Weniger als ein Prozent des Schweinebestandes in SachsenAnhalt wird ökologisch gehalten, so wie hier auf dem Bioland-Bauernhof von Hubertus von Rundstedt im altmärkischen Schönfeld.

Landwirtschaftszählung 2020: Der Osten verliert weiter Vieh

Beim Blick auf die Landwirtschaftszählung 2020 fällt vor allem ein Gefälle zwischen Osten und Westen auf. Auch die Daten aus Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt haben wir zusammengefasst.

Von Frank Hartmann, Detlef Finger und Gerd Rinas

Bundesweit betrachtet befindet sich die Landwirtschaft in einem anhaltenden Strukturwandel. Laut den ersten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur Landwirtschaftszählung 2020 ging in den letzten zehn Jahren die Zahl der Betriebe um 35.600 auf 263.500 zurück. Zugleich erhöhte sich die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche je Betrieb von 56 auf 63 ha.

Während im Westen der Republik die durchschnittliche Betriebsgröße von 41 ha auf 47 ha deutlich zunahm, ging sie im Osten von 226 auf 221 ha pro Betrieb zurück. Mit 282 ha finden sich die größten Betriebe im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Entgegen dem Bundestrend sind die ostdeutschen Betriebsstrukturen über alle Rechtsformen hinweg – inklusive dem Nebenerwerb – nahezu stabil. Von regional geringen Zuwächsen bzw. Abnahmen abgesehen, sank die Zahl der ostdeutschen Betriebe seit 2010 um 200 auf 24.800.

Gravierende Änderungen zeigen sich in der Tierhaltung: Bundesweit ging in den vergangenen zehn Jahren der Zahl der schweinehaltenden Betriebe um 47 % und die der milchviehhaltenden Betriebe um 40 % zurück. Im Bundesdurchschnitt wurden 2020 rund 1,1 Großvieheinheiten/Hektar (GV/ha) ermittelt. Hohe Werte gibt es in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 1,6 GV/ha sowie in Schleswig-Holstein mit 1,3 GV/ha. In allen ostdeutschen Ländern sank das ohnehin niedrige Niveau weiter ab: Lag hier der durchschnittliche Tierbesatz 2010 bei rund 0,43 GV/ ha, sind es 2020 lediglich noch 0,39 GV/ha gewesen.

Die Zahl der Arbeitskräfte fiel bundesweit um 13 % auf 936.900. Während im Westen 52 % der Beschäftigten auf Familienarbeitskräfte entfallen, machen diese im Osten nur gut 19 % aus. Hier dominieren mit 55 % die ständig Angestellten. Die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte im Osten insgesamt ging in den vergangenen zehn Jahren von 148.000 auf 135.000 zurück.

Mecklenburg-Vorpommern: Agrarstruktur fest, Ökolandbau wächst

Schwerin. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen zehn Jahren leicht zugenommen. Wurden bei der Landwirtschaftszählung 2010 noch 4.725 Unternehmen ermittelt, stieg die Zahl nach den ersten vorläufigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 auf 4.800 an. Die durchschnittliche Betriebsgröße verringerte sich von 286 auf 282 ha LF, bleibt aber die größte bundesweit. Rund 2.250 Betriebe (47 %) verfügen über jeweils 100 ha und mehr, teilte das Statistische Amt MV mit.

Die Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft (einschließlich Saisonarbeitskräfte) nahm seit 2010 von 25.300 auf 23.500 (%) ab. Rückläufig ist ebenfalls die Tierhaltung: Wurden 2010 im Land noch 540.888 Großvieheinheiten (GVE) gehalten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 496.700 (-7,95 %). Den größten Anteil am Rückgang hat die Rinderhaltung. Allein seit 2016 gaben 124 Betriebe (7,2 %) ihre Rinder auf. Deren Zahl sank um 62.414 auf 485.000 Tiere (-11,3 %). Dagegen hält der Trend zur Umstellung auf den Ökolandbau an: Seit 2016 nahm die Zahl der Ökobetriebe um 14 % auf rund 900 zu. Sie bewirtschaften mittlerweile 159.000 ha LF, das sind zwölf Prozent der gesamten LF in MV.

Thüringen: Weniger Vieh und Beschäftigung

Thüringens Agrarstruktur weist bei grundlegenden Parametern Stabilität auf. Den ersten Ergebnissen der Landwirtschaftszählung zufolge waren 2020 im Freistaat rund 3.700 Betriebe aktiv. Dies deckt sich mit den Ergebnissen des Jahres 2010. Keine Veränderungen, so die Daten der Agrarstatistiker, gab es bei den Rechtsformen. Wie schon vor zehn Jahren wurden 2.700 Einzelunternehmen im Haupt- und Nebenerwerb, 300 Personengesellschaften und 600 Juristische Personen erfasst.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche reduzierte sich innerhalb eines Jahrzehnts um 12.000 ha auf 775.000 ha. Während Juristische Personen mit 508.000 ha insgesamt knapp 13.000 ha Fläche weniger bewirtschafteten, legten die Personengesellschaften um 5.000 auf 115.000 ha leicht zu. Einzelunternehmen verloren zusammen knapp 6.000 ha. Die durchschnittliche Thüringer Betriebsgröße geben die Statistiker mit 209,2 ha an; 2010 waren dies noch 215,1 ha. Der Pachtflächenanteil sank in dem Zeitraum landesweit von 83 % auf ein immer noch relativ hohes Niveau von 76,1 %.

Deutlich negative Trends zeigen sich in der Tierproduktion. Mit Ausnahme bei Hühnern, deren Zahl sich um rund 300.000 auf rund 2,9 Mio. Tiere erhöhte, gingen die Tierzahlen in zehn Jahren deutlich zurück (Rinder: -50.000; Schweine: -69.000; Schafe: -38.000). In Großvieheinheiten ausgedrückt bedeutet dies: Wies Thüringen 2010 bereits magere 0,46 GV/ha auf, sank der Wert auf knapp unter 0,4 GV/ha im Jahr 2020. Da die Tierzahlen vom März 2020 herangezogen wurden, dürfte der Wert aufgrund des Kuhbestandsabbaus im Vorjahr bereits unter 0,39 GV/ha liegen.

Kostendruck und Viehbestandsabbau spiegeln sich auch in der Beschäftigung wider. Die Zahl der in der Thüringer Landwirtschaft Beschäftigten verringerte sich innerhalb von zehn Jahren um 3.500 auf noch 20.600. Dies betraf sowohl sozialversicherungspflichtige Arbeitskräfte (-2.000) als auch Familienarbeitskräfte inkl. Nebenerwerb (-700) und Saisonarbeiter (-900). Landesspezifische Details zur Landwirtschaftszählung 2020 werden regelmäßig ab dem zweiten Quartal veröffentlicht.

Landwirtschaftszählung 2020: Mehr Biohöfe in Sachsen-Anhalt

Die Anzahl landwirtschaftlicher Unternehmen in Sachsen-Anhalt, der Umfang der landwirtschaftlich genutzten Fläche und die Durchschnittsgröße der hiesigen Agrarbetriebe haben sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert. Das zeigen die ersten vorläufigen repräsentativen Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020, die das Statistische Landesamt vorigen Donnerstag veröffentlicht hat. Danach wirtschafteten im Vorjahr hierzulande 4.350 Betriebe. Zum Vergleich: Zur Agrarstrukturerhebung 2016 waren es 4.349 Unternehmen, bei der 2010er-Zählung 4.219 Höfe. Die mittlere Betriebsgröße lag im vorigen Jahr bei 267 ha, 2016 betrug sie 270 ha und 2010 278 ha. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche umfasst aktuell 1,1616 Mio. ha, 2016 waren es 1,1745 Mio. ha und 2010 1,1731 Mio. ha. Etwa 85 % davon sind Acker, 15 % Dauergrünland.

Knapp 70 Prozent Pacht in Sachsen-Anhalt

Die fünf wichtigsten Feldkulturen – Winterweizen, Silomais, Wintergerste, Winterraps und Winterroggen – nahmen zusammen allein drei Viertel des Ackerlandes ein. Etwa 29 % der Nutzfläche befanden sich im Eigentum des Bewirtschafters, 71 % waren gepachtet.

Ökoflächen: Zwei Drittel sind Acker
In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2019 rund 105.600 ha LF ökologisch bewirtschaftet. Von den Förderflächen waren laut Agrarministerium 65 % Acker, 34,1 % Grünland, 0,4 % Dauerkulturen und 0,5 % Gemüse.

Am Stichtag 1. März 2020 wurden auf den hiesigen Landwirtschaftsbetrieben u. a. 298.400 Rinder, dar unter 109.400 Milchkühe, sowie 1,126 Mio. Schweine und 14,933 Mio. Hühner gehalten. Rund 2.300 der 4.350 Betriebe im Land hielten Vieh, darunter waren rund 150 Betriebe ohne Bewirtschaftung von Flächen. Nach den vorläufigen Ergebnissen ist gegenüber 2016 die Anzahl der Milchkühe und der sonstigen Rinder jeweils um 11 % zurückgegangen und die der Schweine um 5 %. Im Vorjahr wurden jedoch 27 % mehr Hühner gehalten als noch 2016. Während sich der Legehennen-Bestand nur geringfügig veränderte, ist der Bestand des zur Fleischproduktion gehaltenen Hühnergeflügels um 47 % gestiegen (2020: 9,629 Mio. Tiere, 2016: 6,571 Mio. Tiere).

Keine Biomasthühner

Stark zugenommen hat der Anteil der ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Gemäß Hochrechnung bewirtschafteten 2020 in Sachsen-Anhalt etwa 600 Biobetriebe (2016: 385 Höfe) rund 9 % der LF (2020: 106.000 ha; 2016: 58.430 ha). Der Anteil ökologisch gehaltenen Viehs betrug, in Großvieheinheiten gemessen, rund 5 %. Fast 8 % aller Rinder standen in Biohaltungen sowie fast 6 % aller Legehennen, Junghennen und Küken. Bei der Schweine- und Hühnermast fristete die Bioproduktion nach wie vor ein Nischendasein. Weniger als 1 % der Schweine und so gut wie keine Masthühner wurden ökologisch gehalten.

Katalog von Fragen

Die Landwirtschaftszählung wurde EU-weit durchgeführt und ist Teil des weltweiten Agrarzensus 2020, an dem 151 Staaten teilnahmen. Das Statistische Landesamt befragte im vorigen Frühjahr Betriebe in Sachsen-Anhalt, die mindestens eine der Erfassungsgrenzen überschritten (z. B. mindestens 5 ha LF oder zehn Rinder). Eine Stichprobe von etwa 3.100 Betrieben im Land hatte über das Grundprogramm hinaus einen umfangreicheren Fragenkatalog zu beantworten. Auf der Grundlage dieser Stichprobe wurden die ersten repräsentativen Ergebnisse hochgerechnet. Die endgültigen Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 mit weiteren Informationen, etwa zu Bodennutzung, Pachten, Rechtsformen, Arbeitskräften, Hofnachfolge und Wirtschaftsdünger, werden ab Juni 2021 sukzessive bereitgestellt und veröffentlicht.


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