Der Futteranschieber bringt die Ration an das Fressgitter. (c) Detlef Finger

Landwirtschaftsbetrieb Schröter: Roboter helfen bei der Stallarbeit

Beim Landwirtschaftsbetrieb Schröter in Tilleda wird auch weiterhin auf die Hilfe von Technik gesetzt. So können unter anderem Betriebsabläufe optimiert werden, was wiederum zu weniger Stress bei den Tieren führt und so zu einer höheren Milchmenge.

Von Detlef Finger

Der Landwirtschaftsbetrieb Schröter setzt auf Roboterhilfe: Kurz vor Weihnachten hat der Betrieb einen neuen Helfer für die Viehwirtschaft in Dienst gestellt. Dessen Aufgabe ist es, den Laufhof zwischen dem Liegeboxenstall und dem überdachten Außenfuttertisch von den Ausscheidungen der Milchkühe sauber zu halten. Diese Arbeit verrichtet nunmehr der schwergewichtige (385 kg), in eine rot-silberne Uniform gekleidete neue „Kollege“ rund um die Uhr.

Roboter: weniger stress für die tiere

Besagter Helfer ist ein Reinigungsroboter „Discovery 120 Collector“ von Lely. Er saugt Kot und Harn der Rinder mittels Vakuum auf und lässt die Exkremente über einer Teilfläche mit Spaltenboden in den Güllekanal ab. Per Smartphone lassen sich seine Einsatzhäufigkeit und die Routen programmieren. Der Roboter orientiert sich mittels integrierter Sensoren, etwa an Aufkantungen.

Ein Laufhof dieser Größenordnung war allerdings auch für den Stallausrüster neu. „Wir haben lange überlegt und letztlich eine auch kostengünstige Lösung gefunden“, erzählt Betriebsleiter Jörg Schröter. Mit hintereinander verlegten alten Betonbalken wurden Spurbahnen geschaffen. Die Kühe haben diese ebenso wie die neue Technik sehr gut angenommen und lassen sich davon nicht stören. „Das Einfahren des Gerätes hat gut geklappt“, sagt der 53-Jährige. Selbst leichte Minusgrade stellten bislang kein Problem dar. Für die Inbetriebnahme war Martin Heinze, Servicetechniker und Produktspezialist vom Lely-Center Wenigenauma, Landkreis Greiz (Thüringen), nach Tilleda gekommen. Den „Collector“ hatte der Hersteller im Zuge einer Testaktion angeboten.

Reinigungsroboter: Zeitersparnis von täglich einer Stunde

Roboter
Den Reinigungsroboter zu programmieren, hatte auch Tücken. Jörg Schröter (l.) und Servicetechniker Martin Heinze nahmen es mit Humor. (c) Pascal Schröter

Der Roboter sorgt nun dafür, dass die tägliche Arbeitsroutine des Mistschiebens auf dem Laufhof Geschichte ist. „Es gibt nichts Schöneres: Wir kommen früh in den Stall und es ist schon eine Arbeit erledigt“, freut sich Jörg Schröter, der den Familienbetrieb gemeinsam mit seinem ältesten Sohn, Pascal (31), und einem Mitarbeiter bewirtschaftet.

Neben einer Zeitersparnis von täglich etwa einer Stunde bringt der Reinigungsroboter vor allem auch Vorteile für das Milchvieh: Das Umtreiben für das Mistschieben mit dem kleinen Weidemann-Hoftrac entfällt nunmehr – samt dem damit verbundenen Stress für die Tiere.

Diese müssen jetzt nur noch etwa alle zehn Tage vom Laufhof weichen, wenn die Liegeboxen im Kuhstall frisch aufgefüllt werden. „Das bringt noch mehr Ruhe in die Herde“, sagt Jörg Schröter. „Und Kühe mögen Ruhe und Routinen.“ Der Betriebsleiter hofft, dass das zusätzliche Plus an Tierwohl auch zu dem einen oder anderen Liter mehr Milch bei den Kühen führt.

Stallreiniger und futteranschieber

Bereits seit 2018 ist auf dem Betrieb im Südharz ein mobiler Stallreiniger „Discovery 90 S“ von Lely im Einsatz. Das autonom fahrende Gerät drückt im Kuhstall den Mist (Kot, Harn und Einstreu aus den Tiefliegeboxen) mittels einer Gummilippe durch die Öffnungen im Spaltenboden und sorgt dort für saubere Laufgänge. Das kontinuierliche Reinigen der Laufwege im Stall und auch auf dem Hof hilft, die Flächen trockener zu halten und damit bakteriellen Klauenerkrankungen vorzubeugen.

2017 kam „Juno“ auf den Hof. Der automatische Futteranschieber, ebenfalls aus dem Hause Lely, fährt eigenständig auf den Futtertisch und drückt das Futter mit seiner rotierenden Gummischürze an das Fressgitter heran. So ist die Ration stets in Reichweite der Tiere. „Davon profitieren insbesondere die rang niederen Kühe“, weiß Jörg Schröter. So gelangten auch sie immer ans Futter, könnten Leistung erbringen und bekämen keine Stoffwechselprobleme. „Der Futteranschieber hat damit den schnellsten Effekt aus betriebswirtschaftlicher Sicht gebracht und sich relativ zügig bezahlt gemacht“, sagt der Landwirt. Die Kühe werden durch das Anschieben außerdem zum Fressen angeregt, der Futtertisch bleibt immer sauber und bei einer Top-Silagequalität gehen außerdem die Restfuttermengen gegen null.



weitere investitionen nicht auszuschließen

Den größten Automatisierungsschub realisierte der Familienbetrieb allerdings bereits Ende 2016 mit dem Umstellen auf das automatische Melken. Zwei Lely-Melkroboter „Astronaut A4“ entziehen den rund 120 Kühen seither täglich mehrfach die Milch. „Der Umstieg war eine Zukunftsentscheidung“, sagte Schröter damals, geschuldet vor allem der hohen Arbeitsbelastung im Betrieb, zu dem Milchvieh, Acker- und Grünland sowie eine kleine Fleischrinderherde gehören.

Sie schätzen die Arbeitserleichterungen sehr: Jörg und Pascal Schröter (v. l.).
Sie schätzen die Arbeitserleichterungen sehr: Jörg und Pascal Schröter (v. l.). (c) Detlef Finger

Der Blick auf die eigene Arbeitskräftesituation, aber auch jene in der Landwirtschaft im Allgemeinen, bestärkt die Schröters in ihrem Entschluss, stärker auf automatisierte Arbeitsabläufe zu setzen. „Die Technik nimmt uns etwas an Arbeitsdruck. Nicht vergessen werden darf aber, dass jemand da sein muss, der diese kontrolliert“, betont der Betriebsleiter. Und: Es müsse auch mit den Tieren passen, insbesondere beim Robotermelken. „Von der Technik abhängig zu sein, ist ein weiterer Aspekt“, gibt Jörg Schröter zu bedenken. Pflege, Wartung und gegebenenfalls auch Reparaturen an den Robotern erledigt größtenteils Sohn Pascal.

„Wenn es die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zulassen, würden wir eventuell auch über eine automatisierte Futtervorlage nachdenken“, blickt der Betriebsleiter voraus. Das Füttern sei ein absoluter Zeitfaktor. Aber: „Das ist eine Investition in ganz anderen Dimensionen und es wären umfangreichere bauliche Maßnahmen nötig.“

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