Grüne Berufe

07.12.2012

 

 

Dass Schüler einmal für eine Schnupperwoche in der Landwirtschaft auf einer Warteliste stehen, damit hätte Klaus Wetzel nicht gerechnet. „Für die Woche Anfang Dezember hatten sich 16 Jugendliche gemeldet, acht mussten wir aufs nächste Mal vertrösten. Von der Betreuung her wäre das nicht machbar gewesen“, sagt der Vorsitzende des Südthüringer Ausbildungsverbundes für die Grünen Berufe.  In dem Verbund sind Agrarbetriebe aus den Kreisen Sonneberg, Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen Mitglied. Im laufenden Jahr hat man viel bewerkstelligt. Neue Messeaufsteller, Poster und Imagefilme (BauernZeitung, 27/2012, Seite 11) wurden fertiggestellt. „Binnen fünf Jahren sank in Südthüringen insgesamt die Zahl der neuen Azubis auf ein Drittel“, sagt Ludwig Vielweber, der Regionalgeschäftsführer des Bauernverbandes. „Da mussten wir etwas tun.“ Und so startete im November Teil II des umfangreichen Programmes, das man sich selbst auferlegt hatte.

Für Regelschüler aus der Region Hildburghausen gibt es im Rahmen des Projektes „Berufsstart plus“, einer branchenübergreifenden Initiative zur Berufsorientierung von IHK, Arbeitsagentur und Land, nunmehr auch ein landwirtschaftliches Angebot. Jungen und Mädchen können eine Woche lang in einen Agrar-Betrieb hinein schnuppern. „Praktika gab es bislang auch schon – allerdings nur, wenn sich junge Leute direkt dafür bei den Landwirtschaftsbetrieben meldeten“, sagt Ludwig Vielweber. Jetzt ist es umgekehrt. Über das Projekt geht man nun auf die Schüler zu. Ihnen wird eine ganze Woche zwischen Traktor und Kälberstall geboten. Und das Interesse scheint da zu sein.

Die erste Woche Anfang November erlebten elf Achtklässler aus drei Regelschulen, und das Fazit war mehrheitlich positiv. Kälber füttern, Traktor fahren, Schafe wiegen und Stall ausmisten machten Spaß. Auch wie ein Kalb auf die Welt kommt, hatte bislang wohl noch keiner gesehen.


Es muss schon „krachen“


Auf langweiliges Hof- und Stallkehren allerdings würden die Schüler künftig gerne verzichten, sagten sie bei der Auswertung. Auch missfiel ihnen, dass sie sich hier und da zu lange selbst überlassen waren und es auch Leerlauf gab. „Es lief noch nicht alles rund in der ersten Woche“, weiß auch Klaus Wetzel vom Ausbildungsverbund. „Daran müssen wir arbeiten. Die Kritikpunkte wurden mit den Betrieben ausgewertet. Schließlich soll der Einsatz in den Unternehmen für die grünen Berufe werben! Hier müssen wir uns richtig viel Mühe geben.“

Der Start in besagte Woche erfolgte für alle Schüler in der Milch-Land GmbH Veilsdorf. Hier gab man ihnen auch bereits einiges an Wissen mit auf den Weg, ehe es dann in die einzelnen Unternehmen ging. Im Raum Hildburghausen haben die Landwirte sich in das Projekt „Berufsstart plus“, das über das dortige Bildungszentrum läuft, eingeklinkt. Im Meininger Raum will man mit dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Rohr-Kloster kooperieren. Im Kreis Sonneberg geht man wegen der weiten Fahrstrecken eigene Wege – über die Betriebe selbst und ohne Partner.

Die Erwartung, dass nach einer solchen Woche gleich alle Landwirte werden wollen, hat man gewiss nicht. „Es ist aber eine Chance, junge Leute für grüne Berufe erst einmal zu interessieren“, sagt Wolfram Mertz, langjähriger Lehrausbilder der Milch-Land GmbH Veilsdorf. Und der Ausbildungsverbund hat noch ein weiteres Vorhaben im Blick: den Aufbau einer Bildungswerkstatt Landwirtschaft. So sind als Teil III der Offensive zwei Lehrkabinette geplant, in denen man Schüler über zentrale Anlaufpunkte an die grünen Berufe heranführen will. Vor wenigen Tagen wurde das Vorhaben dem Vorstand der LEADER-Aktionsgruppe (RAG) Hildburghausen/Sonneberg vorgestellt, um hierfür finanzielle Unterstützung zu bekommen. „Wir wollen die Qualität erhöhen und den Anfangserfolg, der sich jetzt abzeichnet, festigen“, wirbt Wetzel um Unterstützung. Birgitt Schunk


www.berufsstartplus-thueringen.de

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr