Fischer Karl Winkelmann fürchtet um die Erträge in den Stradower Teichen, in denen überwiegend Karpfen gehalten werden. (c) Peter Becker / Thomas Uhlemann (1)

Des Fischers Konkurrenz in den Stradower Teichen

Für viele Raubvögel sind die Stradower Teiche ein riesiges Fischbufett – und sie langen dort auch kräftig zu. Allerdings sehr zum Unmut von Karl Winkelgrund, der die Teichwirtschaft im Spreewald betreibt.

Von Peter Becker

Wenn der Stradower Fischer Karl Winkelgrund seine täglichen Inspektionen in den Teichanlagen am südlichen Rand des Spreewaldes macht, gehört er wohl zu den ganz wenigen, die sich über die zahlreiche Anwesenheit von Kormoran, See- und Fischadler, Grau- und Silberreiher nicht freuen. Fast alle anderen sind von der Artenvielfalt beeindruckt, sie bestaunen den geschickten Fischadler, der sich mit dem einsömmrigen Karpfen in die Luft erhebt. Sie finden die filigran anmutenden Silberreiher schön und den erhaben über den Teichen kreisenden Seeadler auch.

Verluste ja, aber keine Totalverluste in den stradower Teichen

Doch was den einen erfreut, ist des anderen Leid. „Auch ich habe grundsätzlich nichts gegen die Anwesenheit der Tiere, zeugen sie doch von einer intakten Natur. Ich lebe mit ihr und in ihr. Ich plane sogar Fischverluste von etwa 30 Prozent von vornherein ein, aber nicht Totalverluste!“, bringt Karl Winkelmann, der seit 2009 die Stradower Teiche als Pächter betreibt, ein.

Der Diplombiologe ist mit Leib und Seele Fischer, er kennt die Zusammenhänge in der Natur und akzeptiert diese. Er weiß aber auch um die alte Bauern- und Erzeugerweisheit, dass man eine Ernte auf dem Konto haben muss, eine in der Scheune und eine auf dem Feld, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das Extremwetter der letzten Jahre haben die beiden ersten Voraussetzungen schon mal zusammenschmelzen lassen, die dritte verflüchtigt sich gerade, zumindest in dem am meisten betroffenen Wiesenteich: Die Wasserfläche verringert sich durch fehlenden Zufluss, durch Versickerung und Verdunstung. Die Folge ist, dass sich seine Fische auf immer enger werdenden Raum konzentrieren und für die Beutegreifer immer leichter zu erreichen sind – und das zieht nun noch mehr dieser Tiere an.

Zuwendungen reichen nicht aus

Karl Winkelgrund findet nicht gut, dass er für diese Artenvielfalt letztlich allein aufkommen muss: „Die Politik muss endlich anerkennen, dass Artenschutz, dass Biodiversität, Geld kostet – und zwar den Fischer, um da gleich mal für unsere Berufsgruppe zu sprechen. Es kann auch nicht sein, dass ich Fische zukaufen muss, um letztlich etwas auf den Märkten verkaufen zu können!“ Er erwartet hier eine deutlich bessere Zuwendung, die bisher gewährten Mittel decken die Verluste nicht mal ansatzweise.


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Zukunftsängste machen sich breit

Dem Auslaufen seines Pachtvertrages für die Stradower Teichanlagen im übernächsten Jahr sieht der Fischer mit gemischten Gefühlen entgegen. „Werde ich das zukünftig wirtschaftlich stemmen können? Bekomme ich meine Familie durch, kann ich etwas für die Rente zurücklegen?“ Diese Fragen bewegen ihn, aber auch die, was kommen könnte, wenn die Teiche aufgegeben werden müssten, weil sich kein Pächter mehr findet. „Die Anlagen werden verfallen und austrocknen, von Pflanzen überwuchert werden – und Fische gibt es dann auch nicht mehr. Auch nicht für die Beutegreifer, die ausweichen müssen oder deren Populationen schwinden werden. Die Politik hat es in der Hand, was sie letztlich will“, bringt Karl Winkelgrund die Situation auf den Punkt, der aber unbedingt an seinem Lebenstraum festhalten will – wenn die Umstände es zulassen.


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