Vom Schreibtisch auf den Trecker: Der promovierte Landwirt bringt einen Ballen Raufutter für die Schafe auf die Koppel.

Steinesammeln in Familie

Er gilt als Fachmann für Kulturen, an die sich nicht viele herantrauen. Christian Littmann ist erfolgreicher Agrarmanager und führt darüber hinaus einen Nebenerwerbshof bei Demmin. Das erdet ihn, sagt der 43-Jährige.

Von Elke Ehlers

Die Sonnenblumen sind fast druschreif. „Trotz der Kälte im Mai sind sie gut gewachsen“, freut sich Christian Littmann. Auf 7,5 t schätzt er den Ertrag von den drei Hektar. Den gesamten Acker seines Fünf-Hektar-Hofes in Darbein, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, hat der Nebenerwerbslandwirt mit den wärmeliebenden Pflanzen bestellt. Im nächsten Jahr werden auf dem Feld Ackerbohnen wachsen, später Körnermais, Weizen oder Gerste, so wie es die Fruchtfolge verlangt – und immer nach Ökorichtlinien. Der 43-Jährige ist ein erfahrener Ackerbauer, auch im Hauptberuf. Seine Sonnenblumen sind Futterpflanzen, bestimmt für Legehennen, Bruderhähne und Elterntiere. Abnehmer ist Littmanns Arbeitgeber, die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof, einer der größten Bioeier-Anbieter in den neuen Bundesländern.

Die Familie Packt mit an

Seit 2008 ist der promovierte Landwirt als Pflanzenbau-Chef des Erzeugerverbundes für 6.000 ha Ökofläche zuständig, die 28 Farmen in den Verbund einbringen. „In Fürstenhof bin ich fast schon ein Papiertiger“, sagt der gebürtige Stralsunder, der im vorpommerschen Neetzow aufwuchs. Die Planungen für 900 über viele Dörfer verstreute Einzelschläge, jede Menge Ökokontrollen – all das bindet ihn oft an den Schreibtisch. Mit dem Nebenerwerbshof schafft er sich einen Ausgleich. „Die Arbeit zu Hause erdet mich, ich will ja Bauer sein.“ Nach Feierabend kann er Schlepper fahren, den Acker bestellen, Heu machen. Beim Steinesammeln auf dem Acker packen auch Ehefrau Yvonne und die beiden Kinder mit an.

2010 hatte die junge Familie den passenden Hof für ihre Träume gefunden. In Darbein stand eine ehemalige Großbauernstelle zum Verkauf, die mehrere Jahre vor allem als Ferienimmobilie genutzt worden war. Das kleine Dorf mit dem merkwürdigen Namen und nur knapp 70 Einwohnern gehört zur Nachbarstadt Dargun.

Vermarktung der Lämmer

Auf dem großzügigen Grundstück grasen die Schafe, ein Mix aus Schwarzköpfigen Fleischschafen und Suffolk. „Angefangen haben wir mit Zwergschafen, als Streichelzoo für die Gäste“, erzählt der Landwirt. Denn an der Vermietung von Ferienwohnungen hielten sie fest. In einem so kleinen Dorf sei der Kontakt zu den Gästen schön, auch für die Kinder, meint Yvonne Littmann.

Doch die Zwergschafe waren auf Dauer nicht das Richtige. „Ein bisschen was müssen die Tiere schon einbringen“, sagt ihr Mann. Momentan gehören zwölf Mutterschafe und drei Zuchtböcke zur Herde. Ab Ende Oktober dürfen die Böcke einen Monat „zu den Mädels“, wie Littmanns es nennen. Dann „wachsen die Lämmer ins Grüne“, wenn sie im Frühjahr geboren werden. Das Scheren übernimmt der Freizeitbauer selbst. Für die Wolle findet er leider keinen Abnehmer, sie geht auf den Kompost. Die Lämmer werden über die Biopark Markt GmbH vermarktet, bis zu 20 pro Jahr waren es schon.

Die Böcke bleiben auf dem Hof, auch wenn sie nicht mehr für Nachwuchs sorgen. „Sie haben gute Arbeit geleistet, dafür bekommen sie ihr Gnadenbrot“, sagt Christian Littmann. Tochter Lynette und Sohn Leif sind mit den Tieren aufgewachsen. Mit Zuchtbock Paule ist der Neunjährige besonders vertraut. „Wie alt wird eigentlich ein Schaf?“, fragt Leif und greift dem stattlichen Bock in die Wolle. Paule ist schon ein Jahr älter als der Junge. „15 Jahre kann er schaffen, wenn er gesund bleibt“, beruhigt der Vater den Sohn.

