Auf dem Hof der Familie Fisch in der Südeifel standen mehrere Traktoren sowie Wirtschaftsgebäude unter Wasser. Die Familie konnte sich vor den Fluten retten. (c) Silke Roth

Drei Katastrophen, zwei Seiten der Solidarität

Covid-19, Hochwasser und ASP-Ausbrüche in Nutztierbeständen: Nach einer solchen Woche fällt es nicht leicht, die Gedanken zu sortieren. Immer, wenn man meinte, es könne nicht schlimmer kommen, passierte es doch.

Von Ralf Stephan

Noch längst nicht überstanden haben wir die Corona-Pandemie, da bricht mit den Unwettern im Westen und Süden eine weitere Katastrophe über unser Land herein.

Chefredakteur der Bauernzeitung/Deutschland: Ralf Stephan. 2019
Ralf Stephan, Chefredakteur der Bauernzeitung

Fast zeitgleich – und zumindest für die Schweinehalter im Osten mit katastrophalen Folgen – überwindet die Afrikanische Schweinepest (ASP) die bislang als Schutzwall geltenden Stallmauern. An gleich drei Orten nahe der polnischen Grenze infizierten sich zum ersten Mal Nutztierbestände mit der für Schweine meist tödlichen Seuche.

Schutz und Umgang mit Katastrophen lässt zu wünschen übrig

Alle drei Katastrophen kamen nicht unangekündigt. Covid-19 grassierte schon in anderen Teilen der Welt, bevor bei uns verstärkt Infektionen auftraten. Konkrete Unwetterwarnungen aus dem europäischen Hochwasserzentrum gab es, wie man jetzt erfährt, schon eine Woche vor dem Einsetzen der Starkregenfälle. Und die ASP schiebt sich seit Jahren aus dem Baltikum zu uns heran, seit September vorigen Jahres breitet sie sich trotz diverser Bekämpfungsmaßnahmen in heimischen Wildschweinbeständen aus.

Der Schutz vor und der Umgang mit Katastrophen erfolgt hierzulande definitiv nicht auf dem Niveau, das man von einer hochorganisierten Industrienation erwarten sollte. Warum das so ist, wieso Informationsketten nicht funktionieren, weshalb Warnungen nicht ernst genommen werden und aus welchen Gründen die vor Ort Zuständigen mit größeren Krisenlagen überfordert sind, muss nun endlich ernsthaft analysiert werden. Und geändert. Denn eines weiteren Beweises, dass wir uns auch in Mitteleuropa auf neue Unwetter- und Seuchenlagen einstellen müssen, sollte es nun nicht mehr bedürfen.

beispielhafte Solidarität

Unglaublich gut funktioniert dagegen die Solidarität mit den vom Hochwasser Betroffenen. Aus allen Teilen der Republik brachen sofort auch Landwirte und Lohnunternehmer mit schwerer Technik in die Krisengebiete auf. Sie helfen beim Aufräumen, während andere zu Hause Sachspenden einsammeln und sie auf den oft Hunderte Kilometer weiten Weg bringen. In Krisen, so heißt es, zeigt sich das Beste im Menschen. Zum Glück hat sich wenigstens daran noch nichts geändert.

Zu wünschen wäre den von ASP betroffenen Tierhaltern, dass die Solidarität mit ihnen ähnlich gut funktioniert. Als bekannt wurde, dass die ersten Fälle in Kleinsthaltungen und in einem Ökobetrieb aufgetreten sind, war davon zumindest in den tonangebenden digitalen Netzwerken wenig zu spüren. Obwohl noch unklar ist, wie das Virus in die Ställe kam, wo alle betroffenen Tiere gehalten wurden, enthielten manche Ferndiagnosen auch gleich Schuldzuweisungen. Von Hilfsangeboten war nichts zu lesen.

Auf der anderen Seite wird von Freilandhaltern erwartet, ihre Bestände auch ohne veterinärrechtliche Handhabe vorsorglich zu schließen. Dass es ihnen schwerfällt, einen ganzen Betriebszweig und jahrelange Zuchtarbeit einfach aufzugeben, lässt sich gut nachvollziehen. Wenn es dennoch notwendig ist, muss es dafür klare Regeln bis hin zur Entschädigung geben. An ihnen aber scheint es noch immer zu fehlen. Die Handelnden vor Ort stehen mit schweren Entscheidungen wieder mal allein da.


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