© Tino Ryll / Fläminger Genussland

Flämingbauer Tino Ryll: Regenerative Landwirtschaft

Trockenheit ist das aktuell wohl größte Problem für die Landwirtschaft. Wie Wasser im Boden gehalten und Ertrag gesichert werden kann, hat Landwirt Tino Ryll aus dem Fläming in Brandenburg über mehrere Jahre herausgefunden. Nun arbeitet er nach Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft.

Von David Benzin und Klaus Meyer

„Besonders die seit 2018 jährlich wiederkehrende Vorsommertrockenheit ist ein Problem“ – nicht nur für Flämingbauer Tino Ryll, wie sich der experimentierfreudige Landwirt in sozialen Medien nennt, auch für viele andere Landwirtinnen und Landwirte in Brandenburg, Deutschland und dem Rest der Welt. Doch gerade in Ostdeutschland ist die sogenannte Vorsommertrockenheit ein besonderes Phänomen, das spätestens beim Blick auf die entsprechenden Wetterkarten klar wird. In Kombination mit unterdurchschnittlichen Böden und herkömmlicher Bewirtschaftungsweise, stößt der Ackerbau dann schnell an seine Grenzen. Das hat auch Ryll erkannt.

Gemeinsam mit seinem Bruder musste eine Lösung her, um den Boden widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit zu machen, und gut mit Wasser versorgte Bestände zu etablieren. Seit 2018 experimentierten die Brüder Ryll versuchsweise mit Methoden der regenerativen Landwirtschaft. Der Erfolg stellte sich ein und die „Versuchsflächen“ wurden größer, bis seit 2021 auf dem gesamten Betrieb der Fläminger Genussland GmbH regenerative Landwirtschaft in die Praxis umgesetzt wird.

Video zu Regenerativer Landwirtschaft von Flämingbauer Tino Ryll

Verdichtet und mit wenig Krümelstruktur – der Boden auf manchen Flächen des Betriebes Fläminger Genussland war alles andere als ideal, um Wasser zu halten und Wurzeln gute Möglichkeiten zum Wachsen zu bieten. Auf der Suche nach der Ursache für das kompakte und aufgeschichtete Bodengefüge stießen die Rylls irgendwann auf die Aussaat, als mögliche Ursache. Die bis dato eingesetzte Scheibendrillmaschine mit Andruckrollen wurde 2020 durch eine Strip-Till-Drillmaschine ersetzt. Dadurch ist es möglich neben einer Hauptkultur und Dünger zwei Beisaaten mit auszusäen – z.B. im Raps und in Getreide.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Vier Fragen zum Thema Trockenheit

Herr Ryll, wie hat sich in den letzten Jahren die Trockenheit bei Ihnen ausgewirkt, leiden die Erträge?

Ja, besonders die seit 2018 jährlich wiederkehrende Vorsommertrockenheit ist ein Problem. Nur letztes Jahr mit dem nassen Sommer hatten wir Glück mit den Sommerkulturen. Zum Problem wird fehlender Niederschlag in der Wachstumsphase im April, Mai und Juni. Dann reduzieren die Pflanzen die Triebe und kommen vorzeitig in die Blüte beziehungsweise in die Kornfüllphase. Wenn das passiert, weiß man schon, dass der Ertrag darunter leidet.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir haben uns vor ein paar Jahren entschieden, die regenerative Landwirtschaft näher anzuschauen und schrittweise einzuführen? Dazu gehört, dass der Boden so lange wie möglich durchwurzelt und bewachsen ist, das Bodenleben gefördert wird und die Bodenstruktur so wenig wie möglich gestört wird. Wir setzen dabei unter anderem auf viel Zwischenfruchte, Untersaat und Mischfruchtanbau. So wie in diesem Jahr ist das aber auch wieder schwierig, da nach der Ernte der Boden ausgedörrt war und auch keine Aussicht auf Niederschlag bestand. Da stellt sich dann die Frage, ob man dann trotzdem drillt oder vier Wochen auf Regen wartet. Wir haben beides gemacht. Das Problem: Jeder Zentimeter, der der Zwischenfrucht in der Höhe fehlt, ist auch Biomasse, die dem Boden fehlt. Ein aktiver Bodenaufbau ist so nur begrenzt möglich.

Was machen Sie außerdem, um die Folgen der Trockenheit abzumildern beziehungsweise die Erträge zu stabilisieren?

Das aller wichtigste ist die Kenntnis über das Nährstoffangebot und deren Verhältnisse zueinander im Boden. Aber eben nicht nur die Makronährstoffe, sondern auch die Mikronährstoffe wie Zink und Kupfer müssen in der optimalen Menge vorhanden sein. Dazu wird sozusagen ein „großes Blutbild“ des Bodens gemacht und danach entsprechend aufgedüngt. So können die Pflanzen Trockenstress besser überbrücken. Zweitens ist der Aufbau von Humus im Boden wichtig. Dann halten die Bestände auch in Trockenphasen besser durch. Ein weiterer Punkt ist die passende Saattechnik. Wir setzen eine Drillmaschine von Claydon ein. Sie kombiniert mit dem tief arbeitenden Zinken vor dem Bandsaatschar das Stripp-Till-Saatverfahren mit der Direktsaat, so dass ein großer Teil des Bodens damit unbearbeitet bleibt, aber trotzdem die Wurzelentwicklung der Pflanzen unterstützt wird.

Bewässern Sie zusätzlich oder haben Sie schon mal über den Einsatz nachgedacht?

Nein, erstens ist das Bewässern zu teuer und zweitens möchte ich es auch nicht. Das Wasser wird immer knapper. Schon dieses Jahr wurde den Privatgärtner teilweise das Wässern verboten. Irgendwann wird das auch für die Landwirtschaft kommen, denn die Situation hinsichtlich der Wasserverfügbarkeit wird nicht besser werden. Deswegen wollen wir in diesen Bereich nicht investieren.