Der Mähbinder von Rainer Käppler aus Koßdorf ist um die 100 Jahre alt und funktioniert im Praxiseinsatz einwandfrei. (c) LVG

LVG Köllitsch: Nur etwas Hafer steht noch auf dem Halm

„Besondere Herausforderungen“ und viele Unterbrechungen warteten beim diesjährigen Erntestart im Lehr- und Versuchsgut (LVG) Köllitsch auf die Mitarbeiter. Auch die Erträge enttäuschten.

Von Karsten Bär

Ein Jahr mit normalen Niederschlägen hat auch seine Kehrseite: Tag für Tag fast ohne Unterbrechung zu dreschen, wie man es in den vergangenen Jahren konnte, war in diesem Jahr nicht möglich. Dem diesjährigen Erntestart am 6. Juli folgte im Lehr- und Versuchsgut (LVG) Kölltisch gleich eine Woche Druschpause.

„besondere Herausforderungen“ und motivierte Mitarbeiter

Und auch danach kam es selten vor, dass der Mähdrescher zwei oder drei Tage hintereinander ins Getreide fahren konnte. Von „besonderen Herausforderungen“ sprechen daher Betriebsleiter Ondrej Kunze und Feldbauleiter Nico Wolf. Zumal es Ziel des Betriebes ist, das Getreide vom Feld direkt ins Lager zu fahren, ohne dass es noch zusätzlich getrocknet wird. Das sei dieses Mal anspruchsvoll gewesen, habe aber funktioniert – „dank motivierter Mitarbeiter“, wie Ondrej Kunze betont.

Trotz vieler Unterbrechungen: Bis auf 12 ha Hafer ist der Drusch von Getreide und Raps inzwischen abgeschlossen. Den Sommerhafer hofft man dieser Tage vom Feld holen zu können. Der Winterhafer liegt indes bereits in der Scheune. Den hatte das LVG auf 20 ha erstmals im Anbau. Sommerungen hatten in den vergangenen Jahren häufig mit extremer Trockenheit nach der Aussaat zu kämpfen. Wo es geht, versucht der Betrieb daher auf Sorten umzustellen, die im Herbst in den Boden kommen und von den Winterniederschlägen profitieren können – wie Wintererbsen, Winterackerbohnen oder eben Winterhafer.

Winterhafer und Wintergerste überzeugen

Und Letzterer hat bei seiner Premiere überzeugt. „Das war fast schon ein Selbstläufer“, sagt Feldbauleiter Nico Wolf. Der Bestand sei äußerst pflegeleicht gewesen, und der Ertrag war mit 60,1 dt/ha „überraschend gut“. Zudem konnten die Köllitscher Feldbaumitarbeiter hochwertiges Futterstroh von der Fläche fahren. „Ich bin gespannt, was der Sommerhafer bringt“, so Nico Wolf. „Aber ich glaube nicht, dass er an den Winterhafer rankommt.“ Der Hafer geht zum überwiegenden Teil an das Sächsische Hauptgestüt im nahen Graditz.

Gute Ergebnisse verzeichnet das LVG auch bei der Wintergerste. Je nach Fläche liegt hier der Ertrag zwischen 68 und 80 dt/ha. Im Mittel stellt diese Kultur in diesem Jahr zufrieden. Die Gerste wird fast vollständig in der Fütterung des Betriebes eingesetzt.

Strohbergung lief wie am Schnürchen

Auch das Stroh ist für die Köllitscher wichtig – ein Grund für manche Unterbrechung des Gerstendruschs. Wenn nach einem kurzen Drusch-Zeitfenster regnerische Tage in Aussicht standen, wurde statt in die Wintergerste in den Raps oder die Erbsen gefahren, deren Stroh man nicht benötigt. Zwar funktionierte die Quaderballenpresse wegen Softwareproblemen alles andere als einwandfrei, doch die Strohbergung lief wie am Schnürchen: Drei bis vier Mitarbeiter schafften pro Tag, Stroh von 50 bis 60 ha abzuräumen.

Winterraps und wintereizen enttäuschen

Statt für gute Erträge sorgte der Winterraps dieses Jahr für Enttäuschung. Mitte Juli wurde gedroschen. Gerade einmal 10 dt/ha wurden vom ersten Schlag gefahren. Zwar blieb dies das schlechteste Einzelergebnis, aber über einen Bestwert von 32 dt/ha ging es nicht hinaus. Im Mittel kamen kaum 20 dt/ha zusammen. Ackerbaulich habe man alles genauso gemacht wie im vergangenen Jahr, gibt ein spürbar unzufriedener Nico Wolf zu verstehen. Jedoch habe es im April extremen Zuflug des Rapsstängelrüsslers gegeben. Da das LVG als Demonstrationsbetrieb eine sehr extensive Pflanzenschutzstrategie fährt, wurden nur die zwei der sechs Rapsschläge behandelt, die direkt betroffen waren. Von ihnen wurden auch die besten Erträge geholt.

Auch der Winterweizen erfüllte die Erwartungen nicht. Er habe, bedauert der Feldbauleiter, „die Ansprüche, die wir dieses Jahr hatten, nicht befriedigt“. Vom besten Schlag, auf dem als Vorfrucht Zuckerrüben standen, holte das LVG rund 74 dt/ha, auf schwächeren Schlägen waren es nur 61 dt/ha. Der Ökoweizen brachte 52 dt/ha. „Nach den Niederschlägen in diesem Jahr waren die Erwartungen hoch“, so Nico Wolf.


LVG Köllitsch

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historische Landtechnik im einsatz

Was möglich gewesen wäre, zeigten die Bestände von Mais und Rüben, ebenso wie der Ertrag vom Grünland. Doch viel besser als in den zurückliegenden trockenen Jahren waren die Erträge beim Getreide in diesem nicht.

Die Getreidegarben werden für das Hoffest im kommenden Jahr gebraucht.
Die Getreidegarben werden für das Hoffest im kommenden Jahr gebraucht. (c) LVG

Wie in den Vorjahren war auch bei dieser Ernte wieder historische Landtechnik in Köllitsch zu sehen: Rainer Käppler vom Oldtimer- und Schlepperverein Koßdorf fuhr mit einem rund 100 Jahre alten Mähbinder ins Getreide. Und dies nicht aus Gaudi: Mit der Alt-Technik wurden Getreidegarben gebunden. Sie werden im kommenden Jahr beim Tag der offenen Tür im LVG benötigt, wo die Spannbreite der Landtechnik von gestern bis heute dargestellt und unter anderem auch Getreide gedroschen werden soll, wie es zu Urgroßvaters Zeiten üblich war. Die Veranstaltung wird am 11. Juni stattfinden. Mit ihr soll das Jubiläum „30 Jahre LVG“ gefeiert werden.


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