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Gläserner, als dem Bauern recht sein könnte

Gefährdet die Digitalisierung der Landwirtschaft den persönlichen Datenschutz der Bauern? Die Hersteller wiegeln bei dieser Frage ab und mühen sich um Lösungen. Ein Unsicherheitsfaktor ist die Politik.

Von Ralf Stephan

Der Trend zu immer klügeren und unterm Strich auch teureren Maschinen führt alle zwei Jahre wieder zur Frage: Brauchen Bauern die technische Aufrüstung, die in Hannover auf der Agritechnica gezeigt wird? Was niemand bestreitet: Die weltweite Leitmesse der Landtechnik ist auch dazu da, die Geschäfte der Landtechnikunternehmen und Händler am Laufen zu halten.

Mitunter wird beklagt, dass es in Hannover kaum einfache, aber trotzdem innovative Technik zu sehen gibt, die sich auch kleinere Betriebe leisten können. Das stimmt nur zum Teil. Denn preiswerte Technik gibt es bei Anbietern vor allem aus Nicht-EU-Ländern durchaus zu sehen. Aber entweder sind es Lizenzbauten von Modellen, die bei uns lange ausgelaufen, also alles andere als innovativ sind. Oder es handelt sich um Eigenentwicklungen, die zwar LED- Licht bieten, aber kaum digitale Assistenten. Es gibt sie also, die Traktoren, die einfach nur „stark und dumm“ sind. Sie würden völlig ausreichen, denn intelligent sei der Bauer schließlich selbst, war vor der Messe aus Brandenburg zu hören. Eine Ansicht, die verkennt, welche Bedeutung das technisch bestmögliche Messen, Steuern und Regeln inzwischen für die Glaubwürdigkeit der Landwirtschaft haben. 

Und der Datenschutz?

Noch ernster zu nehmen ist eine andere Sorge: Die mit Sensoren und Datenspeichern vollgepackten Zugmaschinen und Geräte könnten die Arbeit eines Bauern gläserner machen, als es mit seinem Recht auf den Schutz persönlicher Daten vereinbar ist, befürchten viele. Angesichts der politischen Diskussionen verwundert das nicht. Die Technikhersteller bemühen sich nach Kräften, solche Bedenken auszuräumen. Sie versichern nicht nur, dass die Daten dem Landwirt gehören, sondern entwickeln Modelle und Strukturen, die das auch garantieren sollen. 

Chefredakteur Ralf Stephan, Bauernzeitung
Ralf Stephan ist Chefredakteur der Bauernzeitung (c) Sabine Rübensaat

Noch kurz vor der Messe wurden Partnerschaften abgeschlossen, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Unternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen, finanzieren gemeinsam Firmen, die übergreifende Lösungen für den sicheren Austausch und die neutrale Verwaltung von Daten entwickeln und anbieten. Die Botschaft, dass der Landwirt unabhängig von ihrer Farbe jene Maschine einsetzt, die bei ihm am besten passt, ist offenbar bei den meisten Herstellern angekommen. 

„Das Zukunftsversprechen der Landwirtschaft“

Doch ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt. Das ist die Politik. Dieselbe Politik, die immer wieder auf die Vorzüge der Digitalisierung verweist. Bundesministerin Julia Klöckner nannte die Digitalisierung zur Eröffnung der Agritechnica am Montag in Hannover „das Zukunftsversprechen der Landwirtschaft“. Sie könne helfen, die Zielkonflikte zwischen den notwendigen Produktivitätssteigerungen auf der einen Seite und den Forderungen nach besserem Umwelt- und Naturschutz andererseits zu lösen. Intelligente Technik mache nicht nur den Beruf des Landwirts für junge Menschen attraktiver, sondern entlaste den Betriebsleiter von wachsenden Aufzeichnungs- und Nachweispflichten, zählte sie auch Zukunftsversprechen an die Landwirtschaft auf.

Dennoch sollte die Politik nicht nur versprechen, sondern garantieren. Das Recht der Landwirte an ihren Daten muss auch der Staat jederzeit gewährleisten. Unbestritten müssen Behörden Kontrollen durchführen und Nachweise einfordern. Doch auf der anderen Seite müssen Landwirte ebenso darauf vertrauen können, dass mit ihren Daten und den daraus abgeleiteten Informationen sorgsam umgegangen wird. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Geht jedoch das Vertrauen in diesem Punkt erst einmal verloren, wird es schwer werden, die in die Digitalisierung gesetzten Hoffnungen jemals zu erfüllen.



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