E-Vita-Anlage in Güstrow

10.07.2018

© Gerd Rinas

Außenansicht der neuen E-Vita-Anlage. Kleines Foto links unten: Herzstück sind die zwei Katoden zur Elektronenerzeugung.

Die Nordkorn Saaten GmbH, Güstrow, Tochterunternehmen der Ceravis AG, und das Fraunhofer-Institut, Dresden, haben vor Landwirten in Güstrow als jüngstes  Produkt ihrer jahrelangen Zusammenarbeit eine mobile Anlage zur Elektronenbehandlung von Saatgut präsentiert. „Mit der nach dem E-Vita Verfahren benannten Anlage können 25 t Saatgut pro Stunde behandelt werden“, informierte Andreas Prelwitz, Ceravis-Regionalleiter Mecklenburg-Vorpommern und Geschäftsführer der Nordkorn Saaten GmbH.


Die neue Anlage ist in einem Standard-Transport-Container auf ein Fahrgestell montiert. Mit einem Gesamtgewicht von 39 t ist der Trailer für den Straßenverkehr zugelassen. „Mit der mobilen Variante eröffnen wir uns die Möglichkeit für die Elektronenbehandlung von Saatgut an mehreren Standorten“, erläuterte Prelwitz. Nach seinen Angaben investierte Ceravis über 2 Mio. € in die mobile Anlage, die nach 14 Monaten Bauzeit rechtzeitig vor der Herbstbestellung 2018 fertiggestellt wurde.


Bisher verfügte die Nordkorn Saaten GmbH in Güstrow über eine stationäre Anlage zur Elektronenbehandlung von Saatgut. Weil die Nachfrage nach solchem Saatgut in den vergangenen Jahren weiter anstieg, entschloss man sich zum Bau der mobilen Anlage. Mit ihr erhöht sich die Elektronenbehandlungskapazität von Saatgut in Güstrow von 12.000 auf 20.000 t pro Jahr. „Künftig streben wir eine Kapazität von 40.000 t pro Jahr an“, so Prelwitz. Nach seinen Angaben  werden in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr etwa 20 % der Getreideanbaufläche mit elektronenbehandeltem Saatgut bestellt. Außer im Nordosten kommt das Verfahren bisher vor allem in Schleswig-Holstein und Brandenburg zum ­Einsatz. „2017 wurde auf etwa 900.000 ha elektronenbehandeltes Saatgut ausgesät. 2018 ­werden wir wohl auf eine Million Hektar kommen“, sagte der Regionalleiter. Insgesamt hat Nordkorn Saaten bisher über 8 Mio. € in die Elektronenbehandlung von Saatgut investiert.


Ende des Monats wird die BayWa AG, München, an ihren sächsischen Standorten Hainichen, Grimma und Zwickau eine baugleiche Anlage in Betrieb nehmen, kündigte in Güstrow Prof. Dr. Volker Kirchhoff vom Fraunhofer-Institut an. Damit  würden sich die Voraussetzungen für eine rasche bundesweite Verbreitung  der chemiefreien Behandlung von Saatgut weiter verbessern.


Nordkorn Saaten und BayWa hatten 2010 gemeinsam die Lizenzrechte für das Verfahren vom Dresdener Fraunhofer Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik erworben.


Andreas Prelwitz hob die Vorteile des Verfahrens angesichts zunehmender gesellschaftlicher Kritik an herkömmlichen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren hervor. So bestünden keine gesundheitlichen Gefahren für Anwender, auf chemische Wirkstoffe würde vollständig verzichtet, ohne an biologischer Wirksamkeit oder Ertrag einzubüßen. Es erfolge keine Aufnahme chemischer Pflanzenschutzmittel durch Tiere, Nützlinge würden nicht geschädigt und Beizstaub nicht freigesetzt. „Viele Versuche haben die ausgezeichnete Wirkung der Elektronenbehandlung beim Saatgut gegen samenbürtige Pathogene wie Pilze, Bakterien und Viren nachgewiesen.“ Ein schnellerer Feldaufgang, die problemlose Verwertung von unverbrauchtem Saatgut als Futtermittel und der gleiche Preis wie bei chemisch behandeltem Saatgut seien weitere Vorteile.


Etwa 20 % des in Güstrow mit Elektronen behandelten Saatguts werden bereits mit Mikronährstoffen angereichert vermarktet. „Tendenz steigend“, so Prelwitz, der sich seit vielen Jahren zunächst auch gegen Skepsis und Zweifel im eigenen Unternehmen für das umwelt- und anwenderfreundliche Verfahren eingesetzt hat. Ceravis-Vorstandsvorsitzender Frank Nissen würdigte den Einsatz von Prelwitz in Güstrow. „Sie haben im Unternehmen viel Überzeugungsarbeit geleistet und das Verfahren etabliert. Bleiben Sie gern auch unbequem“, forderte Nissen den Mecklenburger Regionalleiter auf.

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