Potter mit Lärchenholz im Nauener Stadtwald. Nach starkem Befall mit Borkenkäfer mussten die Bäume gefällt werden (c) Sabine Rübensaat

Der Wald bleibt ein Sorgenkind

Bereits das dritte Jahr infolge herrscht Ausnahmezustand in vielen Wäldern. Trockenheit, Insektenschäden und ein übersättigter Markt machen es den Waldbauern nicht nur in diesem Jahr schwer.

Es kommentiert Jörg Möbius

Nicht jährlich wie auf dem Acker, sondern nur alle Generationen heißt es normalerweise im Wald ernten und dann neue Bäume etablieren. Trockenheit und Insekten setzen nun vor allem den großen Nadelholzbeständen zu. Immer öfter muss schon eher als eigentlich gedacht ein neuer Bestand etabliert werden, vor allem weil mit Borkenkäfer & Co. befallene Bäume entnommen werden mussten. Insektenschadholz stellt inzwischen den größten Anteil an der Holzernte. Das hat leider auch fatale Folgen für den nun vollkommen übersättigten Markt.

Nur noch der Weltmarktpreis zählt

Jörg Möbius Autor

Wer als allein wirtschaftender Waldbauer 50 Festmeter – also eine Lkw-Ladung – verkaufen will, ist den großen Abnehmern nur lästig. Ähnlich wie bei den Abnehmern und Verarbeitern landwirtschaftlicher Rohprodukte hat in der Holzverarbeitung ein Konzentrationsprozess stattgefunden. Besonders trifft das auf Ostdeutschland zu, weil die Säge- und Zellstoffwerke zur Wende nicht alle dem Stand der Technik entsprachen. Längst wird Holz in Containern weltweit verschifft. Analog zum Schweinemarkt sind die Auswirkungen, wenn China als Abnehmer ausfällt. Spätestens wenn das Holz zu Zellstoff veredelt ist, zählen nur noch Weltmarktpreis und Qualität.

Um hier mitzumischen, hilft es kleinen Waldbesitzern, Mitglied in einer Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) zu sein. Die Reportage ab Seite 28 im Heft zeigt ein gut funktionierendes Beispiel. Mit dem Zusammenschluss von mehreren regionalen FBG und weiteren Waldbesitzern in einer Forstwirtschaftlichen Vereinigung wird für die Vermarktung eine Größenordnung erreicht, bei der die Anbieter mit den Holzkäufern auf Augenhöhe verhandeln können.

Der große Schadholzanfall führt zu verschiedenen Maßnahmen, die bei normalem Einschlag nicht (mehr) üblich sind. So werden große Lagerplätze eingerichtet, um das Schadholz zwischenzulagern, beispielsweise in Thüringen. In Sachsen werden Stämme wieder per Bahn aus dem Erzgebirge abgefahren. Das Land Brandenburg hat eine informative Webseite für Waldbesitzer und Interessenten erstellt, die auch Hinweise zu Fördermöglichkeiten enthält (ihrwaldbrauchtzukunft.de). Nur wird die Förderung dadurch nicht weniger bürokratisch. Ohne professionelle Hilfe geht kaum noch etwas in diesem Papierdschungel.


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das dritte Jahr infolge: ausnahmezustand

Aktuell macht es keinen Sinn, Frischholz einzuschlagen. Es wird auch nicht binnen zweier Jahre schlecht auf dem Stamm. Die Kosten aber laufen für Waldbesitzer weiter: Berufsgenossenschaft, Wasserverband, Grundsteuer und Verkehrssicherungspflicht seien genannt. Bei drei Hektar und einem anderen Einkommen kann das eine ganze Weile als Geldanlage laufen. Wer aber 100 ha und mehr hat, privat, als Kommune sowie Bundesländer und Staat, muss schon Summen vorschießen.

Gibt es eine forstliche Abwandlung der landwirtschaftlichen Empfehlung: eine Ernte auf dem Feld, eine Ernte in der Scheune und eine Ernte auf der Bank? Sie sollte für ein Schadjahr oder ein Preistal beim Holz greifen. Momentan allerdings herrscht schon das dritte Jahr Ausnahmezustand in vielen Wäldern. Der Nutzen für die Allgemeinheit zur Erholung, geregelt als Betretungsrecht für Jedermann, sowie die Funktion des Waldes als Wasserspeicher und zur Luftverbesserung werden nach wie vor von der Gesellschaft gerne kostenlos in Anspruch genommen.

Dringend benötigtes Wasser kann niemand in den Wald schaffen. Ein wenig hilft es schon, wenn in der Wirtschaft mehr Holz verwendet und verbaut wird. Und öfter mal Rehgulasch auf den Tisch kommt.

Ausgabe 33 der Bauernzeitung

Mehr zu diesem Thema finden Sie in der Ausgabe 33 der Bauernzeitung.

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