Auch „Exoten“ kamen zur Vorführung: Fräse (Breviglieri) (c) Frank Hartmann

Altbekanntes wieder erlernen

Zwei Thüringer Feldtage blickten auf die mechanische Unkrautregulierung bzw. den herbizidfreien Umbruch. Je deutlicher die Restriktionen im Pflanzenschutz, desto mehr gewinnt das Thema an Fahrt.

Von Frank Hartmann

Dass die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt wird, daran besteht kein Zweifel mehr. In Deutschland sind erste Tatsachen geschaffen worden (Insektenschutzpaket), die EU-Kommission geht mit ehrgeizigen Schritten voran (Farm-to-Fork). Diese Veränderungen aktiv mitzugestalten, dazu ermunterte Dr. Sven Reimann, Geschäftsführer des Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgutes (TLPVG) Buttelstedt, Mitte September die knapp 100 Interessierten beim Feldtag „Hacken im Winterraps“.

Hacken im Raps unter nassen Bedingungen: Diese Maschinenvorführung musste leider ins Wasser fallen.
Hacken im Raps unter nassen Bedingungen: Diese Maschinenvorführung musste leider ins Wasser fallen. (c) Frank Hartmann

Fachliche Anforderungen an die Landwirte würden in dem Zuge steigen, weil Standardverfahren nicht mehr funktionieren. Vielmehr kämen altbekannte Verfahren des Ackerbaus zurück, die es wieder zu erlernen gelte. „Enorme technischen Entwicklungen“ begleiteten den Weg, wie es die Maschinendemonstration auf dem Feldtag, der mit dem Landesamt für Landwirtschaft (TLLLR) ausgerichtet wurde, zeigen wollte.

FeldTAG UND Maschinenvorführung „Hacken in Raps“

Wie die Praxis mechanische Ackerbauverfahren, zum Teil kombiniert mit chemischem Werkzeugen, sucht, darüber berichtete beim Feldtag auch Jenny Seeber vom Projekt „Mechanische Unkrautbekämpfung“, das im Auftrag des Thüringer Landesamtes beim TLPVG Buttelstedt angesiedelt ist. Neun Betriebe schlossen sich bislang dem Netzwerk an.

Im Fokus stehen die Unkrautbekämpfung in Winterraps, Zuckerrüben, Mais und großkörnigen Leguminosen sowie das Beherrschen von Ackerfuchsschwanz in Winterweizen.

Seit 2018 läuft ein Ringversuch der Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, der im Winterraps den mechanischen Einsatz von Hackgeräten in Kombination mit Nachauflaufherbiziden untersucht. Katrin Ewert (TLLLR) zufolge zeigen erste Versuchsergebnisse aus Thüringen, dass die kombinierten Varianten nicht schlechter abschnitten als die rein chemischen Varianten. Zum Teil böten die mechanischen Varianten Vorteile, etwa bei der Bekämpfung von Ausfallraps.

Gleichwohl wies Ewert darauf hin, dass in den vorhergehenden Jahren aufgrund der Trockenheit optimale Bedingungen für das Kombiverfahren herrschten. Heftiger Regen stoppte bedauerlicherweise die Buttelstedter Demo der Hackmaschinen. Als Improvisation blieb nur die Maschinenvorstellung in der Halle (DicksonKerner; Einböck; Garford; Hatzenbichler; Horsch; Pöttinger; Schmotzer; Steketee).

Auch „Exoten“ kamen zur Vorführung: Fräse (Breviglieri; o.), Messerwalze (Heko, l.) und Schälpfl ug (Bugnot; r.). Daneben: Scheibenegge (Amazone), Schwergrubber (Köckerling), Flachgrubber (Treffler; Kerner), Kurzscheibenegge (Eidam), Multifunktionsgrubber (Väderstad), schwerer Universalgrubber (Horsch) sowie ein Hybridgrubber (Lemken)


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Feldtag zum „herbizidfreien Grünpflanzenumbruch“

Nur wenige Tage vor diesem Feldtag beschäftigte sich das Thüringer Ackerbauforum mit ähnlichen Fragestellungen. Der Einladung der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB) und des Landesamtes für Landwirtschaft waren auch hier über 100 Interessierte gefolgt.

In Thangelstedt berichteten Mitstreiter der GKB über zwei Europäische Innovationsprojekte (EIP). In einem niedersächsischen Betrieb sucht man für den pfluglosen Ackerbau und die Direktsaat Alternativen zum Glyphosateinsatz. Flache Bodenbearbeitungsvarianten zeigten bislang durchaus akzeptable Ergebnisse bei der Bekämpfung von Unkräutern und Ausfallgetreide. Gleichwohl wiesen sie, wie auch eine elektrophysikalische Unkrautbekämpfung und eine biologische Variante, im Vergleich zum Glyphosateinsatz einen geringeren Wirkerfolg auf.

Auf dem Luzerneschlag kommentierten HeikoGläser (l.) vom Verein „Konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen“ und Henrik Diezel(TLLLR) die Ergebnisse
Auf dem Luzerneschlag kommentierten HeikoGläser (l.) vom Verein „Konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen“ und Henrik Diezel(TLLLR) die Ergebnisse.
(c) Frank Hartmann

Vorgestellt wurde zudem ein rheinland-pfälzisches Projekt, das Klee als dauerhaften Lebendmulch in der Direktsaat von Weizen, Gerste und Ackerbohnen etablieren will. Erste Ergebnisse zeigten eine starke Konkurrenz des Klees etwa zum Weizen, was sich in dessen Ertrag widerspiegelte.

Für eine Maschinenvorführung, die den (herbizidfreien) flachen Umbruch eines Luzernebestandes demonstrieren wollte, hatte Landwirt Herrmann Hoyer einen Standort mit einem 18er, flachgründigen, steinreichen Kalkverwitterungsboden zur Verfügung gestellt.

Hoyer arbeitet seit 30 Jahren pfluglos und seit 25 Jahren mit Direktsaat. Zwischenfrüchte und Untersaaten gehören auf den 1.200 ha, davon 200 ha ökologisch, zum Standard. Für alle Maschinen stellte dieser extreme Schlag eine Herausforderung dar. Eine einmalige Bearbeitung lag hier in weiter Ferne. Hoyer führte seine Kollegen noch in einen Bestand mit Ökowinterraps. Etabliert wurde der Raps per Hackdrillsaat mit einer Cameleon (Gothia Redskap). Anders als noch zum Feldtag befürchtet, konnte dieser Raps gegen den Erdfloh Widerstand leisten.


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