Jagd

27.08.2012

© Detlef Finger

Die rund 12.000 Jäger in Sachsen-Anhalt haben im zurückliegenden Jagdjahr, das Ende März endete, landesweit 85 901 Stück Schalenwild (Rot-, Dam-, Muffel-, Reh- und Schwarzwild) gestreckt. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahresergebnis von 93.616 Stück ist maßgeblich den geringeren Abschusszahlen beim Schwarzwild geschuldet. Die Streckenmeldungen der Landkreise und des Nationalparks Harz legte das Landesverwaltungsamt in Halle unlängst als zusammengefasstes Abschussergebnis des Landes für das Jagdjahr 2011/12 vor.


Private Zahlen flossen erstmals mit ein


Erstmalig wurden dabei im Vollzug der Änderung des Landesjagdgesetzes die Streckenergebnisse der Jagdbezirke des Bundes und des Landes mit den Ergebnissen der privaten Jagdbezirke bereits auf der Ebene der Landkreise zusammengefasst.

Die Strecke beim Rotwild liegt mit 5.178 Stück über dem bereits sehr hohen Vorjahresniveau und erstmalig über 5.000 Stück. Die Streckenentwicklung, vor allem  aber der weitere Anstieg der Wildschäden durch Rotwild, insbesondere in der Landwirtschaft, zeigen, dass diese hohen Abschusszahlen noch nicht ausreichen, um den zu hohen Rotwildbestand abzusenken. Die höchsten Streckenergebnisse wurden wiederum in den Landkreisen Harz (1.242) und Wittenberg (1.263) erzielt.

Auch beim Damwild wurde  mit 5.075 Stück ein Ergebnis jenseits der 5.000er-Marke erzielt und damit die bisher höchste Strecke erreicht. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt des Damwildvorkommens im Fläming. So wurden im Landkreis Wittenberg 1.105 und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 1.103 Stück Damwild gestreckt. Zweiter großer Schwerpunkt ist die Altmark. Im Altmarkkreis Salzwedel konnten 1.044 Stück gestreckt werden.

Mit insgesamt 729 Stück ist das Ergebnis beim Muffelwild weiter rückläufig. Ein beachtlicher Teil der Strecke wird mittlerweile im Norden des Landes mit Schwerpunkt in der Altmark realisiert. So wurden im Altmarkkreis Salzwedel 234 Stück und im Landkreis Stendal 170 Stück gestreckt. Im Landkreis Harz wurden demgegenüber nur noch 161 Stück gestreckt. Im Jahr 2008 waren es noch 400.

In Vorbereitung eines Monitorings im Harz zur Untersuchung der Auswirkung des Luchses auf das Muffelwild wird derzeit die Entwicklung der Abschussergebnisse der letzten Jahre durch die Jagdbehörden der Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz reviergenau abgebildet und im Landesverwaltungsamt zusammengestellt. Neben den Eingriffen des Luchses in die Muffelwildpopulation des Harzes wirkt auch die daraufhin selbst auferlegte Zurückhaltung der Revierinhaber bei der Bejagung auf das Streckenergebnis.


Rehwild am häufigsten an Unfällen beteiligt


Beim Rehwild konnte die prognostizierte Strecke von über 50.000 Stück im vergangenen Jagdjahr nicht erreicht werden. Zu Buche stehen 48.118 Stück. Der Schwerpunkt der Bejagung muss auch weiterhin insbesondere auf die Wildunfallschwerpunkte und auf die Gebiete mit  verbissgefährdeten Waldverjüngungen gelegt werden.

Nach wie vor ist hauptsächlich das Rehwild an Wildunfällen beteiligt. Nach der polizeilichen Verkehrsunfallstatistik des Landes sind die Wildunfälle 2011 mit 11.962 Unfällen auf dem gleichen hohen Niveau wie 2010 (11.949) geblieben.

Die höchsten Strecken werden weiterhin in den Jagdbezirken der kreisfreien Städte Halle mit 5,3 Stück je 100 ha und Dessau-Roßlau mit 3,6 Stück je 100 ha erzielt. In den Jagdbezirken der Landeshauptstadt Magdeburg konnte die Strecke gegenüber 2010 auf 126 % gesteigert werden.

Beim Schwarzwild weist die Streckenentwicklung auf 26.801 Stück einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf. Ursächlich dafür ist vor allem die starke Fruktifikation der Eichen und Buchen im vergangenen Herbst. Mit diesem überreichen Nahrungsangebot in vielen Waldgebieten ging eine Reduzierung des Jagderfolges an den Kirrungen einher.


