Spargelanbauer nehmen regional bis 20 % ihrer Fläche aus der Produktion. © Detlef Finger

Spargelanbau: Regional oder Import?

Mitten in der Saison wird die Spargelerzeugung reduziert. Kunden üben sich in Kaufzurückhaltung, der LEH setzt auf billigere ausländische Ware.

Er ist wohl das saisonale Gemüse schlechthin in Deutschland: der Spargel. Gleichwohl machen in diesem Frühjahr viele Verbraucher in den Läden einen Bogen um die weißen Stangen, vor allem jene aus heimischem Spargelanbau. Hintergrund für deren Kaufzurückhaltung ist die hohe Inflation durch Krieg und Krisen, die auch die Lebensmittel generell verteuert.

Spargel derzeit deutlich günstiger als in Vorjahren

Angesichts dessen verzichten viele Konsumenten auf das als höherpreisig geltende Edelgemüse. Dabei ist Spargel derzeit – inmitten der Saison – deutlich günstiger als in den Vorjahren. In der vorvergangenen Woche habe der Preis für deutsche Ware laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) im Schnitt bei knapp sieben Euro je Kilo gelegen. Allerdings: Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) konkurriert diese Ware z. B. mit ausländischem grünen Spargel, der von einzelnen Discountern zum halben Preis, teils sogar für unter drei Euro, angeboten wird.

Dieses Handelsgebaren kritisierte dieser Tage u. a. der Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer mit Blick auf die guten Erntemengen und Qualitäten im hiesigen Anbau. Selbst das Geschäft auf „Spargelhöfen“ sei kein Selbstläufer mehr.

Erntehelfer nach Hause geschickt, um Kosten zu sparen

Für die Produzenten bleibt die Kaufzurückhaltung der Kunden nicht ohne Folgen, berichten Anbauerverbände in Ost und West gleichermaßen: Teils würden in der laufenden Saison Flächen aus der Produktion genommen und Erntehelfer nach Hause geschickt, um Kosten zu sparen. Kleinere Betriebe, vor allem diejenigen, die ausschließlich den Großhandel beliefern, gäben sogar ganz auf. Bei ihnen sei das Geschäft mit dem Spargel schon in den beiden Vorjahren coronabedingt weitgehend ausgefallen. Ebenfalls stark betroffen von dieser Entwicklung seien Erdbeeren.

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Mindestlohnerhöhung: Wettbewerbssituation wird sich weiter verschlechtern

Die verbleibenden Erzeuger blicken unterdessen mit großer Sorge auf die zum 1. Oktober anstehende Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro je Stunde. Damit wird sich für sie die Wettbewerbssituation weiter verschlechtern. In der Folge werden noch mehr Betriebe aufgeben und die zuletzt ohnehin rückläufigen Anbauflächen weiter zurückgehen. Dabei sind hierzulande die Selbstversorgungsquoten bei Gemüse und bei Obst mit 35 % bzw. mit 19 % schon jetzt alles andere als zufriedenstellend. Zumindest die diesjährige Spargelsaison, die traditionell bis zum 24. Juni dauert, scheint für die hiesigen Spargelanbauer bereits „gegessen“.

Ob die Situation des Spargelanbaus im kommenden Jahr besser wird, liegt letztlich auch in den Händen der Verbraucher: Sie entscheiden mit ihrem Kaufverhalten darüber, ob es weiterhin regionales Gemüse und Obst gibt, auch wenn es teurer ist als das aus dem Ausland. red


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