• 2012
  • 06.11.
  • 2012.06.11.

Milchvieh: Mehr Lebensleistung ist das Ziel

Man kann sie „Hochleistungssportler“ nennen oder „kleine Kraftwerke“ – was moderne Milchkühe leisten, regt zum manchem Vergleich an. Dabei gelten solche Umschreibungen nicht nur für die Milchleistung der Tiere, sondern auch für die Umstände, unter denen sie diese Ergebnisse erbringen. „Da muss alles stimmen“, ist Beate Lux, Bereichsleiterin Rinder im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch, überzeugt.


Unterschiedliche Kuhhaltung

Knapp 200 Milchkühe stehen im LVG, die Leistung lag nach Milchleistungsprüfung des Vorjahres bei knapp 10.300 Litern je Kuh – die Zahlen für das kürzlich abgelaufene Prüfungsjahr werden erst in den kommenden Woche vorliegen. Die Ausrichtung des LVG als Ausbildungs- und Demonstrationsbetrieb bedingt es, dass die Tiere teils unterschiedlich gehalten und gemolken werden.


Verschiedene Melkstände

Rund 120 Kühe kommen zwei Mal täglich in den Fischgrätenmelkstand, etwa 55 werden von einem Melkroboter gemolken, der 2001 installiert und vor zwei Jahren erneuert wurde. Eine Rohrmelkanlage ist in dem Stallbereich installiert, in dem die Kühe, die frisch gekalbt haben, die ersten Tage nach der Geburt gesondert untergebracht sind und betreut werden.


Zutritt für Kühe mit „Melkrecht“

„Die Roboterkühe waren anfangs leistungsmäßig überlegen“, sagt die Bereichsleiterin. „Inzwischen ist das nicht mehr so.“ Zutritt zum Roboter haben nur Kühe mit „Melkrecht“. Zwischen zwei Melkvorgängen liegt ein zeitlicher Mindestabstand, in der Regel sechs Stunden, der jedoch je nach Laktationsphase angepasst wird. Vor dem Roboter gibt es allerdings mitunter auch „Stau“. Die Tiere kommen nicht zum Melken, aber auch nicht aus dem Vorwartehof heraus. So vergeht manchmal Zeit, in der die Kühe nicht fressen oder liegen können. Ein Zustand, der durch bauliche Veränderungen künftig behoben werden soll.


Fütterung entscheidend

Entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Milchkuh ist die Fütterung – hier kommt es darauf an, die richtige Mischung aus strukturreichem Grundfutter sowie dem Energie- und Eiweißgehalt hinzubekommen. „Wir arbeiten dabei eng mit den Fachleuten aus der Abteilung Tierische Erzeugung des Landesamtes zusammen“, erklärt Beate Lux.


Zusammenarbeit mit Landesamt

Als Standort der Abteilung „Tierische Erzeugung“ des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ist Köllitsch Arbeitsplatz der Futterexperten der Einrichtung – und diese Nähe macht sich der Rinderbereich zunutze. Die Futterrationen werden regelmäßig mit Dr. Olaf Steinhöfel, Leiter des Referats Haltung und Fütterung besprochen. Jedes Silo wird beprobt, die Ration auf Grundlage der Ergebnisse angepasst. Derzeit werden die Futtermischwagen mit Wiegecomputern ausgestattet, mit deren Hilfe die errechneten Rationen noch exakter gemischt und ausgegeben werden sollen.


Ziel: Nutzungsdauer pro Kuh erhöhen

Nicht mehr nur die Jahres-, sondern auch die Lebensleistung der Milchkühe steht seit einigen Jahren immer mehr im Vordergrund. Die durchschnittliche Nutzungsdauer pro Kuh in Sachsen beträgt 2,4 Laktationen – Experten sehen hier Handlungsbedarf. Dem stellt sich auch Köllitsch. Um Lebensleistung und Nutzungsdauer zu erhöhen, hat das LVG einen Verfahrensplan erarbeitet. Stellschrauben, die Bedingungen für die Milchrinder zu optimieren, gibt es viele: Futter, Stallklima und Lüftung, Liegekomfort, trittsichere Gängen… „Das ist alles nicht neu“, sagt Beate Lux. „Aber die Kunst besteht darin, alles für die Kuh ideal hinzubekommen.“

 

 

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