Die Iglus der jüngsten Kälber stehen an der Stirnseite des Kuhstalles.

Gute Kinderstube ist wichtig fürs Leben

Der Landwirtschaftsbetrieb Schröter in Tilleda legt viel Wert auf die richtige Kälberaufzucht. Ausschlaggebend hierfür ist das Tränken mit Kolostrum für jedes neugeborene Kalb sowie eine konsequente Tränkehygiene.

Von Detlef Finger

Drei der acht Kälberiglus auf dem Hof des Landwirtschaftsbetriebes Schröter waren in der vorigen Woche belegt. An der Stirnseite des Kuhstalles, in Sichtweite zur Abkalbebox, wachsen die Jüngsten des Tilledaer Milchviehbestandes auf. Ihre ersten fünf bis sechs Lebenswochen verbringen die Kälber in Einzelhaltung – mit Sichtkontakt zu ihren Müttern.

Kolostrum für jedes neugeborene kalb

Zum Kalben kommen die Kühe in ein separates, mit viel Stroh eingestreutes Abteil. Zweimal am Tag – um 9 Uhr und 21 Uhr – werden die abgekalbten Kühe als Extra-Gruppe vom Melkroboter gemolken. Der erkennt die Tiere an ihren Nummern und melkt die Erstmilch jeder Kuh in einen von vier Sammelbehältern. So erhält jedes neugeborene Kalb das Kolostrum seiner Mutter.

Fünf Tage lang bekommen die Kälber die Erstmilch, die ihre Immunabwehr aufbaut, über Nuckeleimer verabreicht. Später erhalten sie eine gemischte Milchtränke. Diese besteht etwa je zur Hälfte aus überschüssiger Kolostralmilch abgekalbter Kühe sowie angerührtem hochwertigem Vollmilchpulver.

Jörg Schröter tränkt die Kälber mit Nuckeleimern.
Jörg Schröter tränkt die Kälber mit Nuckeleimern. (c) Detlef Finger

Bevor die Kälber in kleine Gruppen zu jeweils drei bis vier Tieren wechseln, werden sie auf den Tränkeimer angelernt. Bis zu einem Alter von drei bis vier Monaten bleiben sie in diesen Gruppen zusammen.

Neben dem Milchmix aus dem „Milchmobil“ gibt es für sie dann auch schmackhaftes Heu ad libitum. Zusätzlich wird ihnen etwas Totale-Misch-Ration (TMR) der melkenden Kühe als Futter angeboten. Im gleichen Maße, wie sie immer mehr von der festen Nahrung aufnehmen, wird die Milch weggelassen. So werden die Kälber von der Milch entwöhnt.


Ein eingespieltes Team sind der Betriebsleiter und sein ältester Sohn auch im Arbeitsalltag auf dem Hof in Tilleda.

Landwirtschaftsbetrieb Schröter

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wichtig ist eine konsequente tränkehygiene

Danach, etwa bis zum siebten Lebensmonat, leben sie in größeren Gruppen. Dann gibt es die TMR zur freien Verfügung. Später, im Jungviehstall, erhalten sie eine strukturreiche Ration mit Futterstroh, Gras- und Maissilage sowie Mineralstoffen.

Mit dem Abtränken hat es Jörg Schröter nicht mehr so eilig. „Das frühe Abtränken war nicht so erfolgreich“, erklärt der Betriebsleiter. Besser sei es, dem Kalb einen Liter Milch mehr zu geben, und das auch länger. „Das Kalb musst du wachsen sehen“, sagt er. „Was man zu dieser Zeit mehr in das Jungtier investiert, gibt es einem als Kuh zurück. Und: Problemkälber machen als Kuh noch einmal Schwierigkeiten.“

In kleine Gruppen von drei bis vier Tieren kommen die Kälber etwa ab der fünften bis sechsten Lebenswoche.
In kleine Gruppen von drei bis vier Tieren kommen die Kälber etwa ab der fünften bis sechsten Lebenswoche. (c) Detlef Finger

Das Tränken der Kälber – die Gruppen werden mit dem Milchtaxi versorgt – übernimmt Schröter selbst. Wichtig für die Kälbergesundheit sind ihm zufolge zuvorderst die Kolostralmilchversorgung und eine konsequente Tränkehygiene. So hat jedes Kalb seinen eigenen Eimer, der vor jeder Milchmahlzeit gereinigt wird.

