Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst. (Symbolfoto) Weidetierhalter sehen sich noch immer mit einem politischen Stillstand in der Wolfspolitik konfrontiert. (c) Sabine Rübensaat

Wölfe reißen Schafe: Weidetierhalter sind verzweifelt und fordern konsequentes Wolfsmanagement

Wölfe breiten sich in Deutschland immer mehr aus. Die Zahl der Angriffe auf Schafe und andere Weidetiere nimmt zu. Der Deutsche Bauernverband, Landnutzer und Weidetierhalterverbände sowie der Deutsche Jagdverband fordern daher von der Politik konsequentes Handeln.

Von Claudia Duda

„Wenn ein Wolf angreift, dann greift er richtig an!“ Ingo Stoll weiß, wovon er spricht. Er betreibt eine Schäferei in Mecklenburg-Vorpommern und hat allein in diesem Jahr bereits vier Angriffe von Wölfen auf seine Schafe und Lämmer erlebt. Die Bilanz: 36 tote Tiere. Ingo Stoll ist Vorstandsmitglied in der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände und er kämpft dafür, dass Weidetiere in Deutschland besser vor Wölfen geschützt werden.

Zahl der Wölfe nimmt in Deutschland immer mehr zu

Emotional und finanziell stoßen Weidetierhalter an ihre Grenzen. Die Zahl der Wölfe nimmt in Deutschland immer mehr zu – und gleichzeitig steigt die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere. Mit klaren Forderungen haben sich der Deutsche Bauernverband, die Landnutzer- und Weidetierhalterverbände sowie der Deutsche Jagdverband an die Politik gewandt. Aus Sicht der Verbände müssen zur Sicherung der Weidetierhaltung die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zum Wolfsmanagement endlich konsequent und rechtssicher umgesetzt werden.

Tag des Wolfes ist am 30. April

Am 30. April ist der Tag des Wolfes. Im Vorfeld forderten die Verbände der Weidetierhalter und Landnutzer, die sich zum Forum Weidetierhaltung und Wolf zusammengeschlossen haben, die Bundesregierung auf, den Stillstand in der Wolfspolitik zu beenden. „Man hat den Weidetierhaltern Erleichterungen versprochen, aber es ist nichts passiert“, erklärte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, am Freitag, 26.4., auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Regulierung des Wolfes müssten endlich konsequent und rechtssicher umgesetzt werden.

Bundesregierung soll aktiv werden

Krüsken forderte nicht nur die Bundesregierung auf, aktiv zu werden, sondern auch die Bundesländer. „Wenn die Bundesregierung die Zukunft der Weidetierhaltung und die Belange des ländlichen Raumes wirklich ernst nimmt, muss sie das Bundesnaturschutzgesetz novellieren, das europäische Naturschutzrecht 1:1 umsetzen und eine Bestandsregulierung auf den Weg bringen“, erklärte er.

Lösung für Umgang mit Problemwölfen gefordert

Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes, kritisierte, dass es trotz aller Versprechungen auch in dieser Weidesaison keine rechtssichere Lösung gibt, um mit Problemwölfen umzugehen. Er schilderte aus persönlicher Erfahrung das Leid der Tiere nach einem Wolfsangriff: „Wenn man sieht, wie ein Tier kämpft, ist das unerträglich“, sagt er. Er warf der Bundesregierung vor, dass der politische Wille zu einer Lösung fehle. Das EU-Recht biete so viele Möglichkeiten, doch in Deutschland werde es nicht umgesetzt, so Dammann-Tamke.

Kein Vertrauen in die Politik

Ingo Stoll hat kein Vertrauen in die Politik mehr. Seine Schafe seien durch nachweislich gute Zäune geschützt. Doch das hindere die Wölfe nicht daran, seine Schafe anzugreifen. Zwar gebe es eine Entschädigung pro Tier – aber das sei nicht genug, um alle Folgekosten zu begleichen. Darüber hinaus dauere es viel zu lange, bis der Nachweis erbracht ist, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsangriff handelte. Stoll lud Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nach Mecklenburg-Vorpommern ein. Sie solle sehen, wie schwer die Arbeit in der Schafproduktion ist, so Stoll.

Hybrid-Wölfe sollten sofort entnommen werden

Das größte Problem in Deutschland sei, dass sich der Wolf so rasant ausbreitet. Der Deutsche Jagdverband schätzt die Zahl der Rudel mittlerweile auf 250. Die Dunkelziffer ist noch viel größer. Bernhard Krüsken sagte: „Es ist offensichtlich, dass es zu viele Tiere gibt.“ Der Generalsekretär des Bauernverbandes machte auch darauf aufmerksam, dass es sehr viele Hybrid-Tiere gibt – also eine Kreuzung aus einem Wolf und einem Hund. Diese Tiere müssten eigentlich sofort entnommen werden. Helmut Dammann-Tamke warf der deutschen Politik vor: „Es gibt keine Bestandsmanagement, sondern ein Riss-Reaktions-Management.“

Um sogenannte Problem-Wölfe schneller entnehmen zu können, hatten sich zwar die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern im März erstmals auf einheitliche Kriterien geeinigt. Doch in der Realität reichen die Kriterien für die Entnahme nicht aus, sind sich die Verbände einig.

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