Dränteiche wie hier bei Jürgenshagen eignen sich gut, um Nitrat zu reduzieren, weniger um Phosphorbelastungen abzubauen. © Edgar Offel

Wasserrahmenrichtlinie: „Niemand wird enteignet“

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hält Landwirte und Umweltverwaltung in Atem. Die meisten Gewässer sind weit vom gewünschten Zustand entfernt, wie beim 10. Dialog zur WRRL deutlich wurde. Doch die Zeit zum Handeln wird knapp.

Die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hält Landwirte und Umweltverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern in Atem. Bis 2027 sollen Gewässer und Grundwasser in gutem chemischen und ökologischen Zustand sein. Davon sind die meisten Gewässer aber noch weit entfernt, machte Renate Brügge, Abteilungsleiterin im Agrar- und Umweltministerium beim 10. Dialog Wasserrahmenrichtlinie deutlich.

WRRL: 90 % der Grundwasserkörper nicht in Gutem Zustand

Mit 21 % in gutem und besserem chemischen und ökologischen Zustand weisen die über 200 Seen im Land noch das beste Ergebnis aus. Dagegen befinden sich laut Brügge nur zehn Prozent der Grundwasserkörper mengenmäßig und chemisch in gutem Zustand. Noch schlechter fällt die Bilanz bei den Küstengewässern aus: Kein einziges erreicht bisher das vorgegebene Ziel. „Viel Zeit bleibt nicht mehr, wir müssen uns mächtig ins Zeug legen. Nach Abschluss einer Maßnahme brauchen Gewässer zehn bis fünfzehn Jahre, um sich zu erholen“, gab Brügge auf der Online-Veranstaltung vor mehr als 140 Teilnehmern zu bedenken.

Eine öffentliche Anhörung zu den Entwürfen von Plänen und Maßnahmen im dritten Bewirtschaftungszyklus der Wasserrahmenrichtlinie (2019–2027) brachte 368 Stellungnahmen und über 4.900 Einzelforderungen. Allein 181 Statements stammten von Landwirten. „Darin kam überwiegend Sorge zum Ausdruck“, sagte André Steinhäuser aus dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG). Landwirte seien von der angekündigten „Vollplanung“ von Maßnahmen zur Gewässerverbesserung regelrecht „erschreckt“.

Steinhäuser stellte klar, dass dafür in jedem Fall Genehmigungsverfahren und die Zustimmung der Flächeneigentümer Voraussetzung seien. Er habe „gefühlt hunderte Telefonate“ geführt, in denen er einen sofortigen Baubeginn ausschloss, ebenso Enteignungen, Rückgriffe auf Flächen privater Eigentümer ohne deren Einverständnis und „den Zwang zur Betriebsaufgabe“ durch Maßnahmen zur Gewässerverbesserung. „Niemand wird enteignet“, versicherte der Dezernatsleiter.

LandwirtschaftsBetriebe wollen Nährstoffeinträge reduzieren

Neben der Struktur und dem ökologischen Zustand der Gewässer besteht bei der Reduzierung der Nährstoffeinträge in Gewässer und Grundwasser weiter großer Handlungsbedarf. Katharina Riebe und Dr. Ines Bull von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei gaben dazu Einblick in interessante Forschungsergebnisse. Danach wird bei fachgerechter Düngung die gewünschte Konzentration von unter 50 mg NO3/l im Mittel der Jahre erreicht. Langfristig lassen sich keine Unterschiede durch die Düngeform bestätigen.

Andreas Hoppe von der LMS Agrarberatung stellte die WRRL-Beratung in Einzugsgebieten belasteter Fließgewässer in Vorpommern vor. Zusammen mit seinem Kollegen Hannes Rohde will er hier in den nächsten zwei Jahren 104 Landwirtschaftsbetriebe bei der Minderung diffuser Nährstoffeinträge unterstützen. Laut dem Berater war die Resonanz auf die versandten Fragebögen recht gut. „Die Betriebe zeigten sich willig, mitzuarbeiten, die Nährstoffeinträge zu mindern“, so Hoppe. ri


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