Lupinen haben einen relativ hohen Proteingehalt. Wenn also hohe Erträge erzielt werden können, kann sich der Anbau gegenüber Roggen lohnen. (c) Sabine Rübensaat

Rechnet sich Eiweißfutter vom eigenen Acker?

Kann der Anbau von großkörnigen Leguminosen als heimische Proteinlieferanten für die eigenen Tiere eine Alternative zum Futterzukauf sein, oder ist der Anbau von Weizen oder Roggen wirtschaftlicher?

Von Wolfgang Gerd Dähn, Pflanzenbauberater und Sachverständiger, Koesling Anderson LEB GmbH

Bei der betriebswirtschaftlichen Betrachtung des Leguminosenanbaus unter dem Aspekt, dass die produzierte Ware im eigenen Betrieb verfüttert werden soll, muss man sich zunächst folgende Fragen stellen:


  • Welche Futtermittel sollen im Betrieb durch eigene Produkte in der Ration ersetzt werden?
  • Was dürfen mich meine eigenen Futtermittel im Vergleich zu der zu ersetzenden Einkaufsware in der Produktion kosten (Substitutions- oder Schattenpreis)?
  • Wie hoch sind die Opportunitätskosten gegenüber z. B. Weizen auf den Ackerbohnenflächen bzw. Roggen auf den Erbsen- und Lupinenflächen?
  • Welcher Vorfruchtwert ist den Leguminosen in der Fruchtfolge anzurechnen?
  • Wie hoch ist mein Ertragspotenzial an meinem Standort?

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Betriebswirtschaftliche Betrachtung: Ein Beispiel

Zum Verdeutlichen der betriebswirtschaftlichen Betrachtung soll eine Beispielrechnung (Tab. 2) unter Berücksichtigung der vorangestellten Fragen dienen. Für das Beispiel wird unterstellt, dass Rapsschrot und Gerste zu gleichen Teilen vollständig durch eine der drei Leguminosen Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen ersetzt werden. Dabei wird ein Rapsschrotpreis von 450 €/t und eine Gerstenpreis von 250 €/t unterstellt. Die Substitutionspreise in Tabelle 1 müssen dann bei entsprechenden Inhaltsstoffen als preisliche Obergrenze berücksichtigt werden.

Die Berechnung zeigt, dass der Anbau von eigenen Eiweißfuttermitteln in bestimmten Betriebskonstrukten durchaus sinnvoll sein kann. Die Ackerbohne steht in der Gesamtbetrachtung jedoch negativ da. Dies liegt zum einen am konkurrenzstarken Weizen, aber auch an den mit eingepreisten Trocknungskosten, da die Bohne eher in Regionen anzutreffen ist, wo eine trockene Ernte nicht immer möglich ist.

Futtererbse und Lupine mit Einsparpotenzial

Auch der niedrig angesetzte Ertrag macht es der Bohne schwerer. Ab einem Bohnenertrag von 5 t/ha könnte die Bohne im gezeigten Beispiel jedoch in den positiven Bereich rutschen und die hohen Opportunitätskosten des Winterweizens durchaus kompensieren. Die Futtererbse und die Lupine können im Beispiel mit einem Einsparpotenzial von 58 €/t beziehungsweise 10 €/t als selbst erzeugtes Eiweißfuttermittel punkten. Dies liegt im Beispiel hauptsächlich an dem niedrig bewerteten Roggenpreis als auch an einem guten Ertrag bei Erbse und Lupine. Des Weiteren kommen das Einsparpotenzial gegenüber dem Substitutionspreis als auch die geringen Opportunitätskosten gegenüber dem Roggen, der Erbse und der Lupine zugute.

Körnererbse
© Sabine Rübensaat

Körnererbsen
Die Körnererbsenpassen gut auf leichtere Standorte auch mit geringerer Niederschlagsausstattung im Vergleich zur Ackerbohne. Mit durchschnittlichen Jahresniederschlagsmengen von 500 bis 600 l/m² lassen sich stabile Erträge von 40 dt/ha erzielen.

Die Proteingehalte liegen bei der Körnererbse zwischen 22 und 25 %. Die Ertragsschwankungen sind im Vergleich zur Ackerbohne etwas geringer, was am effizienteren und umfangreicheren Wurzelsystem der Erbsenpflanzen liegt. Wie auch bei der Ackerbohne ist der Vorfruchtwert bei der Erbse mit steigender Bedeutung zu betrachten. Hinzu kommen Effekte wie eine verbesserte Bearbeitbarkeit des Bodens für die Folgefrucht als auch die Aufwertung des Krümelgefüges durch den Anbau von Leguminosen. Es gibt bei Körnererbsen verschiedene Typen bezüglich Blatt, Ranken und Blütenfarben. Dabei unterscheidet man zwischen Blatttypen, halbblattlosen (Ranktyp) und gänzlich blattlosen Typen.

Für den Anbau empfehlen sich aufgrund der besseren Verrankung im Bestand die halbblattlosen Typen. Bezüglich der Blütenfarbe gibt es buntblühende (meist rötlich) als auch weißblühende Sorten. Ein Fokus der Züchtung liegt auch bei der Herstellung von vicin- und convicinarmen Sorten.

Lupinen
© Sabine Rübensaat

Lupinen
Bei den Lupinen unterscheidet man drei Arten: Blaue (schmalblättrige) Lupine, Weiße Lupine und Gelbe Lupine. Am weitesten verbreitet sind die Blauen Lupinen, was an der Toleranz gegenüber der in 1990er-Jahren eingeschleppten Anthraktnose (Brennfleckenkrankheit) liegt.

