Für die Milchkrise gewappnet?

Stimmen mahnen, eine Milchkrise jetzt nicht herbeizureden. Doch die Diskussion über die richtigen Anpassungsreaktionen ist längst im Gang. Sie verläuft kaum anders als 2016 – wir beleuchten die Situation ausführlich in unserem aktuellen Brennpunkt.

Von Ralf Stephan

Die Gründe für Marktturbulenzen sind neu, die Diskussionen über Anpassungs­reaktionen keineswegs. Übereinstimmend erwarten Milchmarktexperten mit dem Andauern der Coronakrise erhebliche Verwerfungen beim Absatz. Einige befürchten eine weltweite Wirtschaftskrise, die auch den Milchmarkt bis weit in das nächste Jahr hinein beeinträchtigen würde.

Zwar nimmt die Nachfrage im Lebensmittelhandel seit Beginn der häuslichen Isolation sogar zu. Aber den Molkereien brachen Großabnehmer in der Gastronomie, in Kantinen, Kitas und Mensen weg. Exportwege sind jetzt ohnehin versperrt. Einige Importländer nutzen offenbar zudem die Chance, deutschen Milchprodukten den Marktzugang zu erschweren, um die eigenen Erzeuger zu  stärken.

Wie stets in solchen Situationen werden Rufe nach der Politik laut. Im Deutschen Bauernverband (DBV) kam rasch die Forderung auf, die EU-Kommission müsse zur schnellen Marktentlastung die private Lagerhaltung finanziell unterstützen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin forderte Brüssel auf, dies „möglichst frühzeitig“ für die Einlagerung von Magermilchpulver in Betracht zu ziehen“. Damit soll verhindert werden, dass die Marktpreise weiter sinken.


So ist die Situation in den Ländern

Wie schätzen ostdeutsche Milcherzeuger die aktuelle Situation ein? Und welche Anpassungsredaktionen halten sie für möglich? Die Landesredakteure der Bauernzeitung haben sich umgehört.


Dagegen warnt das European Milk Board (EMB), der europäische Dachverband der Milchviehhalterverbände, vor Lagerhaltung oder Intervention von Butter und Milchpulver. Dadurch, so der EMB, wird nicht der Markt ent­lastet, sondern schädlicher Druck aufgebaut. Stattdessen sollte die Europäische Kommission einen freiwilligen EU-weiten Liefer­verzicht einführen und die Produktion vorübergehend deckeln.

Auch der Bund Deutscher Milch­erzeuger (BDM) fordert von der Politik, rasch rechtliche Grundlagen für Kriseninstrumente zu schaffen, mit denen die EU-Milchmenge zeitlich befristet an die eingebrochene Nachfrage angepasst werden kann.  



Unausgesprochen im Raum steht bei allem die Frage, war­um die Milchbranche nicht selbst in der Lage ist, zwischen der Marktnachfrage und ihrem Angebot ein Gleichgewicht herzustellen. Kaum ein anderer Sektor bekundet so offen seine Abhängigkeit von der Politik. Dabei verfügt die Milchbranche über ein Maßnahmenpaket, mit dem sie sich künftigen Herausforderungen zu stellen gedenkt. Die „Sektorstrategie 2030“ wurde zur Grünen Woche dieses Jahres vorgestellt. Welche Wirkung sie in der Coronakrise zeigt, ist jedoch noch nicht erkennbar.

Um zu erfahren, wie ostdeutsche Milcherzeuger die Lage einschätzen, haben wir uns stichprobenartig unter ihnen umgehört. Lesen Sie auf dieser Doppelseite, welche Anpassungsreaktionen sie für möglich halten.


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