Wildschweinjagd im Mais erschwert


Dazu erschwert nach wie vor die Steigerung des Anbaus hochwachsender Kulturen in der Landwirtschaft (Mais, Raps)  die Bejagung. Umso mehr wächst die Bedeutung der Zusammenarbeit von Jägern, Landwirten und auch Jagdgenossenschaften auf der Grundlage der „Langenweddinger Vereinbarung“. Den deutlichsten Streckenrückgang verzeichnet der Landkreis Harz mit einem Minus von über 2.000 Stück zu 2010 auf 2.678 Stück. Ein leichter Anstieg ist dagegen im Süden im Saale- und im Burgenlandkreis zu verzeichnen.

Keinesfalls kann aus dem Streckenrückgang des Jagdjahres 2011 auf eine Reduzierung der Schwarzwildpopulation geschlossen werden. Die auch in diesem Jahr für die Aufzucht der Frischlinge  vergleichsweise günstigen Witterungsbedingungen bewirken zudem einen weiteren Populationsanstieg.

Mit einer Strecke von 21.245 Füchsen wurde das bisher niedrigste Ergebnis der Bejagung in Sachsen-Anhalt erreicht. Nachdem noch im Jagdjahr zuvor in den Landkreisen Börde und ­Jerichower Land deutliche Steigerungen der Strecke zu verzeichnen waren, erfolgte hier im Jagdjahr 2011 ein deutlicher Rückgang. Leichte Steigerungen der Fuchsstrecke im Bereich Anhalt (Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg, Stadt Dessau- Roßlau) sowie in der Altmark konnten diesen Rückgang nicht ausgleichen.

Nachdem schon im Jagdjahr 2010 ein rasanter Anstieg der Strecke vom Waschbär konstatiert werden musste, wurde nun mit 12.090 Tieren das 2010er-Ergebnis nochmals um rund 4.000 überboten. Waschbären kommen hierzulande flächendeckend vor. Rund 30 % der Strecke des Landes entfällt nach wie vor auf den Landkreis Stendal, wo allein sich die Strecke um über 1.000 Waschbären erhöhte.

Die Marderhundstrecke bewegt sich mit 1.515 auf dem ­Vorjahresniveau, der Schwerpunkt liegt weiterhin in den Landkreisen Stendal, Jerichower Land und auch Wittenberg. Eine deutliche Steigerung ist im Altmarkkreis Salzwedel zu verzeichnen.


Mink gefährdet Wasservögel


Zudem wurden 314 Minke zur Strecke gebracht, davon allein 139 im Landkreis Stendal. 2010 wurden dort erhebliche Beeinträchtigungen von Wasservogelbeständen durch den Mink festgestellt und diese auch im Landtag thematisiert. Im Konsens zwischen Naturschutz- und Jagdbehörden wurden daraufhin mit den örtlichen Jägerschaften Maßnahmen zur Intensivierung der Minkbejagung im Landkreis mit einem Schwerpunkt der Fallenjagd in Naturschutzgebieten festgelegt.

Die Strecke beim Nutria liegt mit 990 leicht über dem Vorjahresergebnis von 892. Im Jagdjahr 2009 belief sich die Strecke noch auf 1.723 Nutrias. Schwerpunkte bleiben der Altmarkkreis Salzwedel mit 379 Nutrias sowie der Landkreis Stendal mit 378.

2.299 Hasen wurden im Streckenergebnis des Jagdjahres 2011 registriert.  Über die Hälfte davon sind Opfer des Straßenverkehrs geworden. Die Dunkelziffer bei dieser Erfassung dürfte jedoch wesentlich höher sein.

Die schon 2010 sehr niedrige Strecke von 1.709 Wildkaninchen ist im Jagdjahr 2011 mit insgesamt nur 875 Kaninchen halbiert worden. Dabei werden die höchsten Strecken derzeit nicht mehr im Landkreis Mansfeld-Südharz (Salziger See), sondern im Salzlandkreis registriert.

Seit dem Jagdjahr 2011 bietet das neue Landesjagdgesetz in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, mit behördlicher Genehmigung Wildkaninchen auszusetzen. Der Erfolg dieser Maßnahmen bleibt abzuwarten.

Die Fasanenstrecke ist gegenüber dem Vorjahr wieder leicht auf 1.396 Stück angestiegen. Die 2010 verzeichneten drastischen Einbrüche konnten damit bei Weitem nicht ausgeglichen werden. Die Gänsestrecke bewegt sich insgesamt in der gleichen Höhe wie 2010. Es wurden 1.592 Graugänse, 817 Saatgänse und 303 Blässgänse erlegt. Eine deutliche Zunahme der nicht heimischen, aber nicht dem Jagdrecht unterliegenden Nilgans wird beobachtet. Aaskrähen und Elstern wurden wieder mehr gestreckt als noch im vorangegangenen Jahr und so wieder das Niveau des Jagdjahres 2009 erreicht. Insgesamt stehen 4.274 Aaskrähen und 3.462 Elstern zu Buche. BZ

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