Abkühlung suchen viele an diesen heißen Tagen vor allem in einem Badesee. Doch dort können Gefahren lauern. (c) Victoria Arlt

Badeunfälle vermeiden: Achtsam ins kühle Nass

Deutlich über 30 °C kletterten in den letzten Tagen die Temperaturen und die Badeseen lockten. Aber dort gibt es nicht nur Abkühlung, es lauern auch Gefahren. Wir sprachen mit René Krillwitz, dem Vorsitzenden der DLRG-Ortsgruppe Bitterfeld-Wolfen.

Das Interview führte Bärbel Arlt

Bauernzeitung: Hitze, volle Strände und Bäder. Wie ist Ihre Bilanz?
René Krillwitz: In unserem Einsatzgebiet, das sich über den südlichen Teil Anhalt-Bitterfeld mit den Städten Bitterfeld-Wolfen, Zörbig, Raguhn-Jeßnitz sowie der Gemeinde Muldestausee erstreckt, lief es relativ ruhig. Wir hatten am Goitzschesee eine Alarmierung. Ein Kind wurde vermisst gemeldet. Doch das stellte sich als falscher Alarm heraus. Das Kind wurde vor dem Eintreffen unserer Einsatzkräfte wohlbehalten von den Angehörigen aufgefunden.

In anderen Regionen wie Berlin sah die Situation mit 150 Einsätzen und vier Badetoten an nur einem Wochenende sehr dramatisch aus. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Viel mehr Menschen als sonst zieht es in diesem Jahr aufgrund ausgefallener Urlaubsreisen an die heimischen Badeseen. Auch weichen viele wegen Zugangsbeschränkungen in den Freibädern an unbewachte Badestellen aus.

Spielt auch Unachtsamkeit eine Rolle – zum Beispiel, weil Eltern mit dem Handy daddeln, anstatt auf ihre Kinder zu achten? Haben Sie solche Erfahrungen gemacht?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in fast allen Fällen Eltern sehr auf ihre Kinder achten. Es gibt jedoch Ausnahmen. Hier schafft in der Regel ein aufklärendes Gespräch über die gegebenen Gefahren Abhilfe.

DLRG Rettungsboote
Die Ortsgruppe BitterfeldWolfen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bei einer Übung auf dem Goitzschesee. (c) privat

Welche Rolle spielt der schulische Schwimmunterricht. Hat Corona für ein Defizit gesorgt?
Durchaus. Aber die Schwimmfähigkeit lässt generell stark nach. Das ist nicht allein nur Corona zuzuschreiben. Die Schwimmausbildung der Kinder und Jugendlichen muss stärker und flächendeckend vorangetrieben werden. Mit dem Seepferdchenabzeichen ist ein erster wichtiger Schritt getan. Damit kann sich das Kind unter Aufsicht alleine und angstfrei im Wasser bewegen. Allerdings bedeutet es nicht, dass es schon sicher schwimmt. Das Seepferdchen gilt vielmehr als Vorbereitung auf die weiteren Abzeichen. Erst mit bestandener Bronzeprüfung gelten Kinder als sichere Schwimmer. Und da sind auch die Eltern in der Pflicht.

Aber Schwimmunterricht ist doch Pflicht in den Schulen?
Ja, Schwimmen ist in den Lehrplänen verankert. Doch an manchen Orten, vor allem im ländlichen Raum, fehlen Schwimmbäder oder Lehrer. Auch gibt es lange Anfahrtswege. Das bringt Probleme mit sich.

Übervolle Strände – bedeutet das für Rettungsschwimmer erhöhte Aufmerksamkeit, und wie steht es um die Corona-Abstandsregeln?
Aufmerksam muss man immer sein – ob sich am Strand 20 oder 120 Personen aufhalten. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Badegäste auch auf sich selbst achten – und überwiegend die Abstandsregeln einhalten.

In Hessen ist ein Bürgermeister verurteilt worden, weil in einem Dorfteich vor drei Jahren Kinder ertrunken waren. In Brandenburg macht sich jetzt Unsicherheit in den Kommunen breit und Badestellen wurden schon geschlossen. Ist Ihnen derartiges auch aus Ihrem Einsatzgebiet bekannt?
Bisher nicht. Aber Fakt ist, dass Besitzer eines Gewässers, ob Kommune oder Privatperson, eine Verkehrssicherungspflicht haben. Kommt es zum Beispiel zu einem Unfall in einem Feuerlöschteich, weil der nicht richtig gesichert war, ein Loch im Zaun ist, bekommt der Besitzer durchaus ein Problem.

Die Retter des DLRG.
Der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Bitterfeld-Wolfen René Krillwiitz (l.); Armin Schenk, Oberbürgermeister von Bitterfeld-Wolfen (M.) und Bootsführer Matthias Kirchhof (r.). (c) privat

Viele zieht es derzeit vor allem an wilde Badestellen. Welche Risiken lauern?
Tagebaurestlöcher oder auch Kiesgruben werden oft unterschätzt. Man weiß nie, was wirklich drin und wie der Boden beschaffen ist. Wir haben schon erlebt, dass in einer ehemaligen Kiesgrube ein Verkehrsschild stand. Auch reingekippter Müll birgt Gefahren. Zudem gibt es an den unbeaufsichtigten Badestellen keine Aufsicht bzw. Rettungsschwimmer, die sofort zur Stelle sind.

Aber die DLRG eilt doch auch dort im Notfall zu Hilfe?
Selbstverständlich. Wir haben neben dem Wachdienst, bei dem unsere Mitglieder an bewachten Badestellen im Einsatz sind, auch einen Einsatzdienst. Und der fährt bei einer Alarmierung auch zum Baggersee.

Wie viele Einsatzkräfte hat die Ortsgruppe Bitterfeld-Wolfen?
Wir sind 45 Mitglieder, davon 20 im Einsatzdienst. Drei Einsatzkräfte sind stets in Bereitschaft. Bei einer Alarmierung werden weitere Kräfte hinzugerufen. Gibt es speziellen Anforderungen werden wir Landkreis- oder Bundeslandübergreifend mit unseren Einsatztauchern tätig. Und wir arbeiten sehr eng mit dem Bitterfelder Schwimmverein zusammen, aus dem unser Nachwuchs kommt. Zudem wurde die Ortsgruppe erst 2012 gegründet, wir sind also eine relativ junge Truppe.

Wie sind Sie eigentlich zur DLRG gekommen?
Nach meinem Marinedienst hatte ich bis zur Meisterprüfung zum Elektrotechniker einige Wochen freie Zeit. Da sagte ein Freund: Komm doch mal mit zur DLRG. Und dann bin ich dabeigeblieben.


Der Buckower See. (c) Thomas Uhlemann

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Welche Baderegeln sollten auf jeden Fall beachtet werden?
Wichtig ist, sich nicht zu überschätzen und nicht leichtsinnig zu sein. Man sollte nicht überhitzt ins Wasser gehen, sich unbedingt abkühlen. Ein gefüllter Magen in Kombination mit Überhitzung kann zu Herz- oder Kreislaufproblemen führen. Auch unter Alkohol-, Medikamenten- oder Drogeneinfluss ist der Badesee tabu. Man sollte nie allein baden und weite Strecken schwimmen. Kinder, die nicht schwimmen können, sollten nie unbeaufsichtigt im Wasser sein. Vom Baden in Flüssen rate ich generell ab. Strömungen, Untiefen und auch Schiffsverkehr können gefährlich werden.


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