Ertrag lässt hoffen

14.07.2016

© Karsten Bär

Acht Sorten im Vergleich: An einer Streifenversuchsanlage stellten Vertreter der Züchter- bzw. Vertriebsfirmen verschiedene Braugerstensorten vor.

Mit rund 50 teilnehmenden Landwirten sowie Vertretern von Pflanzenzüchtern, Mälzern und Brauereien fand auch die diesjährige Braugerstenrundfahrt der Erzgebirgskorn Gahlenz eG und der BEGA Gahlenz eG wieder guten Anklang. Ausgewählte Braugetreideschläge von Betrieben der Region um Oederan sowie ein Streifenversuch mit Sorten verschiedener Züchter wurden gemeinsam besichtigt und die Situation rund um den Anbau von Braugerste und Brauweizen diskutiert. Spielt das Wetter mit, stimmen zumindest die Ertragsaussichten zuversichtlich. Die zu erwartenden Erlöse indes geben wenig Grund zur Freude.

 

 

 

Präsentiert wurden bei der Rundfahrt auch Brauweizenbestände.

Fotos: Karsten Bär

 

 

 

 

 

Brauweizen der Sorten Landsknecht (BayWa) und Elixer (Saaten-Union) stellte Axel Neuber von der Agrozuchtfarm Breitenau eG vor, die auf zwei aneinander angrenzenden Schlägen mit insgesamt 52 ha wachsen. Der Bestand lässt auf einen guten Ertrag hoffen, wenngleich die Sorte Elixer in diesem Jahr einige Probleme machte: Schon früh traten Mehltau und auch andere Krankheiten auf. Die Sorte sei etwas anfälliger, so der Landwirt. Unter den Witterungsbedingungen dieses Jahres mit deutlich mehr Niederschlägen zeigt sich dies im Bestand. Auf die Ertragserwartungen angesprochen, legt man dem Pflanzenbauer augenzwinkernd zunächst Zurückhaltung nahe – im Vorjahr war noch am Abend der Rundfahrt ein hoch taxierter Schlag einem Unwetter zum Opfer gefallen. Dass er, so alles gut geht, mit 80 bis 85 dt/ha rechnet, gibt Axel Neuber schließlich doch noch zu verstehen. Insgesamt hat die Agrozuchtfarm Breitenau eG 240 ha Brauweizen im Anbau.

 

Was der Mälzer wünscht


In Sichtweite der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Memmendorf machte die Rundfahrt an einem Schlag Braugerste zum zweiten Mal halt. Neben einem Herbizidversuch, den das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hier durchführt und bei dem im Rahmen der Fruchtfolge in diesem Jahr zufällig ebenfalls Sommergerste im Anbau ist, hat die Agrargenossenschaft die Sorte Solist (IG Pflanzenzucht) für die Verwertung als Braugerste angebaut. In diesem Jahr setze man vollständig auf diese Sorte, erklärt Feldbauleiter Torsten Schubert. Im letzten Jahr haben man die Solist sehr erfolgreich anbauen können, sodass man auf die lange Zeit verwendete Sorte Grace verzichtete. Letztlich habe man mit der Sortenwahl auch dem Wunsch der Mälzer entsprochen, so Schubert. Auch wenn natürlich „erst später abgerechnet wird“, wie er sagt, stehe auf dem Feld ein großer Ertrag. Erlösseitig allerdings dürfe man nicht viel erwarten. „Hätten wir im Rahmen einer Agrarumweltmaßnahme eine Blühmischung angesät – der Deckungsbeitrag hätte den der Gerste deutlich geschlagen“, verdeutlicht Torsten Schubert. Insgesamt bestellte die Agrargenossenschaft Memmendorf in diesem Jahr 160 ha mit Braugerste. Weizen baue man in der Regel zur Futtererzeugung an. Nur wenn die Menge und die Qualität stimmen, vermarkte man ihn auch als Brauweizen.


Die Vielseitigkeit ist – neben den vor Ort gegebenen Vermarktungsmöglichkeiten über die Erzgebirgskorn eG – auch der Grund, warum in der Region oft Brauweizen wächst. Darüber sprach man an der dritten Station des Tages, wo Andreas Petschke von der BEGA Gahlenz eG drei Brauweizensorten im praktischen Anbau vorstellte. Brotweizen, hieß es hier, könne man unter den örtlichen Gegebenheiten nicht erzeugen.  Je nach Nachfrage ließe sich der Weizen aber als Keks- oder Brauweizen vermarkten, oder aber im Zweifelsfall in die Fütterung oder Ethanolerzeugung gehen.  Welche Sorten sich als Brauweizen eignen, hat man in der Vergangenheit immer wieder ausprobiert. Elixer und Tabasco (beide Saaten-Union), die am Praxisschlag der BEGA Gahlenz zu sehen waren, sind in dieser Hinsicht erprobt. Mit Manitou (IG Pflanzenzucht) testet der Betrieb in Zusammenarbeit mit dem Züchter, wie sich diese Sorte, die als wenig krankheitsanfällig gilt, als Brauweizen macht.

 

Bohnen statt Gerste


Auch Braugerste hat die BEGA im Anbau. Und dies auf 125 ha – was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 40 ha darstellt. Die Reduzierung hänge mit dem Greening zusammen, erklärte Andreas  Petschke. Seinen dahingehenden Verpflichtungen kommt der Betrieb unter anderem durch den Anbau von Ackerbohnen nach, womit Fläche für das Sommergetreide fehle. Dass es zu einem Rückgang des Braugerstenanbaus auch infolge des Greenings kommen könnte, hatte der Betriebsleiter bereits im vergangenen Jahr als eine Folge der neuen Agrarförderung kommen sehen.


Fläche für die Sortendemonstration verschiedener Braugersten hat die BEGA auch in diesem Jahr wieder zur Verfügung gestellt. Zu sehen waren Avalon (Syngenta), Cervinia (Limagrain), RGT Planet (RAGT), Solist (IG Pflanzenzucht), Quench (Syngenta), Ventina (Limagrain), Hunter (IG Pflanzenzucht) und Laureate (Syngenta). Darüber hinaus konnte ein Düngungsversuch des Herstellers Yara besichtigt werden.


Ein Schlag Brauweizen der Sorte Tabasco stellte die letzte Station der Rundfahrt dar. Hier beschrieb Ines Thiele vom Landwirtschaftsbetrieb Thiele  aus Oederan die ackerbaulichen Maßnahmen, die auf dem Schlag vorgenommen worden waren. Der 250-ha-Ackerbaubetrieb hat mit Weizen der Sorten Tabasco und Elixer sowie Gerste der Sorte Solist einen  großen Anteil Braugetreide im Anbau. Wie die anderen Betriebe, die zur Braugerstenrundfahrt ausgewählte Praxisschläge zeigten, hat auch der Landwirtschaftsbetrieb Thiel in diesem Jahr die Erfahrung gemacht, dass aufgrund der Witterung der Krankheitsdruck im Getreide recht hoch ist.


Mit voraussichtlich guten Erträgen dürfen die Braugetreideerzeuger im Erzgebirge dennoch rechnen. Und die Vermarktung? „Die läuft“, meint Götz Eckhardt von der Erzgebirgskorn eG am Ende der Gahlenzer Braugerstenrundfahrt – fügt allerdings hinzu: „Nur die Preise eben …“

 

Die Anbaufläche von Sommergerste ist in Sachsen 2016 erneut gesunken. Sie verringerte sich gegenüber 2015 um 1 400 auf 24 200 ha (-5,4%). Der Anbau von Sommergerste unterliegt seit Jahren einem negativen Trend. 

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