Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beim Eröffnungsabend der Agritechnica in der TUI-Arena. (c) DLG

Verunsicherung, die unter die Haut geht

Ein Ministerpräsident ergreift Partei für die Bauern, der DLG-Chef spricht über Weizen und Blumenwiesen, die Bundesmininisterin schaut, wie es den Menschen in der Landwirtschaft geht. Eindrücke vom Agritechnica-Eröffnungsabend.

Zur Begrüßung erhielt sie von den Gästen des Max-Eyth-Abends kaum mehr als höflichen Applaus. Noch bevor Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf das eigentliche Thema der Messe zu sprechen kam, drehte sich die Stimmung jedoch. Das verdankte die CDU-Politikerin diesem Satz: „Wenn wir auf die Landwirtschaft schauen, dann müssen wir auch darauf achten, wie es den Menschen in der Landwirtschaft geht.“ Er stand nicht im Manuskript, war aber offenbar unausweichlich.

Stephan Weil (c) DLG

Denn kurz vor ihr hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil in seinem Werbe-Grußwort für den Messestandort Hannover ungewöhnlich klar für die Bauern Partei ergriffen. Der SPD-Politiker sprach von einer „unübersehbaren Verunsicherung unter den Landwirten, die tatsächlich unter die Haut geht“. Sie seien bereit zu Veränderungen, erwarteten aber auch von den Verbrauchern, das sie ihrerseits ihren Teil dazu leisteten. Weil sprach den Widerspruch zwischen den Ansprüchen an die Landwirtschaft und dem Einkaufsverhalten konkret an. Alle wollten das Beste erreichen, sagte der Ministerpräsident. „Wir sollten uns dabei mehr miteinander anstrengen als gegeneinander“, rief er auf.

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, ging auf der Eröffnungsveranstaltung der Agritechnica 2019 auf ihr Motto ein: „Global Farming, local responsibility“. Dass eine Messe mitten in Deutschland ihren Leitgedanken auf Englisch ausdrückt, hat vor allem damit zu tun, dass mittlerweile zwei Drittel der Aussteller nicht zwischen Rhein und Oder ansässig sind. Paetow sprach von einem Spannungsfeld zwischen den beiden Polen, die das Motto „Weltweit wirtschaften, lokal Verantwortung tragen“ ausdrückt. „Global farming klingt für uns gewohnt, für viele ist es aber fast ein Vorwurf“, sagte der Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern. „Statt den globalen Handel zu verteufeln, sollte es unser Ziel sein, ihn als Instrument zu nutzen, um überall auf der Welt die Sicherheit der Ernährung herzustellen.“

Hubertus Paetow (c) DLG

Paetow wies auf konkurrierende Ziele der Nachhaltigkeit hin: „Wo ein ertragreicher Weizenbestand steht, kann nicht gleichzeitig eine Blumenwiese die Wildbienen anlocken.“ Dafür Lösungen zu finden, müsse „Richtschnur und Messlatte für unser Streben nach Fortschritt in der Landwirtschaft sein, sei es in der Landtechnik oder in Pflanzenbau und Tierhaltung“. Dafür genüge es nicht mehr, eine leistungsfähigere Maschine oder ein produktiveres Verfahren einzusetzen. Verfahren und Maschine müssten stets auch den anderen Nachhaltigkeitszielen genügen und im besten Fall die Konflikte zwischen den Zielen auflösen.

Der DLG-Präsident forderte die Politik auf, den Disput mit der Gesellschaft über die Wege zu globaler Nachhaltigkeit „mindestens zu moderieren, besser aber zu führen“. Es gebe „eine Landwirtschaft zu feiern, die noch lange nicht am Ende ist, sondern gerade erst anfängt – sowohl weltweit als auch in Deutschland. ste

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