Naturnaher Laubmischwald auf der Halbinsel Pulitz auf Rügen. Insgesamt stellt der Forstbericht den Wäldern für 2015 bis 2019 keine gute Entwicklung aus. Witterungsextreme und Erwärmung lassen landesweit Kronen verlichten und Vitalität schwinden. (c) MAGO/Maria Gänssler

Holz – Begehrter natürlicher Rohstoff

Holz gilt als Alleskönner. Der natürliche Rohstoff ist nicht nur sehr begehrt, sondern hat auch meistens eine positive ökologische Bewertung. In den letzten Jahren galt der Holzmarkt als übersättigt, jetzt ist langsam ein gegenläufiger Trend zu verzeichnen.

Es kommentiert Jörg Möbius

Was kann man aus Holz nicht alles machen: Bau- und Dämmmaterial, Möbel, Pappe, Papier und Fasern sowie Wärme beim Verbrennen. Holz ist als Roh- und Werkstoff beliebt, da es mit geringem Energieaufwand verarbeitet werden kann und stofflich vollständig nutzbar ist. Fachgerecht hergestellt und verarbeitet, ist es zudem ein dauerhafter Werkstoff. Damit verbunden ist eine meist positive ökologische Bewertung.

Übersättigter Holzmarkt

Redakteur Jörg Möbius
Jörg Möbius ist Landtechnik-Redakteur bei der Bauernzeitung (c) Sabine Rübensaat

60 bis 70 Millionen Kubikmeter beträgt der jährliche Holzeinschlag in Deutschland. Im- und Export spielen mit rund sieben bzw. drei Millionen Kubikmetern eine untergeordnete Rolle. Bundesweit ist die Fichte die am meisten genutzte Baumart. In Ostdeutschland hat die Kiefer größere Bedeutung.

Schwer statistisch zusammenfassen lassen sich die Wege von verarbeitetem Holz in Fertigprodukten. So wird im Norden Russlands eingeschlagenes Holz nach Indonesien verschifft. Dort entstehen daraus montierbare Möbel, überwiegend für Europa und Nordamerika. Diese „Spanplattenmöbel“ leben längst nicht mehr so lange wie Vollholzmöbel, die früher zwei oder drei Generationen nutzten.

Sturm- und Käferholz haben in den letzten Jahren den Holzmarkt übersättigt und die Preise in den Keller gezogen. Jetzt zieht weltweit die Nachfrage nach Schnittholz an. Vom Preisanstieg kommt langsam auch bei den Waldbesitzern etwas an. Sie haben auch in Jahren ohne Holzeinschlag öffentliche Lasten zu tragen: Grundsteuer, Berufsgenossenschaft, Beitrag zum Wasser- und Bodenverband, eventuell eine Versicherung. Wovon das alles bezahlen, wenn Wald zum Wohle des Klimas nicht genutzt werden soll? Und wo kommt das Holz dann her, das wir hierzulande verbauen und verarbeiten?

Zukunftsfähige Mischwälder

Um nicht immer wieder Schäden durch Käfer, Sturm oder Feuer zu bekommen, wird schon länger empfohlen, zum Mischwald umzubauen. Bei Neuanlage erfolgt das meist. Wenn der Mischwald etabliert ist, werden sich Waldbesitzer und Holzverarbeiter auf geringere Mengen Rohstoff aus unseren Wäldern einstellen müssen. Ein Wald mit verschiedenen Baumarten unterschiedlichen Alters liefert weniger als eine erntereife Fichten- oder Kiefernplantage. Aber wir sollten die Förster, die diese Plantagen nach 1945 anlegten, nicht verdammen. Sie sorgten sich um die nächste Generation und konnten sich in einer Zeit mit Lebensmittelmarken und Reparationshieben – Holz, das die Siegermächte einschlagen ließen und abtransportierten – schlecht unsere heutige reiche Gesellschaft und einen florierenden Welthandel vorstellen. Daran war die DDR nicht angeschlossen und setzte voll auf schnellwachsendes Kiefernholz.

Auch für existierenden und künftigen Mischwald muss das vor reichlich 300 Jahren vom Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus Freiberg (Sachsen) angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte Prinzip der Nachhaltigkeit gelten: Die genutzte Menge Holz sollte nicht die nachgewachsene Menge übersteigen. Wald ist Leben und Leben bedeutet Veränderung. Wo eine große alte Eiche jahrzehntelang mit Schatten und Laubfall dafür gesorgt hat, dass ihr kein anderer Baum zu nahe kommt, dort sprießen nach ihrem natürlichen Tod auf der entstandenen Lichtung junge Bäume und Pflanzen. Sie konkurrieren um Nährstoffe, Wasser und Licht. Der Mensch kann da eingreifen – also zu pflanzen, fördern und entnehmen –, um das Ziel Mischwald mit Holznutzung zu erreichen.


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