Die Züchterhäuser bringen aber auch mehr und mehr Weiße Lupinen mit entsprechender Toleranz auf den Markt. Grundsätzlich unterscheidet man bei Lupinen zwischen endständigen (es) und verzweigenden (vz) Sorten, wobei die Ertragsfähigkeit bei den verzweigenden Sorten höher, jedoch die Gleichmäßigkeit bei der Abreife gegenüber den endständigen Sorten als schlechter einzuordnen ist. Insgesamt kann die Lupine mit noch weniger Wasser als die Körnererbse zurechtkommen. Dabei können mit Jahresniederschlägen von 400 bis 500 l/m² bis 25 dt/ha geerntet werden. In Ausnahmejahren gehen die Erträge auch mal über 30 dt/ha. Insgesamt sind die Schwankungen bei der Lupine jedoch höher als bei den Bohnen oder Erbsen. Dennoch bietet die Lupine im Vergleich zu Erbsen und Bohnen die höheren Proteingehalte (30–35 %), was sie besonders als Futterkomponente interessant macht.

Ackerbohnen
© Sabine Rübensaat

Ackerbohnen
Die Ackerbohne ist eine Kulturart mit gutem bis sehr gutem Ertragspotenzial. Dieses Potenzial, welches unter optimalen Bedingungen auch mal die 60 dt/ha übersteigen kann, ist jedoch stark abhängig von den Standortbedingungen insbesondere vom Niederschlagspotenzial mit 600, besser 700 l/m² jährlich. Die Proteingehalte der Ackerbohne liegen zwischen 28 und 30 %.

Es ist sehr wichtig, dass die Ackerbohne keinen längeren Stressphasen durch Hitze und Trockenheit, vor allem nicht während der Blüte und Kornfüllungsphase, ausgesetzt ist. Die Ackerbohne passt im Prinzip auf die weizenfähigen Standorte und hat es daher schwer, sich in der Fruchtfolge gegen Weizen durchzusetzen. Dennoch bietet die Ackerbohne die Möglichkeit, Fruchtfolgen zu entzerren und gerade bei enger Getreidefolge Probleme wie Fruchtfolgekrankheiten als auch Herausforderungen wie die Ackerfuchsschwanzproblematik zu entschärfen. Hinzu kommt ein hoher Vorfruchtwert, welcher gerade in der aktuell steil aufwärtsgerichteten Preisentwicklung bei N-haltigen Düngemitteln und deren eingeschränkter Verfügbarkeit eine neue, sehr relevante Bedeutung zukommt.

Ackerbohnen können, wie alle Leguminosen, in Symbiose mit entsprechenden Knöllchenbakterien, Luftstickstoff mineralisieren und mit dem Absterben der Pflanze der Folgefrucht zur Verfügung stellen. Bei den Ackerbohnen gibt es sowohl Winter- und Sommertypen als auch weiß- und buntblühende. Dabei sind die weißblühenden Sorten tanninarm. Es gibt vicin- und convicinarme Sorten.

Wann der Anbau von Leguminosen als heimische Proteinlieferanten sinnvoll ist

Die Produktion eigener Eiweißfuttermittel kann unter Umständen eine positive Auswirkung auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis haben. Eine einzelbetriebliche individuelle Betrachtung muss immer Grundlage für die Entscheidung zur eigenen Produktion von Eiweißfuttermitteln sein. Wenn der Produktionsprozess jedoch optimiert ist und man eine stabile Ertragsstruktur im Ackerbaubereich hat, kann der Anbau von Leguminosen als heimische Proteinlieferanten und unter dem Aspekt der Verwendung im eigenen Betrieb ökonomisch sinnvoll sein. Dabei gilt, dass je höher die erzielten Erträge bei den Leguminosen sind, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den anderen Kulturen in der Fruchtfolge steigt.

Vorteil der eigenen Produktion von Eiweißkomponenten ist eine gewisse Unabhängigkeit vom Futtermittelmarkt und unter Umständen auch eine Erhöhung der Verfügbarkeitssicherheit von Futtermitteln. Für und Wider der eigenen Eiweißfuttermittelproduktion müssen immer mit dem aktuellen Marktgeschehen im Futtermittel- als auch Marktfruchtbereich abgeglichen werden und gerade in nicht planbaren Märkten, die zurzeit das Handelsgeschehen weltweit bestimmen, ist die kontinuierliche Neubewertung von zentraler Bedeutung.

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Fazit

In Zeiten von rasanten Preissteigerungen und unsicheren Märkten kann die Überlegung hin zur eigenen Produktion von Proteinträgern für die betriebsinterne Verfütterung interessante Erkenntnisse liefern. Hier spielt aufgrund des aktuellen Weltgeschehens nicht nur die ökonomische Frage eine wichtige Rolle, sondern auch die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Futterkomponenten gerade im Bereich der Eiweißträger. Großkörnige Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen und auch Lupinen können bei bestimmten Betriebsstrukturen eine gute Alternative darstellen.

ERBSEN UND BOHNEN
Broschüren zu Anbau und Ökonomie
Die Broschüren „Ackerbohnen-Anbau in der Praxis“ und „Körnererbsen-Anbau in der Praxis“ von der Stiftung Ökologie & Landbau fassen die Ergebnisse mehrjähriger Praxisuntersuchungen in der Eiweißpflanzenstrategie zusammen. Sie beleuchten dabei auch die ökonomische Seite, den konventionellen und den ökologischen Anbau. Zudem geben sie praktische Empfehlungen zum Anbau der beiden Kulturen. Hier geht es zu den Broschüren.

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