollegen den günstigen Erhaltungszustand des Wolfes nach Brüssel meldet.“ Ein Schritt hin zum aktiven Wolfsmanagement, den Schreinicke und der LBV Brandenburg als längst überfällig erachten.

Provokante Installation

Als es für Schreinicke mit dem Wolfsübergriff auf sein Jungrind keine drei Tage später persönlich wird, lässt er sich zu einem drastischen Schritt hinreißen: Zusammen mit seinem Vater bindet er dem toten Tier paarweise die Läufe zusammen und hängt es kopfüber an die Gabel des Teleskopladers.

Er schreibt „Wolfsopfer! Dank den Träumern in diesem Land“ auf ein Stück Pappe, bringt es über dem Tier an und fährt die provokante Installation in die Höhe. So kann man sie über den Zaun hinweg von der gut befahrenen Straße aus gut sehen.

Jens Schreinicke vermutet, dass der junge Wolf, den seine Wildtierkamera festgehalten hat, das Rind angegriffen haben könnte. Zeit und Ort jedenfalls stimmen. (c) Jens Schreinicke

Die Polizei kommt am späten Nachmittag. Schreinicke soll das Tier abhängen. Damit hatte er gerechnet, kommt der Aufforderung sofort nach und entgeht so einer Anzeige. Zudem habe er einen Auffangbehälter unter den Kadaver gestellt, damit ihm von dieser Seite kein Vergehen angelastet werden könne, so Schreinicke gegenüber der Bauernzeitung.

„Wir wollten den Leuten zeigen, dass hinter den Zahlen in den Rissstatistiken solche Bilder stehen“, sagt Schreinicke der Regionalzeitung. „Als Weidetierhalter fühlt man sich wie jemand, der gefesselt ist und auch noch verprügelt wird“, steht im Beitrag unter Schreinickes Foto. Andere Zeitungen übernehmen die Nachricht, auch das Regionalfernsehen zeigt Schreineckes Bilder. Im Internet findet sich unter „Dorfgeschichte(n) – Stücken bloggt“ eine ausführliche Version.

Die Verletzungen waren so stark, das das Tier notgetötet werden musste. (c) Jens Schreinicke

Stücken liegt im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Die Weidetierhalter dort sind gebeutelt. Seit Januar haben sie über 30 Wolfsrisse gezählt und auf einer Landkarte im Internet vermerkt. Insgesamt wurden in Brandenburg in diesem Zeitraum 219 Wolfsrisse offiziell registriert, 627 Nutztiere wurden dabei getötet oder verletzt.


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