Staunen über „Fleischmarmelade“

17.10.2014

© Claudia Schalla

Bei den Betriebsbesichtigungen haben die Gäste aus den USA, begleitet von Ralf Benecke (r.), Bauernverband MV, viele Eindrücke gewonnen.

Meghan Mueseler kann es nicht glauben: Frisches Fleisch aufs Brötchen schmieren?! Die US-Amerikanerin zögert, greift dann aber doch zum Messer und streicht die frische Zwiebelmettwurst der Torney Landfleischerei Pripsleben auf eine Brötchenhälfte – und beißt hinein.


Die junge Frau ist Referentin für Umwelt und Nachhaltigkeit beim Futter- und Nahrungsmittelhersteller Cargill im US-Bundesstaat Kansas. Gemeinsam mit drei Landsleuten ist sie für drei Wochen auf landwirtschaftlicher Bildungsreise in Deutschland – finanziert von der US-amerikanischen Stiftung McCloy. Vier Tage Mecklenburg-Vorpommern stehen auf dem Programm. Für die ungewohnten, weil streichfähigen Wurstsorten ist schnell ein neuer Name gefunden: „Meat Jelly“ (Fleischmarmelade).


Nach dem zünftigen Mittagessen geht es direkt zum „Rohstoff“, aus dem die Wurst- und Fleischprodukte der Landfleischerei gemacht werden. Der Chef des Hauses, Hans-Dieter Gabel, lässt es sich nicht nehmen, die Gäste durch den Rindermaststall zu führen. Außer Färsen, die nicht zur Zucht genutzt werden, mästet Hans-Dieter Gabel Bullen. Ochsenmast, wie sie in den USA praktiziert wird, lohne sich für den Betrieb nicht. „Ochsen brauchen einige Monate länger bis sie schlachtreif sind, das honoriert der deutsche Verbraucher nicht.“ Das Programm, das Ralf Benecke vom Bauernverband MV für die Gäste „gestrickt“ hat, ist umfangreich: von Ackerbau und Milchproduktion über regenerative Energien und ökologischen Landbau mit Vogelschutzprojekt bis hin zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in der Käserei Altentreptow und der Zuckerrübenfabrik Anklam. Täglich werden Betriebe besucht. Ob Precision Farming, Art und Weise der Tierfütterung oder Versorgung der Dorfbevölkerung mit Abwärme aus der Biogasanlage – die Gäste haben Neues gesehen und erlebt. 2013 war Ralf Benecke in den Genuss gekommen, sich die US-amerikanische Landwirtschaft anzuschauen. „Ich habe festgestellt, dass die Amerikaner ähnliche Probleme haben wie wir.“ Arbeitskräfte zu finden sei schwierig, die Anforderungen der Gesellschaft stiegen dort ebenfalls.


Von Interesse ist die Organisation der berufsständischen  Interessensvertretung. In Neubrandenburg erklärt Hauptgeschäftsführer Martin Piehl, wie der Bauernverband strukturiert ist und wie er arbeitet. Höhepunkt für die Gäste ist das Landeserntedankfest in Neu Kaliß. „Der Umzug ist das Beste, was ich je gesehen habe“, schwärmt Susan Wilkins, Rinderhalterin in West Virginia. Nach vier Tagen MV resümiert sie: „Ich kann nicht glauben, was ich schon alles über dieses Land gelernt habe und freue mich darauf, was uns die nächsten zwei Wochen erwartet.“ Dann in anderen Regionen Deutschlands.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr