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Mit kalkulierter Empörung auf Aufmerksamkeitsjagd

Das Umweltinstitut München ist bekannt für seine öffentliches Aufsehen erregenden Meldungen. Doch dabei handelt es sich meistens weder um wissenschaftlich fundierte Fakten noch um eine objektive Beurteilung. Derzeit steht ein Agrarreferent des Umweltinstituts vor Gericht.

Es kommentiert Karsten Bär

Sprichwörtliche Paukenschläge sind seine Spezialität: Egal ob es um den Nachweis von Glyphosat im Bier oder um Pflanzenschutzmittelspuren in der Luft geht – immer mal wieder sorgt das Umweltinstitut München mit aufsehenerregenden Erkenntnissen für mediale Entrüstung. Dass es sich beim „Umweltinstitut“ um einen eingetragenen Verein und nicht, wie der Name suggeriert, um eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung handelt, geht dabei schon mal unter.
Sein Daseinszweck ist nicht objektiver Erkenntnisgewinn, sondern Themen in die Öffentlichkeit zu bringen – und vor allem: die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Umweltinstitut München: Schwerpunkt pestizide

Landesredakteur Karsten Bär
Karsten Bär, Landesredakteur Sachsen

Der Verein setzt sich unter anderem gegen Atomkraft, Gentechnik und die „industrielle“ Landwirtschaft ein. Der Kampf gegen „Pestizide“ ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Und der macht auch an den Grenzen Deutschlands nicht halt.
Mit einer Internetseite namens „pestizidtirol.info“ und der provokativen Verfremdung eines Werbeplakats zog der Verein vor einigen Jahren gegen den vermeintlich „massiven Pestizideinsatz“ im Obstbau Südtirols zu Felde.

Das hatte Folgen: Der Agrarreferent des Umweltinstituts, Karl Bär, steht in Bozen wegen übler Nachrede vor Gericht. Dass der ebenfalls angeklagte österreichische Buchautor Alexander Schiebel vorige Woche freigesprochen wurde, kann man indes als ersten Hinweis auf den Ausgang des Verfahrens gegen Bär werten.

Das Recht der freien Meinungsäußerung hat hohen Stellenwert. Auch wenn jemand – bewusst oder unbewusst – ein falsches Bild erzeugt, indem er den Pflanzenschutzmitteleinsatz im Südtiroler Obstbau mit dem italienischen Landesschnitt für alle landwirtschaftlichen Kulturen ins Verhältnis setzt. Autor Schiebel gereichte es nicht einmal zum Nachteil, „Pestizideinsatz“ mit vorsätzlicher Tötung in Verbindung zu bringen.

die pestizid-prozesse der pestizidkritiker

Als Opfer ungerechtfertigter Klagen sieht das Umweltinstitut München sich und seinen Agrarreferenten schon jetzt. Und nimmt diese Rolle empört, aber dankbar an. Die Aufmerksamkeit, die der Verein für den vermeintlich „massiven Pestizideinsatz“ in Südtirol erhielt, hätte größer nicht sein können.

Das schafft auch Rückhalt für den Kampf gegen das „Ackergift“ nördlich der Alpen im eigenen Land. Hinzu kommt das für das eigene Ansehen äußerst hilfreiche Bild des Kampfes David gegen Goliath. Solidaritätserklärungen etlicher europäischer Umwelt-NGO stärkten den verklagten Aktivisten den Rücken. Man sprach von einem „Angriff auf die Meinungsfreiheit“, der „Pestizidkritiker“ mundtot machen wolle.

Selbst die Menschrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, kritisierte die Südtiroler „Pestizid-Prozesse“ – und nannte sie fast in einem Atemzug mit der Ermordung von Medienvertretern in anderen Ländern. Man fragt sich, wo die Verhältnismäßigkeit geblieben ist, wenn einem Vorgang die Legitimation abgesprochen wird, der in einem Rechtsstaat normal sein sollte, nämlich Streit vor Gericht auszutragen. So sät man unbekümmert Zweifel an Institutionen, auf deren Autorität man sich zu anderer Gelegenheit gern wieder beruft.

Denn die „Pestizidkritiker“ aus München begrüßen es durchaus, wenn ein Gericht in ihrem Sinne Recht spricht. Dass Buchautor Schiebel nach sehr kurzer Verhandlung als freier Mann den Saal verließ, bezeichnete das Umweltinstitut jedenfalls als „Paukenschlag“. Und mit Paukenschlägen kennt es sich schließlich aus.

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