Umzug ins idyllische Darbein

Christian und Yvonne Littmann lernten sich beim Studium in Neubrandenburg kennen. Als Christian Littmann an der Uni Kiel promovierte, lebten sie einige Zeit in Schleswig-Holstein. Später jobbten sie ein Jahr in Neuseeland, tourten von Farm zu Farm, halfen bei der Kiwi-Ernte, pflückten Pfirsiche, Nektarinen, Aprikosen. „Das war eine gute Zeit“, erzählt das Paar. Durch die Gelassenheit der Neuseeländer bekomme man einen anderen Blick auf die Hektik in Deutschland. Doch hängen geblieben sind sie nicht im Sehnsuchtsland im Pazifik, sie wollten in der Heimat Wurzeln schlagen.

Mit dem Umzug ins idyllische Darbein begann ein neuer Lebensabschnitt. Das mehr als 100 Jahre alte Bauernhaus wurde modernisiert, die Ferienwohnungen saniert. Doch 2015 traf die junge Familie ein Schicksalsschlag. Ein technischer Defekt löste im Wohnhaus ein Feuer aus. „Wir hatten Glück im Unglück“, erinnert sich Christian Littmann. Als die Brandmelder Alarm schlugen, war er allein und konnte sich retten. „Nicht auszudenken, wenn meine Frau und die Kinder zu Hause gewesen wären.“

Seitdem leben sie auf einer Baustelle. „Wir mussten von Grund auf neu bauen“, berichtet der Familienvater. Sie entschieden sich, auch wieder Unterkünfte für Gäste zu schaffen. Denn die Urlauber kamen gern ins abgelegene Darbein. „Sie mögen die Ruhe hier“, weiß Christian Littmann.

Fachmann für kulturen, an die sich niemand traut

Also wurden die Ärmel hochgekrempelt. „Wir haben viel in Eigenleistung gemacht“, sagt der Bauer. „An der Terrasse kenne ich jeden Feldstein persönlich.“ Sieben Jahre dauert der kräftezehrende Wiederaufbau nun schon. Außerdem soll sich das große Grundstück in einen Park verwandeln. An die 200 Bäume hat der Nebenerwerbslandwirt schon gepflanzt, am Teich entsteht eine kleine Badestelle. Auch ein Wildtiergatter ist angedacht. Wie sie das alles schaffen? Yvonne Littmann lacht. „Das fragen wir uns manchmal auch.“

Die Diplom-Agraringenieurin, die zur Arbeit beim Landhandelsunternehmen ATR ins 30 km entfernte Tutow fährt, übernimmt einen Großteil der „Shuttle-Leistungen“ für die Kinder, zum Fußball, zum Reiten, zum Musikunterricht. Christian Littmann nimmt seinen Sohn in den Arm. „Der Nachwuchs hilft ja fleißig mit, beim Mähen zum Beispiel und beim Schafe füttern.“ 20 Ballen Heu und Heulage haben sie dieses Jahr eingebracht, als Winterfutter für die Tiere.

Gerade hat der Landwirt die Ökokontrolle für den Nebenerwerbshof hinter sich. Sein Urteil: „Optimal gelaufen.“ Er schaut noch einmal nach den Sonnenblumen. In Darbein hat er schon mehrere Sorten getestet. „Ein bisschen Wissenschaftler steckt noch in mir drin“, gibt er zu. Das wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Seine Eltern arbeiteten beide in der Agrarforschung, bevor Vater Wilfried Littmann die Neetzower Agrar GmbH durch die Nachwendezeit führte. Sohn Christian gilt inzwischen in der Branche als Fachmann für Kulturen, um die andere Bauern lieber einen Bogen machen. Bei Sortenversuchen arbeitet er eng mit den Züchterhäusern zusammen. Auf den Fürstenhof-Feldern traut er sich auch an Soja, Lupinen und Kichererbsen heran. Mit seinen Sonnenblumen ist er zufrieden, obwohl die angepeilten 2,5 t/ha nur ein durchschnittlicher Ertrag sind. Littmann: „Mehr war bei der Kälte im Frühjahr nicht drin.“


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