Landwirtschaft in Berlin: Der Milchhof Mendler

Viele Stammkunden kommen zum Milchhof Mendler. Sie kaufen dort frische Milch, Butter und Eier sowie Fleisch und Wurst. Neben Rinderhaltung wird eine Pferdepension betrieben.

Von Fritz Fleege

Derzeit gibt es in Berlin nur noch zwei Milchviehbetriebe. Einer davon ist der Milchhof Mendler in Rudow, Stadtbezirk Neukölln. Der Betrieb wurde 1930 in der Steinmetzstraße in Berlin-Schöneberg gegründet. Er war zur damaligen Zeit ein typischer Abmelkbetriebe wie es weitere 2.000 davon in der Stadt gab. Diese hatten die Aufgabe, die Bevölkerung mit frischer Milch zu versorgen. Dazu wurden meistens nicht tragende Kühe aus dem Umland aufgekauft und noch so lange es sich lohnte gemolken. Die Kühe wurden auf den Hinterhöfen einfacher Mietshäuser gehalten. In den Kellerräumen fanden oft noch Schweine Platz.

MILCHHOF MENDLER: Frische milch vom Bauernhof

Georg Mendler ist stolz auf seine Milch- und Fleischrinder.

Bei Mendlers standen einst 30 Kühe im Hinterhof und im Kellerraum waren bis zu 60 Schweine untergebracht. Die Milch wurde direkt auf dem Hof verarbeitet und verkauft. Die Schweine wurden ausschließlich mit Küchenabfällen gemästet. Im Rahmen der Stadtsanierung erfolgte 1982 der Umzug nach Rudow an den südlichen Stadtrand. In den 1980er-Jahren vergrößerte sich zunächst der Tierbestand auf 80 Milchkühe und 300 Schweine. Man bewirtschaftete 30 ha Land. 1996 wurde die Schweinehaltung eingestellt, weil die Verfütterung von Küchenabfällen gesetzlich verboten wurde. Als Alternative entschieden sich Mendlers für die Pensionspferdehaltung.

Heute erstrahlt Mendlers Betrieb in neuem Glanz. Schon an der Straßenkreuzung weist ein Schild auf den Milchhof hin. Gleich hinter der Einfahrt befindet sich der Hofladen. Dort werden frische Milch, Butter, Sahne und Joghurt angeboten. Von einem Metzger werden Wurst und Fleisch bezogen. Und wer eine Ente oder Gans haben möchte, kann sie im Laden bestellen. Ebenso wie die Eier und das Gemüse kommen diese von Betrieben aus dem Umland. Der Hofladen hat täglich feste Öffnungszeiten. Auch sonntags kann man dort einkaufen. Die meisten Kunden kommen aus der Nachbarschaft, darunter auch viele mit türkischem Ursprung. Sie bevorzugen vor allem die frische Milch vom Bauernhof, die sie nach ihren Rezepten weiter verarbeiten können.

Die Milch kann in Ein-Liter Flaschen gezapft werden und kostet 1,20 €. Wer das Vieh auf dem Hof sehen möchte, dem bieten sich mehrere Möglichkeiten im Jahr an wie das Hoffest oder das Erntefest. Für Kinder und Jugendliche sind auch Gruppenführungen angesagtm, um mehr über die Landwirtschaft in Berlin zu erfahren.



Milchhof Mendler: Landwirtschaft in Berlin in dritter Generation

Mendlers verfügen jetzt über etwa 60 ha Land mit Natur- und Umweltschutzauflagen sowie langfristigen Pachtverträgen. Auf den sandigen Standorten wachsen vor allem Gras und Mais. Etwa die Hälfte der Fläche dient als Weide. Es werden 35 Milchkühe gehalten. Die meisten von ihnen zählen zur Holsteinrasse. Es sind aber auch schon Fleckviehkühe sowie Kreuzungen darunter. Weil Mendlers von ihrem Grünland kaum Silage und Heu bester Qualität erzeugen können, legen sie bei ihren Kühen nicht den größten Wert auf höchste Leistung. Trotzdem kommen sie auf nahezu 9.000 kg Milch je Kuh und Jahr. Die melkenden Kühe sind in einem Stall mit Sperrboxen untergebracht, wo sie sich trotzdem nahezu frei bewegen können. Der Milchentzug erfolgt mithilfe einer Rohrmelkanlage. Die Kühe erhalten eine Teilmischration, die auf dem Futtergang zubereitet und entsprechend der Leistung noch mit Kraftfutter ergänzt wird. Viele Kühe werden recht alt. Die Reproduktionsrate liegt bei 25 %.

Weil Mendlers möglichst nicht mehr Milch erzeugen möchten als sie in ihrem Hofladen vermarkten können, haben sie den Milchkuhbestand in den letzten Jahren reduziert und noch eine Fleischrinderherde mit 20 Mutterkühen plus Nachzucht aufgebaut. Ihre Limousinherde ist bereits weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden. So konnten sie schon Preise auf den Landestierschauen in Brandenburg und MecklenburgVorpommern sowie auf der Bundesschau in Alsfeld gewinnen. Das Fleisch von diesen Rindern ist im Hofladen sehr gefragt.

Pferdepension bietet 50 Tieren Platz

Großen Aufschwung hat bei Mendlers die Pensionspferdehaltung erhalten. Dazu hat man in ehemaligen Schweineställen geräumige Pferdeboxen mit Ausblick bzw. Auslauf eingerichtet. Neugeschaffen wurden eine Reithalle sowie ein Spring- und Voltigierplatz. Außerdem können die Pferdeliebhaber mit ihren Tieren in die Umgebung ausreiten. Auf dem Hof sind derzeit 50 Pferde aus Berlin und Brandenburg untergebracht.

Mendlers betreiben in der dritten Generation mit Leib und Seele Landwirtschaft in Berlin. Geleitet wird das Unternehmen gemeinsam von den beiden Brüdern Georg und Joachim. Den beiden zur Seite stehen Frau Rosi und Lebensgefährtin Silvia. Sohn Tobias kümmert sich insbesondere um die Limousinzucht. Hinzu kommen noch vier engagierte Angestellte.

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