Kahlflächen im Wald in der Harzregion (c) Detlef Finger

Waldschäden: Waldbesitzer rüsten zum Protest

Der Verband der Waldbesitzer Sachsen-Anhalt ruft private und kommunale Forsteigentümer zum landesweiten Protest auf. Grund ist die mangelnde Unterstützung der Landesregierung bei der Aufarbeitung der durch Stürme, Dürre und Käfer entstandenen massiven Waldschäden.

Von Detlef Finger

Sachsen-Anhalts Waldbesitzer schlagen schon länger Alarm: Ihre Forsten sind von Stürmen, Trockenheit und Käferbefall bundesweit wohl am stärksten betroffen. Die Kalamitäten nahmen im Jahr 2017 den Anfang und seither ihren Lauf. Die hiesigen Wälder sehen teilweise verheerend aus. Betroffene Waldbauern und Forstfachleute schätzen die Schadfläche allein im Harz auf mindestens 30.000 ha. Vor allem Kleinprivatwaldbesitzer fühlen sich beim Aufarbeiten der Waldschäden von der Landesregierung allein gelassen. Diese habe dem Kommunal- und Privatwald bislang „originäre Landeshilfen“ versagt, kritisiert deshalb der Waldbesitzerverband (WBV) Sachsen-Anhalt. Der WBV ist die Interessenvertretung der mehr als 53.000 privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzer im Land.

Holzstapel säumen die Waldwege im Harz (c) Detlef Finger

Durch Umschichtungen fehlen Fördermittel für den Wald

Die Kritik des Verbandes um seinen Vorsitzenden, Franz Prinz zu Salm-Salm, richtet sich insbesondere gegen Landesumwelt- und Agrarministerin Claudia Dalbert. Die Grünen-Politikerin ist ebenso für den Forstbereich zuständig. Dalbert handele bis heute nicht dem Ernst der Lage entsprechend, betonte jetzt der WBV. Obwohl Sachsen-Anhalt am ärgsten geschädigt sei, würden das Bundesland und seine Waldbesitzer von der Ministerin beim Bund „zu spät, vage oder schlecht“ hinsichtlich nötiger Hilfen zur Wiederaufforstung vertreten.

Mehr noch: Durch Umschichtungen seien der Forstwirtschaft im Land bis Sommer 2019, also mitten in der Krise, Fördermittel in Höhe von rund 19 Mio. € entzogen worden, rechnete der Verband vor. Der vorzeitige Zusammenbruch des Holzmarktes hierzulande und die „seit drei Jahren nicht funktionierende Förderung“ täten ein Übriges.

Den Wiederaufforstungen fehlt das Wasser (c) Detlef Finger

Waldschäden inzwischen bei mehr als 800 Millionen Euro

Die landesweiten Schäden seien von Fachleuten bereits im November 2018 auf rund 335 Mio. € beziffert worden. Trotzdem habe es bis heute weder einen ressortübergreifenden Einsatzstab der entsprechenden Fachleute im Land noch einen Aktionsplan zum Walderhalt gegeben. Mittlerweile dürften die Schäden im Forst hierzulande längst die 800 Mio. € übersteigen. Der Landeswald werde folglich und zu Recht vom Land massiv mit Steuermitteln gestützt und bezuschusst. Zum Erhalt der Schutz- und Nutzfunktionen des Waldes sei dies angemessen.

„Doch wo bleiben Kommunen, Kirchen und Private?“, fragt der Waldbesitzerverband. Er sieht hier Ministerin Dalbert in der Pflicht. Diese allerdings tue die Krise trotz der „volkswirtschaftlichen sowie umwelt- und klimapolitischen Brisanz“ mit dem Satz: „Der Wald liegt mir am Herzen.“ ab. So aber sterben nicht nur die Wälder, sondern auch jegliches Vertrauen in die Politik und Koalitionsverträge, argumentiert der Waldbesitzerverband.

Protestplakate und schwarze Fahnen an Straßen

Wie die Landesregierung auf diese Weise den Wirtschaftswald, der auch CO2-Senke Nummer eins sei, erhalten und verlässlich fördern wolle, sei angesichts der aktuellen Schäden nicht nachvollziehbar. „Wälder sind zur Bewältigung des Klimawandels systemrelevant“, betonte der Verband der Waldbesitzer. Deshalb starte nunmehr der landesweite Protest, um auch den Kindern und Enkeln nachhaltig intakte Wälder zu erhalten. Ihre Wut und Verzweiflung werden die Waldbesitzer mit Protestplakaten zum Ausdruck bringen, die sie in Sachsen-Anhalt entlang der Bundesstraßen aufstellen, sowie mit schwarzen Fahnen, die sie an Straßen und Wäldern hissen. Auf einer Pressekonferenz informierte der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt heute Abend in Schierke über die Hintergründe der Proteste.

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