Tag der Kartoffel: Wo sind die Kartoffeln hin?

273 Jahre nach dem ersten Kartoffelbefehl des Preußenkönigs liegt der Selbstversorgungsgrad mit Speisekartoffeln in Brandenburg unter 30 Prozent. Anlässlich des Tages der Kartoffel hat der Landesbauernverband darüber nachgedacht.

Von Heike Mildner

Zwar wurde der Tag der Kartoffel in den USA erfunden, aber wie die Knolle selbst, ist auch ihr Feiertag mittlerweile in Europa angekommen. Der Landesbauernverband Brandenburg nimmt ihn zum Anlass, auf den geringen Selbstversorgungsgrad mit Speisekartoffeln in der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg aufmerksam zu machen. Er liegt unter 30 Prozent.

Derzeit werden im Land Brandenburg lediglich auf ca. 11.100 ha Kartoffeln angebaut. Das sind nur 0,85 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Brandenburgs. Allein im ehemaligen DDR-Bezirk Potsdam wurden bis zur Wende bis zu 60.000 ha mit Kartoffeln bepflanzt. Heute gibt es im Land nur noch wenige Agrarbetriebe, die Kartoffelanbau betreiben.

Selbstversorgungsgrad unter 30 Prozent

Für sichere Erträge benötigt die Kartoffel regelmäßig verteilte Niederschläge. Bedingt durch den Klimawandel ist Brandenburg allerdings verstärkt mit trockenen Perioden konfrontiert. Eine sinnvolle Antwort auf dieses Problem wären daher moderne Bewässerungsmöglichkeiten.

Doch nur wenige landwirtschaftliche Betriebe verfügen über eine Beregnung. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch, weil Genehmigungen immer komplizierter und langwieriger werden und nicht immer zum Erfolg führen. Wir haben das jüngst am Beispiel der Spreewaldgurken beschrieben.


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Wasser aus dem Winter in den Sommer retten

Landesbauernpräsident Henrik Wendorff plädiert einmal mehr für Wasserrückhaltebecken. „Folgerichtig wäre es, im Bedarfsfall auf Niederschläge zurückzugreifen zu können, die in den regenreicheren Herbst- und Wintermonaten anfallen. Deshalb bietet sich perspektivisch die Anschaffung künstlicher Wasserrückhaltebecken an.“

Argumente dafür bietet auch die Auswertung des Berichts des Weltklimarats, der auch Prognosen für die Hauptstadtregion enthält und am Sonntag von RBB24 mit eindrucksvollen Grafiken versehen, veröffentlich wurde.

Kartoffeln auf dem Grab Friedrich II. vor dem Schloss Sanssouci. © Heike Mildner


 
Warum gerade in Brandenburg die Trauer über den Anbaurückgang der nahrhaften Knollen so groß ist, zeigt ein Blick in die Geschichte: Die Etablierung der ursprünglich aus Südamerika stammenden Kartoffelknolle in Preußen wird Friedrich II. (1712-1786) zugeschrieben. Der Idee nach sollten mit der Kartoffel die damals herrschenden Missernten und Hungersnöte bekämpft werden. Der anfänglichen Skepsis begegnete der Preußenkönig mit den fünf sogenannten Kartoffelbefehlen. Den ersten erließ er am 18. Juli 1748. Darin wies er alle preußischen Ämter an, Kartoffeln in die Erde zu bringen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nahm der Kartoffelanbau eine positive Entwicklung, auch über Brandenburg hinaus.

Gestern vor 30 Jahren, am 17. August 1991, wurde der Sarg Friedrich II. von Marburg nach Potsdam gebracht. Den Niedergang des Kartoffelanbaus in seinen ehemaligen Provinzen konnte das nicht aufhalten. Dennoch legen Kartoffelfans „ihrem“ Friedrich auch 30 Jahre später noch Kartoffeln auf sein Grab auf der Terrasse von Sanssouci. Wir hoffen, sie achten dabei auf die regionale Herkunft aus Brandenburg.



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