Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Zwischen Skandal und Selbsthilfe

Welche Stoffe die Umweltkatastrophe an der Oder auslösten, ist auch eine Woche nach der Sichtung der ersten toten Fische in Brandenburg unklar. Derweil sammelten ehrenamtliche Helfer am Wochenende Tonnen toter Fische von den Ufern.

Von Heike Mildner

Es ist eine Umweltkatastrophe, die man sehen und riechen kann: Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Welse, Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen still und traurig, wütend und fassungslos.

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Was auf deutscher Seite geschah

Montag, den 8. August, erfasst die Station des Wassergütemessnetzes in Frankfurt (Oder), die fortlaufend das Oderwasser kontrolliert, ungewöhnliche Werte: Sauerstoffgehalt, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Trübung und Chlorophyllgehalt steigen sprunghaft an. Der Nitrat-Stickstoff sinkt um etwa ein Milligramm je Liter auf 0,59 mg/l. Handlungen folgen daraus nicht. Erst als am Folgetag ein Schiffsführer dem Landeslabor Berlin-Brandenburg tote Fische in der Oder meldet, die massenhaft flussabwärts treiben, wird die Sache offiziell.

Screenshot von zwei der zehn Parameter, die gemessen werden, Quelle: Frankfurt an der Oder | Startseite | LfU (brandenburg.de)

In Märkisch-Oderland werden noch am selben Tag die Schotten zu den Vorflutern geschlossen, damit das, was die Fische getötet hat, nicht ins Bruch geschwemmt wird. Noch weiß niemand, was das ist, und auch eine Woche später, sind die Ursachen für das Fischsterben in der Oder noch immer nicht amtlich benannt.

Solange die Untersuchungen dauern, wird spekuliert: Sauerstoffmangel, das Lösungsmittel Mesitylen oder Quecksilber? Klar ist: Das Frühwarnsystem hat versagt, eine deutsch-polnische Zusammenarbeit gibt es in diesem Fall nur theoretisch. Dafür häufen sich gegenseitige Schuldzuweisungen.

Bildergalerie: Fischsterben in der Oder

Wo man direkt an die Oder kommt und nicht erst durch den Schilfgürtel muss, wie beispielsweise in Nieschen (Märkisch-Oderland), kommen am Freitagvormittag immer wieder Oderbrücher vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen, von dem, was die Medien über das Fischsterben in der Oder berichten. Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Fischsterben in der Oder

Wo man direkt an die Oder kommt und nicht erst durch den Schilfgürtel muss, wie beispielsweise in Nieschen (Märkisch-Oderland), kommen am Freitagvormittag immer wieder Oderbrücher vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen, von dem, was die Medien über das Fischsterben in der Oder berichten. Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Wo man direkt an die Oder kommt und nicht erst durch den Schilfgürtel muss, wie beispielsweise in Nieschen (Märkisch-Oderland), kommen am Freitagvormittag immer wieder Oderbrücher vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen, von dem, was die Medien über das Fischsterben in der Oder berichten. Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Wo man direkt an die Oder kommt und nicht erst durch den Schilfgürtel muss, wie beispielsweise in Nieschen (Märkisch-Oderland), kommen am Freitagvormittag immer wieder Oderbrücher vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen, von dem, was die Medien über das Fischsterben in der Oder berichten. Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Wo man direkt an die Oder kommt und nicht erst durch den Schilfgürtel muss, wie beispielsweise in Nieschen (Märkisch-Oderland), kommen am Freitagvormittag immer wieder Oderbrücher vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen, von dem, was die Medien über das Fischsterben in der Oder berichten. Die angeschwemmten Fische aller Arten und Größen, darunter Barben, Quappen, Steinbeißer und kleine Störe, machen die einen still und traurig, andere wütend, in jedem Fall fassungslos. © Heike Mildner

Stabslage und Notfallplan in Märkisch-Oderland

Derweil beginnen bei Temperaturen über 30 °C die Fische zu stinken. Die Verantwortlichen in den Landkreisen und Frankfurt an der Oder handeln auf eigenes Risiko. So greift in Märkisch-Oderland nach dem Ausrufen der Stabslage ein Notfallplan, der eigentlich für Hochwasser gedacht ist. Die 73 Flusskilometer des Landkreises sind in 17 Abschnitte unterteilt, die am Sonnabend durch Zivil- und Katastrophenschutz besetzt werden. Rund 250 ehrenamtliche Helfer sammeln – auf das gesundheitliche Risiko hingewiesen – rund 30 t Fische in Plastesäcke. In allen Landkreisen entlang der Oder und auch auf polnischer Seite wird ähnlich gehandelt, die Märkische Oderzeitung berichtet minutiös, der Regionalsender ist vor Ort.

Pressekonferenz zum Fischsterben in der der Oder
Pressekonferenz am Montag in Lebus. (c) Heike Mildner

Bei einer Pressekonferenz zum Fischsterben in der Oder gestern, am Montag dieser Woche, gibt das Land Entwarnung. Die Fische seien nicht mit Quecksilber oder Ähnlichem belastet. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dankt Landräten, Bürgermeistern und Helfern und sagt, er sei verärgert über die Nicht-Information von polnischer Seite. Umweltminister Axel Vogel (Grüne) spricht über die Analyse von 300 Stoffen, auf die das Wasser im polnischen Zentrallabor und im brandenburgischen Landeslabor gerade untersucht würde: „Wir stochern ja im Dunkeln“, sagt er. „Insektizide, Pestizide – alles Mögliche wird gerade untersucht.“ Eine Antwort auf die Anfrage der Bauernzeitung, warum der Minister von den 300 Stoffen gerade jene nannte, blieb bisher aus.

Noch kein toter Fisch im Stettiner Haff

Die Welle mit dem unbekannten Stoff verdünnt sich offenbar weiter und wandert flussabwärts Richtung Ostsee. Am Dienstagabend hieß es aus dem Umweltministerium in Schwerin:

„Seit dem Wochenende entnehmen wir regelmäßig Gewässerproben. Die Routineparameter, wie Sauerstoffgehalt oder Leitfähigkeit, zeigten bislang keine Auffälligkeiten. Die Ergebnisse der Untersuchungen auf Schwermetalle und eine breite Palette an organischen Schadstoffen erwarten wir in den nächsten Tagen. Die Schwierigkeit: Wenn keine Informationen über das auslösende Ereignis bekannt sind, suchen die Experten nach einer unbekannten Substanz und das ist die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Auch kann es passieren, dass die Schadstoffbelastung aufgrund von Verdünnungseffekten nicht mehr im Bereich der Nachweisbarkeit liegt. Im Moment setzen wir deshalb alles daran, dass kein toter Fisch im Stettiner Haff ankommt. Nach unseren Informationen steht die Welle mit Fischkadavern noch vor Stettin. Gestern wurde beispielsweise bei Gartz an der Oder (LK Uckermark) eine Ölsperre zur Bergung von Fischkadavern eingerichtet. Die Freiwillige Feuerwehr Penkun hat die brandenburgischen Einsatzkräfte dabei unterstützt. Auch Polen haben wir das Angebot unterbreitet, die Einrichtung von Ölsperren mit technischen Elementen und fachlichem Know-how zu unterstützen. Das entsprechende Material wird vom Technischen Hilfswerk in Stralsund und Heiligendamm vorgehalten“, führte Umweltminister Till Backhaus aus.


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