Dass Frühdurchfälle in seinem Kälberbestand nur noch in Ausnahmefällen vorkommen, führt der Landwirt auch auf eine veränderte Fütterung der Trockensteher zurück. „Nur von gesunden Kühen kommt gesunde Milch für die Kälber“, sagt Schröter. Bei stoffwechselseitig belasteten Kühen sei die Milch in ihrer Zusammensetzung nicht so optimal für das Kalb.
Kälber ohne Frühdurchfall seien auch später gesünder. Die meisten Durchfälle seien vermeidbar, sagt der 52-Jährige. Erforderlich sei es dazu aber, sich auf Ursachensuche zu begeben.

Aufzuchtkosten durch erlöse nicht gedeckt

Um Kälber für die Reproduktion des Bestandes von 120 melkenden Kühe zu haben, werden Färsen und Kühe in Tilleda künstlich besamt. Die Anpaarung zielt darauf ab, Exterieur- bzw. Leistungsmängeln entgegenzuwirken. Züchterisch wertvolle Kühe werden sehr individuell angepaart. Der Züchter nutzt eine große Vielfalt an Bullen, von manchem Vererber setzt er auch nur wenige Spermaportionen ein.

Seit etwa einem halben Jahr kommt teilweise auch Sperma von Mastrassen zum Einsatz. Kälber aus diesen Anpaarungen gibt es aber noch nicht. „Ich hätte nie gedacht, dass das bei uns auf dem Hof einmal passieren wird“, sagt der passionierte Holstein-Züchter. Weil das Vermarkten abgekalbter Färsen in den letzten Jahren kein einträgliches Geschäft mehr war, entschloss er sich schweren Herzens zu diesem Schritt. „Die Aufzuchtkosten wurden von den Erlösen einfach nicht mehr gedeckt“, sagt er.

Landwirtschaftsbetrieb Schröter: teilweise Einsatz von gesextem Sperma

Darüber hinaus will Jörg Schröter künftig nicht mehr einen so hohen Jungrinderbestand vorhalten. Denn auch das Jungvieh mache Arbeit, koste Zeit und Geld (vor allem fürs Futter) und Gülle-Lagerkapazität. „Der teilweise Einsatz von gesextem Sperma bietet die Möglichkeit, dennoch ausreichend weibliche Tiere für die Remontierung unseres Kuhbestandes zu produzieren“, führt Schröter fort.

Mit gesextem Sperma würden vor allem Färsen besamt. Das habe zugleich den Vorteil, dass die Geburten reibungsloser verlaufen. Bullenkälber seien oft kräftiger und verursachten Probleme – vor allem bei Erstkalbinnen. „Aber auch gute Kühe, die auf der weiblichen Seite vermehrt werden sollen, besamen wir mit gesextem Sperma“, erklärt er.

Aufgrund der steigenden Qualität dieses Spermas funktioniere es auch bei Kühen. So kommen letztlich weniger Bullenkälber zur Welt, die heute oft mehr Last als Lust sind. Früher war mit Deckbullen noch etwas zu verdienen, doch das Geschäft sei völlig eingebrochen. Derzeit gebe es für ein Bullenkalb 120 bis 130 Euro. Das decke gerade die Kosten. Im Vorjahr waren die Preise für schwarzbunte Bullenkälber, auch coronabedingt, zeitweilig sogar auf deutlich unter 50 Euro gefallen.


Mitarbeiter gesucht
Der Landwirtschaftsbetrieb Schröter sucht eine interessierte, jüngere Fachkraft mit Verständnis für Tier und Technik als langfristige Unterstützung im Familienunternehmen in Tilleda.
Kontakt: joerg-schroeter@t-online.de