Benedikt Bösel ist der Geschäftsführer des Agrarunternehmens Gut & Bösel in Alt Madlitz. Im Schutz der Dämme aus Hackschnitzeln wachsen die Baumsämlinge und Sträucher. Fotos: (c) Sabine Rübensaat

Gut & Bösel: Mit der Natur arbeiten

Die regenerative Landwirtschaft ist hierzulande noch relativ neu und wird deshalb selten umgesetzt. Auf Versuchsflächen des Betriebes Gut & Bösel in Brandenburg wird diese Art der Landbewirtschaftung gerade etabliert, Bäume gepflanzt und Kühe angeschafft.

Von Klaus Meyer

Fotos: Sabine Rübensaat

Mutterkühe grasen relativ dicht nebeneinander in kniehohem Gras. Baumstreifen rechts und links mit Pappeln, Schlehen, Maulbeeren beziehungsweise Pflaumen und Walnüssen bieten den Tieren Schatten und Windschutz. Weiter hinten auf der abgegrasten und zertretenen Fläche steht ein mobiler Hühnerstall. Drum herum eine Schar von Hühnern, die die eine Woche alten Kuhfladen auf der Suche nach Fliegenmaden zerwühlen.

Nebenan, auf der anderen Seite der Bäume, dreht der Mähdrescher seine drei Bahnen durch den fetten Weizen und legt die Kleeuntersaat frei. Neues Futter für die Kühe kann wachsen. Das ist das Bild, das man im Kopf hat, wenn man sich die Versuchsflächen zur regenerativen Landwirtschaft von Benedikt Bösel hat zeigen lassen.

Die Kühe sind die Grundlage für das ganzheitliche Weidemanagement.

Bösel hat ein Problem. Entwickelt sich das Klima in den nächsten 30 Jahren so wie von der Fachwelt prognostiziert, ist ein Weitermachen wie bisher für ihn keine Option. Er geht davon aus, dass der Ackerbau mit einjährigen Kulturen, wie er ihn heute betreibt, dann nicht mehr möglich ist. Der Geschäftsführer ist deshalb auf der Suche nach Lösungen, nach Alternativen.

Alt Madlitz liegt eine Autostunde östlich von Berlin. 2004 wurde der Betrieb auf Ökolandbau umgestellt. Von 2008 bis 2016 hat Johanna von Münchhausen als Verwalterin das aus dem Betrieb gemacht, was er heute ist, ein solider ökologischer Ackerbaubetrieb mit guten Erträgen. Trotz einer vielgliedrigen Fruchtfolge mit Leguminosen, Luzerne, Kleegras liegt der Getreideanteil zwischen 60 und 70 %. Höchsterträge sind bei den mageren Böden und dem geringen Niederschlag nicht zu erwarten.


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Betriebsspiegel Gut & Bösel

Mitarbeiter: 6 in der Landwirtschaft
Bodenpunkte: 25 bis 40
Durchschnittlicher Niederschlag pro Jahr: 450 mm (die letzten drei Jahre unter 350 mm)
Ackerland: 1.000 ha Grünland: 100 ha
Wald: 2.000 ha
Angebaute Früchte: Dinkel, Hafer, Roggen, Wintergerste, Weizen, Lupine, Luzerne, Erbse, alte Getreidesorten, 400 ha Untersaat, 450 ha Zwischenfrüchte
Fruchtfolge: (verschiedene je nach Standort) Luzerne, Weizen, Winter-ZF, Hafer, Winter-ZF, Lupine, Dinkel, Winter-ZF, Erbse, Roggen


Vom Banker zum Landwirt

Bösel ist nicht mit der Landwirtschaft groß geworden. Er hat Wirtschaftsmathematik studiert, danach drei Jahre in einer Bank gearbeitet. Es folgte das Studium der Agrarökonomie, um anschließend im Bereich Start-ups (Umwelttechnologie und Agrar) seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Somit hat er des Öfteren einen anderen Blick auf die Dinge, Betriebsblindheit kann man ausschließen. 2016 hat der Agrarökonom die Leitung des Schlossgutes Alt Madlitz mit all seinen Betriebszweigen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd, Bäckerei und Gebäudevermietung) übernommen. Die Landwirtschaft firmiert unter dem Namen Gut & Bösel. Mit dem Wissen von damals dachte der Agrarökonom, dass er mit der vielversprechenden Digitalisierung und dem Einsatz der richtigen Technik den Betrieb weiterentwickeln könnte.

Ohne Praktikanten wie Laurenz von Glahn, Theresa Collmann und Clarissa Duschek wären die Projekte in Alt Madlitz nicht möglich.

Heute, vier Jahre später, ist davon keine Rede mehr. Im Gegenteil, das Problem ist seiner Meinung nach, dass in der Landwirtschaft moderne Technik und Chemie immer nur an den negativen Auswirkungen dieses Produktionsmodells ansetzen und versu­chen, sie zu minimieren. Stattdessen sollte man die Ursachen der Probleme identifizie­ren, um sie anschließend zu verändern.

Als sein Problem hat er die leichten Böden mit 30 bis 35 Bodenpunkten, die geringen Nie­derschläge und die drohenden Veränderun­gen durch den Klimawandel erkannt. Der Boden ist das A und O. Bösel ist deshalb auf der Suche nach systemischen Lösungen, nach Innovationen, die sich ökologisch, sozial, aber auch ökonomisch positiv auf den Boden, auf den Betrieb und damit letzt­endlich auch auf ihn, seine Mitmenschen und die gesamte Umwelt auswirken.


Die Reportage in voller Länge lesen Sie in unserem Ratgeber Ökolandbau 2020 (€)

Was spricht eigentlich dagegen umzustellen? Durchschnittlich fünf Bauern täglich haben letztes Jahr ihren Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Insgesamt legte die Biofläche in den letzten fünf Jahren um fast 50 % zu. Seit 2005 hat sich die Zahl der Biohöfe fast verdoppelt. mehr (€)



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