Mutterkühe der Agrargenossenschaft Teichel eG (c) Frank Hartmann

Agrargenossenschaft Teichel eG: Bilanz 2022

Für das auslaufende Jahr 2022 zieht Vorstandschef Dr. Stefan Blöttner der Agrargenossenschaft Teichel eG eine ambivalente Bilanz. Ohne Frage zählt die Bewältigung der Insolvenz zu den Erfolgen.

Von Frank Hartmann

Mit dem Verkauf der (weiterhin nutzbaren) Eigentumsflächen zahlte die Agrargenossenschaft Teichel einen hohen, aber alternativlosen Preis: Die Gläubiger sind zu 100 % abgefunden und die Eigenständigkeit erhalten worden. Gut und wichtig ist für Blöttner, dass die Verpächter ihrer Genossenschaft die Treue gehalten haben.

Ein Ärgernis bleibt jedoch: Seit acht Wochen schon wartet man auf den formaljuristischen Schlussstrich des Insolvenzgerichtes. Eine ganzjährig stabile Milchleistung bei gleichzeitig hohen Auszahlungspreisen setzt Blöttner auf die Habenseite.

Mit dem Beginn der Futterernte begleiteten im vierten Dürrejahr seit 2018 aber Sorgen um das Grundfutter das Milchjahr. Trotz extrem gestiegener Kosten für Futterkauf und durch Lohnerhöhungen beim Personal „machen wir, wenn alles gut geht, in diesem Jahr Geld mit der Milch“. Kürzlich erst hat man mit Prof. Dr. Alexander Starke von der Universität Leipzig für 2023 ein Projekt mit der Milchviehherde vereinbart.

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Agrargenossenschaft Teichel eG Bilanz 2022: Ackerbau und Biogasanlage

Bei der Druschfruchternte liegen Licht und Schatten dicht beieinander. Die hohen Preise – Raps konnte die Agrar eG Teichel etwa für 820 €/t verkaufen – machten Freude. Umso betrüblicher waren die schwachen Erträge einschließlich der dünnen Strohernte sowie die hohen Kosten für Mineraldünger und Diesel. Unterm Strich bleibe hier dennoch kein Plus. Das Wissen darum, auf einem Grenzertragsstandort zu wirtschaften, motiviert dazu, immer wieder Neues zu probieren. Die diesjährigen Sonnenblumen zählen dazu, wie Speiselinsen im nächsten. Am 1. November kam die Sommerbraugerste Accordine in den Boden.

Eine Fahrgassenbreite hat Pflanzenbauvorstand Eric Engelmann schwarz gelassen. Hier soll für den Vergleich wie üblich im Februar/März die Aussaat erfolgen. Der jüngste Schneefall von bis zu 15 cm hat die junge Saat gut vor dem ersten Frost geschützt. Als absehbar war, dass der Silomais nur die Hälfte des geplanten Volumens bringen wird, musste die Biogasanlage den Beitrag für die Stabilität der Futterversorgung der Rinder zahlen. Seit dem Sommer lief sie nur noch mit „halber“ Leistung.

Die finanzielle Konsequenz daraus bildeten die Einnahmen aus dem Stromverkauf ab. Kooperationen mit Nachbarbetrieben und der jetzt noch kurzfristig ermöglichte Zukauf von Roggen- und Maisilage, die sich nicht als Futter eignen, heben kurz vor Weihnachten die Stimmung. Die Leistung konnte wieder hochgefahren werden. Seit dem 1. Dezember wird im Übrigen direktvermarktet und Eigenstrom erzeugt.

Bildergalerie: Bilanz 2022

Milchkühe gucken durchs Fressgitter auf den Futtertisch

Rinderfutter und Biogassubstrat mussten in der Dürre klug verteilt werden. Die Mutterkühe verursachten hohe Kosten. (c) Frank Hartmann

Mutterkühe vor Tankwagen

Mutterkühe der Agrargenossenschaft Teichel eG (c) Frank Hartmann

Eine Premiere: Der Gemeinschaftsstand der Direktvermarkter auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt.

Eine Premiere: Der Gemeinschaftsstand der Direktvermarkter auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt. (c) Frank Hartmann

Der Zweitfruchtmais Ende Juni: Viel kam davon nicht mehr ins Silo

Der Zweitfruchtmais Ende Juni: Viel kam davon nicht mehr ins Silo. (c) Frank Hartmann

Stabile Direktvermarktung

Die Aussicht, aufgrund der Anlagenleistung vom geplanten Preisdeckel verschont zu bleiben, gibt Hoffnung. Das stärkt zudem Blöttners Zuversicht, im nächsten Jahr in die Optimierung der Anlage investieren zu können, um den Nawaro-Anteil der Substrate spürbar zu senken. Stabilität zeichnet für gewöhnlich die Direktvermarktung der Agrargenossenschaft Teichel eG aus. Um die in Zeiten von hoher Inflation aufrechthalten zu können, mussten Blöttner und sein Team an allen Stellschrauben drehen. „Bei uns kaufen zum überwiegenden Teil Stammkunden. Allerdings war ab dem Sommer zu spüren, dass die Warenkörbe kleiner wurden. Unser Absatz schrumpfte.“ Bildlich dargestellt: Im ganzen Oktober wurde nur ein Rind aus der Charolaisherde geschlachtet, zuvor waren es bis zu vier Tiere monatlich. Angepasst wurden daher die Preise, was die Kundschaft akzeptierte.

Neben dem Mastgeflügel zählt die Wildvermarktung aus dem Gatter zum Saisongeschäft. Weil das Dam- und Rotwild nach den Kriterien „Wie freilebendes Wild“ gehalten wird, müssen in dieser Saison ein paar Tiere mehr geschossen werden, damit die zulässige Besatzdichte nicht überschritten wird. Blöttner ist gespannt auf das neue regionale Vermarktungsangebot mit Automaten, das der Thüringer Bauernverband im Haus der grünen Verbände in Erfurt vorbereitet.

Dort werde es Produkte aus Teichröda geben. Sülze, Leber- und Rotwurst werden erstmals in diesem Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt verkauft. Das Kompetenzzentrum Direktvermarktung organsierte dafür mit der Landvolkbildung einen Gemeinschaftsstand für Direktvermarkter.

Mutterkuhhaltung

Die Mutterkuhwirtschaft der Agrargenossenschaft Teichel eG war, wie in den Dürrejahren zuvor, abermals ein hartes Stück Arbeit. Die Kosten seien unter derartigen Bedingungen einfach zu hoch, weiß Blöttner. Wenig Futter auf den Weiden bedeutete das ständige Umsetzen der Tiere samt Transport und Weidezaunbau. In der Hitze musste über alle Maßen Tränkwasser herangefahren werden. Das frühe Abkalben im Stall kostete zusätzlich Futter.

Versöhnlich zeigte sich dann der Herbst mit seinen Niederschlägen, was den Grünlandaufwüchsen noch einmal einen ordentlichen Schub verlieh. Ungeachtet dessen konnten überregional Zuchttiere verkauft werden. Investiert wird in den eigenen Bestand, sagt Blöttner: „Wir brauchen neue Bullen.“

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