Symbolbild (c) Karsten Bär

Zuckerrüben: Offene Fragen zum Erdbesatz

Mitte September soll die neue Kampagne starten: Oberlausitzer Zuckerrübenanbauer trafen sich kürzlich mit Vertretern der Zuckerfabrik TTD Dobrovice zum Austausch.

Von Karsten Bär

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit einem Ertrag von 73,6 t/ha Zuckerrüben und einem Zuckergehalt von 17,5 % haben die Oberlausitzer Zuckerrübenanbauer während der Kampagne 2020 eine deutlich bessere Ernte eingefahren als ihre Kollegen in Tschechien. Über das gesamte Einzugsgebiet der zum Unternehmen Tereos TTD gehörenden Zuckerfabrik Dobrovice wurden bei einem Zuckergehalt von 16,8 % im Schnitt 63,7 t/ha geerntet.

Insgesamt habe Dobrovice den schlechtesten Ertrag der vergangenen zehn Jahre zu verzeichnen, sagte der agronomische Direktor der Zuckerfabrik, Karel Chalupný, bei einem Treffen mit den ostsächsischen Landwirten in der Nähe von Bautzen.

„Ein Lob für das landwirtschaftliche Niveau in Ihrer Region“

Die besten Ergebnisse seien indes aus Deutschland gekommen. „Ein Lob für das landwirtschaftliche Niveau in Ihrer Region“, so Chalupný, der gleichwohl auch die unterschiedlichen Witterungsbedingungen im vergangenen Jahr zur Begründung heranzog. So seien rund 6.000 ha böhmischer Anbaufläche von Dürre betroffen gewesen. Insgesamt bezog TTD Zuckerrüben von 37.000 ha Anbaufläche, davon 1.452 ha aus Sachsen.

Gespräch in der Lausitz: Karel Chalupný (2. v. l.) und weitere Vertreter von TTD Dobrovice mit Jan Würsig von der Agro Service GmbH Niedercunnersdorf (r.).
Gespräch in der Lausitz: Karel Chalupný (2. v. l.) und weitere Vertreter von TTD Dobrovice mit Jan Würsig von der Agro Service GmbH Niedercunnersdorf (r.). (c) Agro Service

das Manko sächsischer Rüben

Einziges Manko der sächsischen Zuckerrüben ist – ihr langer Weg zur Fabrik. Während die durchschnittliche Entfernung im gesamten Einzugsgebiet vom Acker zum Werk in Dobrovice im Mittel bei knapp 61 km liegt, fahren die Oberlausitzer Rüben im Schnitt 130 km heran. Dies sei „etwas grenzwertig“, so Chalupný.

In diesem Jahr geschätzte 144.000 t Rüben von der auf über 2.000 ha angewachsenen Anbaufläche aus der Lausitz nach Dobrovice zu fahren, werde eine Herausforderung, sei aber machbar. „Was uns wehtut, ist das Sonntagsfahrverbot in Sachsen“, so der agronomische Direktor. Ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung sei vom Freistaat abgelehnt worden.

Chalupný kündigte einen nachträglichen Bonus auf den Rübenpreis in Höhe von 20 tschechischen Kronen (CZK) je Tonne an. Dies entspreche dem Liefervertrag, der eine Beteiligung der Landwirte vorsieht, wenn das Unternehmen seinen Gewinn steigere. Die Oberlausitzer Rübenanbauer haben einen Drei-Jahres-Vertrag mit Tereos TTD. Der vereinbarte Grundpreis von 725 CZK/t werde ab dieser Kampagne auf 735 CZK erhöht. Dies entspricht beim aktuellen Wechselkurs rund 28,75 Euro. Hinzu kommen diverse Boni. Zuschläge wird es in diesem Jahr für besonders frühe Lieferungen geben.

Bis September werde das Unternehmen die Zuckervorräte aufgebraucht haben, gab Chalupný zu verstehen. Daher wolle man trotz des verspäteten Vegetationsbeginns in diesem Jahr Mitte September mit der Kampagne beginnen. Rüben, die bis Ende September geliefert werden, will TTD zudem in einer Rechnung und nicht wie üblich in mehreren Raten bezahlen.


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Besatzwerte verwundern

Verwundert haben die sächsischen Rübenanbauer indes die in Dobrovice ermittelten Besatzwerte zur Kenntnis genommen. Erdanhaftungen hätten 8,5 % der Menge ausgemacht, heißt es. Dass das im Vergleich zum Fabrikdurchschnitt (12,4 %) wenig ist, tröstet die Sachsen kaum. In den Vorjahren, als die Rodebedingungen ähnlich waren, habe man bei Südzucker in Brottewitz deutlich niedrigere Besatzwerte ermittelt, wurde von den Landwirten kritisiert. Daher seien Werte, wie sie TTD angebe, unverständlich. Was die Ursache für diese Unterschiede ist, bleibt vorerst ungeklärt.
Das Verfahren, mit dem der Besatz in Dobrovice ermittelt wird, ähnelt dem in Brottewitz. Chalupný versicherte, dass es jederzeit möglich sei, der Probenahme beizuwohnen.

Angesprochen wurden außerdem vereinzelte Verzögerungen bei der Rübenabholung und Verspätungen bei der Auszahlung, die Karel Chalupný mit dem Umstand erklärte, dass viele Mitarbeiter während der Corona-Pandemie im Homeoffice gearbeitet hätten. TTD will dies künftig besser organisieren.

Zuckerrüben: Gut gerüstet für kommende Kampagne

Gut gerüstet sieht Jan Würsig, Geschäftsführer der Agro Service GmbH Niedercunnersdorf, sein Unternehmen für die kommende Kampagne. Er ist von TTD für die gesamte Abwicklung der Logistik für die deutschen Rübenanbauer beauftragt worden. Die Abläufe sollen optimiert und alle Fahrer mit der Anwendung FarmPilot ausgestattet werden, die per Tablet zu den Standorten der Rübenmieten navigiert. Eingesetzt werden sollen auch Lkw aus Tschechien.

Das Interesse der Landwirte am Rübenanbau sei hoch, es gebe immer wieder neue Anfragen. Interesse zeigten die Oberlausitzer Landwirte auch daran, die Fabrik in Dobrovice zu besichtigen, was mehrfach geschehen sei. Diese Möglichkeit bestehe auch weiterhin.


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