Schutz vor dem Wolf

26.11.2018

© Sabine Rübensaat

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei neue Wolfsrudel. Das haben Auswertungen des Wolfsmonitorings bestätigt. Demnach konnten erstmals für die Regionen „Kaarzer Holz“, Landkreis Ludwigslust-Parchim, und „Nossentiner Heide“, Mecklenburgische Seenplatte, Welpennachweise erbracht werden. Somit kann von sechs Rudeln in der Kalißer, Ueckermünder und Retzow-Jännersdorfer Heide, in Löcknitz, Kaarzer Holz und der Nossentiner Heide ausgegangen werden, gab Agrarminister Till Backhaus in Schwerin bekannt.    

 

Population steigt rasch an

 

Die Rückkehr des Wolfes sei ein artenschutzpolitischer Erfolg. „Wir müssen aber auch davon ausgehen, dass die Population weiter rasch ansteigen wird“, sagte Backhaus. So lägen Hinweise auf ein Wolfspaar im Forstamtsbereich Jasnitz, auf sesshafte Einzelwölfe im Müritz-Nationalpark und bei  Pritzier sowie weitere Sichtungen vor. Jetzt komme es darauf an, ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Tier zu gestalten. „Dabei hat die Sicherheit der Menschen für mich ganz klar oberste Priorität“, betonte der Minister. 

 

Auch die Zukunft der Weidetierhaltung liege ihm am Herzen. „Sie ist Bestandteil der traditionellen Landbewirtschaftung und von großer Bedeutung für den Erhalt halboffener Weidelandschaften mit ihrer hohen Biodiversität.“ Bislang könnten bekannten Wolfsrudeln oder Einzeltieren keine Verhaltensauffälligkeiten zugeordnet werden.   

 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen erklärte Backhaus auch die Insel Usedom zum „Wolfsgebiet“. Tierhalter in dieser Region haben nun die Möglichkeit, Zuwendungen für über den Grundschutz hinausgehende Präventionsmaßnahmen zu erhalten. Nach Ablauf von einem Jahr muss zumindest der Grundschutz installiert sein, um im Falle eines Rissvorfalls weiter Ausgleichszahlungen erhalten zu können. 

 

Auch im aktuellen Haushaltsplan habe man der ansteigenden Wolfspopulation Rechnung get­ragen. Dieser enthält nach Backhaus’ Angaben erstmals einen ­Titel für das Wolfs- und Bibermanagement mit den Schwerpunkten Monitoring/Forschung, Schadensprävention, -begutachtung, -ausgleich und Öffentlichkeitsarbeit. Backhaus gab zudem die Einrichtung einer Telefon-Hotline (01 70/76 58 88 7) zur Schadensmeldung nach Wolfsrissen bekannt. 

 

Nach Einschätzung des Landesbauernverbandes reiche die angekündigte Förderung bei den rasant ansteigenden Rudelzahlen aber nicht aus. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wölfe stärker ausbreiten. Insofern sind wir heute enttäuscht, dass das Landwirtschaftsministerium keinen Plan für ein Bestandsmanagement der Wölfe vorgelegt hat“, kritisierte Präsident Detlef Kurreck. 

 

Verband fordert Wolfsverordnung

 

Mit der Zahl der Wölfe steige auch die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere. „Wenn die Gesellschaft den Wolf will, dann muss sie auch die Kosten für ihn tragen“, sagte Maik Gersonde, Schäfermeister aus Schlesin bei Dörmitz. Tier­halter müssten schwerere und teurere Zäune aufstellen, Elektrozäune instand halten, Herdenschutzhunde anschaffen, ausbilden, füttern und deren Tierarztkosten ­tragen. „Meine Herdenschutzhunde kosten im Jahr etwa 2.500 Euro Unterhalt. Das muss man erst mal stemmen“, so Gersonde. „Auch ­eine 100-prozentige Förderung des Materials ändert nichts daran, dass meine Arbeit härter und schwerer und der Personal­aufwand viel höher geworden sind.“

 

Zwar begrüßte der Landesbauernverband Backhaus‘ Ankündigung, alle Maßnahmen, die über den Grundschutz hinausgehen, zu 100 Prozent fördern zu wollen. Desungeachtet fordert er eine länderübergreifende Wolfsverordnung nach brandenburgischem Vorbild, um „Problemwölfe“ zu entnehmen, die sich auf das Reißen von Weidetieren spezialisiert haben.

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