Dexterrinder sind die kleinsten europäischen Rinder. Sie waren die ersten tierischen Bewohner des Vierseitenhofes in Pappendorf. (c) Silvia Kölbel

Mit Dexter und Duroc auf dem Weg zum Haupterwerb

Vor elf Jahren krempelten Frank und Annette Scholz ihr Leben komplett um. Als Quereinsteiger kauften sie sich im mittelsächsischen Pappendorf einen Vierseitenhof und begannen mit der Tierhaltung.

Von Silvia Kölbel

Frank und Annette Scholz haben einen Bauernhof, wie sich ihn Menschen ohne Bezug zur Landwirtschaft gerne vorstellen: ein paar Rinder, ein paar Schweine, ein paar Schafe, und das alles auf einem idyllisch gelegenen Vierseitengehöft. Das Paar führt seinen Hof im Striegistaler Ortsteil Pappendorf im Landkreis Mittelsachsen im Nebenerwerb.

Robuste Dexter Rinder

Als Quereinsteiger kauften sich die beiden vor elf Jahren das Anwesen, um sich ihren Traum von der eigenen Landwirtschaft zu erfüllen. Zu den ersten Bewohnern gehörten die Dexter. „Das sind die kleinsten europäischen Rinder. Weil wir nur drei Hektar Grünland zur Verfügung haben, fiel die Entscheidung für diese Rasse. Wir wollten auch ausschließen, dass es auf der Weide zu Trittschäden kommt“, erklärt Frank Scholz.

Zwei alte Reitponys bekommen auf dem Hof von Annette und Frank Scholz ihr Gnadenbrot.
Zwei alte Reitponys bekommen auf dem Hof von Annette und Frank Scholz ihr Gnadenbrot. (c) Silvia Kölbel

Zum Bestand gehören derzeit Bulle Max, drei Kühe und die Nachzucht. Die Abkalbezeit fällt meist in den Januar und Februar. Die Bedeckung der Kühe überlässt Frank Scholz der Natur. „Seit 2011 bekommen die Kühe regelmäßig jedes Jahr ein Kalb. Auf Trächtigkeitsuntersuchungen kann ich deshalb verzichten“, ist der Landwirt mit der Fruchtbarkeit seiner Rinder zufrieden. Die aus Irland stammende Rasse wurde als Zweinutzungsrind gezüchtet, das mit kargem Futter zurechtkommt. Heute überwiegt die Mutterkuhhaltung. Die für diese kleine Rasse recht hohe Milchleistung von 2.000 bis 3.000 kg Jahr wirkt sich positiv auf das Wachstum der Kälber aus.

Die robusten Tiere eignen sich für eine ganzjährige, extensive Weidehaltung. Zum Abkalben holt Frank Scholz die Kühe trotzdem in den Stall. Dort erfolgt die Untersuchung durch den Tierarzt und die Bemarkung. „Nach zwei bis drei Wochen lasse ich sie dann wieder in die Herde“, sagt Scholz. Beim Gang in den Stall müssen die Rinder durch den Fangstand laufen. „Das hat den Vorteil, dass sie das gewöhnt sind. Wenn etwas mit ihnen gemacht werden muss, Blut abnehmen zum Beispiel, geraten sie nicht in Stress und bleiben ruhig“, beschreibt der Nebenerwerbler seine Strategie. Obwohl sich Dexterrinder durch ein ruhiges Gemüt auszeichnen, hat Scholz die recht spitzen Hörner der Tiere etwas abrunden lassen.

Direktvermarktung der Durocs

Vor drei Jahren entschloss sich die Familie, die Tierhaltung und damit auch das Sortiment für die Direktvermarktung zu erweitern. Sie begannen mit der Schweinehaltung. 15 bis 18 Durocs leben seitdem in den Ställen. Jeden Monat lassen Scholz´ ein bis zwei Tiere schlachten. „Wir kaufen die Schweine als Ferkel und mästen sie bis zu einem Gewicht von 140 bis 160 Kilogramm“, berichtet Frank Scholz. Im Sommer füttern die Landwirte Gras. Im Winter Schrot und Heu. Mindestens vier Quadratmeter Platz stehen jedem Schwein zur Verfügung. Rind und Schwein lassen Annette und Frank Scholz auf dem Gutshof Tamme in Birkenhain bei Dresden, einem Demeter-Betrieb, zu Fleisch und verschiedenen Wurstsorten verarbeiten, die es sowohl frisch als auch in Gläsern gibt.

Die Vermarktung erfolgt ab Hof. „Auf einem Schild am Tor geben wir die Termine des Verkaufs bekannt. Ein Hofladen mit regelmäßigen Öffnungszeiten lohnt sich nicht. Dazu sind wir hier zu sehr abseits“, sagt Annette Scholz. Schließlich steht auch zeitlich gesehen der Haupterwerb, ein Cateringservice, im Mittelpunkt. 2019 haben die beiden Sachsen eine ganz neue Vermarktungsschiene für sich entdeckt: die Marktschwärmerei, ein aus Frankreich stammendes Konzept mit Ablegern in verschiedenen europäischen Ländern, darunter Deutschland. Das Konzept verbindet traditionellen Bauernmarkt mit modernem Online-Einkauf.

Mehr als 100 solche Schwärmereien gibt es inzwischen auch hierzulande. Bei dieser Vermarktungsform können die Kunden online bestellen und bezahlen. Ihre Waren holen sie sich während eines Markttages, der meist nur etwa zwei Stunden dauert, bei einem sogenannten Gastgeber ab. Dort treffen die Verbraucher auch auf die Produzenten. „Marktschwärmer ist eine feine Sache. Für uns ist das genau die passende Form der Direktvermarktung. Inzwischen beliefern wir zwei Schwärmereien“, berichtet Frank Scholz. Ihre Kenntnisse aus dem Cateringservice beim Zubereiten von Fertigspeisen kommen Annette Scholz hier sehr zugute. In ihrer Direktvermarktung bietet sie auch Fruchtaufstriche, Salate und Fertiggerichte an.

In der Zukunft auch noch Käse

Komplettieren wollen Annette und Frank Scholz ihre Direktvermarktung perspektivisch mit Ziegenmilch und Ziegenkäse. Die Lieferanten des Ausgangsproduktes stehen in kleiner Gruppe bereits auf dem Hof: ein Thüringer Wald Ziegenbock und drei weibliche Tiere. Diese werden wahlweise mit der Hand oder einer kleinen Melkmaschine gemolken. Annette Scholz tastet sich gerade an die Käseherstellung heran. „Die ersten Versuche mit Frischkäse laufen bereits“, berichtet sie. Dieses Jahr soll ein Käseraum auf dem Hof entstehen, nächstes Jahr möchte das Paar seinen Nebenerwerbsbetrieb gern in den Haupterwerb überführen. Dazu sei es natürlich noch notwendig, den Bestand der Milchziegen zu erweitern.

Ursprünglich waren die beiden auch in die Geflügelhaltung eingestiegen. Von Gänsen und Enten musste sich das Paar aus gesundheitlichen Gründen aber wieder trennen. Übrig geblieben ist eine kleine Hühnerschar, deren Eier ebenfalls in die Direktvermarktung einfließen. Auf dem Hof leben außerdem noch zwei Jakobschafe – eine Rasse mit meist vier Hörnern und einem gefleckten Fell. „Diese Schafe halten wir, weil sie uns gefallen“, sagt Frank Scholz. Auch zwei in die Jahre gekommene Ponys, ehemalige Reitpferde des Landwirtes, erhalten auf dem Hof in Pappendorf ihr Gnadenbrot.

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