Seit fast 30 Jahren werden Charolais-Rinder gezüchtet. © Agrar eG Teichel

Agrargenossenschaft Teichel: Dürre fordert uns weiter

Mit der Agrargenossenschaft Teichel eG stellen wir unseren neuen Thüringer Praxispartner vor. Mutterkuh- und Milchviehhaltung sind wichtige Standbeine des Betriebes, der auf 200 bis 500 Höhenmetern wirtschaftet.

Von Frank Hartmann (Text und Fotos)

Vorige Woche sollte in der 109 Mitglieder zählenden Agrargenossenschaft Teichel eG das Bluten und die Schutzimpfung vor der Blauzungenkrankheit beginnen, „natürlich mit den notwendigen Corona-Sicherheitsmaßnahmen für den Tierarzt und unsere Kollegen“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Blöttner. Inklusive der Jungtiere, Bullen und Färsen werden die 250 hornlos gezüchteten Charolais-Rinder Ende April aufgetrieben.

Grünland mit steilen Hängen

Bis zum Herbst beweiden sie überwiegend die nicht mechanisierbaren Flächen des Grünlands (400 ha). Vorbeireisende sehen die Herdbuchtiere des Mutterkuh-Tochterbetriebes (MKH Agrar GmbH Teichröda) entlang der B85 von Rudolstadt kommend in Richtung Weimar, wo nahezu komplette Hänge schon mal über 25 % Gefälle aufweisen.

Vorstandschef Dr. Stefan Blöttner.
© Axel Horn

Vielfalt auf dem Acker

Der „normale“ Jahresniederschlag bewegt sich zwischen 450 und 550 mm. Mit durchschnittlich 26 Bodenpunkten ist Landwirtschaft hier eine Herausforderung. Die Arbeiten im Ackerbau laufen nach Plan. Rund 1.000 ha sind mit Druschfrüchten bestellt (Winterweizen, Wintergerste, Wintertriticale, Winterroggen, Winterraps, Sommergerste, Hafer, Futtererbsen). Hinzu kommen 220 ha Mais, für den die Flächen gerade vorbereitet werden, und Ackerfutter. Auf einigen Winterrapsschlägen hinterließen die Frostnächte im März Spuren, „aber wir haben keine Totalausfälle“. Jetzt Fungizide zu beschaffen, sei nicht leicht gewesen.

Futter hat Priorität

Nach zwei Dürrejahren gilt dem Futterbau besondere Priorität. Gedrillt wurden unter anderem 30 ha Sommergerste mit Luzerneuntersaat. „Angesichts der anhaltenden Trockenheit werden wir diese Sommergerste am Ende wohl doch als Ganzpflanzensilage ernten.“ Von den Nachbarn abgeschaut habe man sich ein Wintererbsen-Wintertriticale-Gemenge, das in diesem Herbst erstmals ausgebracht wird. „Weil Wintererbsen-Saatgut nicht leicht zu beschaffen ist, drillten wir letzten Herbst zunächst Wintererbsen in Reinkultur. Wir verwendeten Z-Saatgut und wollen die Wintererbsen selbst nachbauen“, erklärt Blöttner. Hier helfen die Erfahrungen als Vermehrer.

Milchleistung ging runter

In Kürze steht der erste Schnitt des Futterkorns an (62 ha). Große Futterreserven für die derzeit 400 melkenden Kühe gibt es keine. Der Anschluss an die diesjährige Futterernte muss klappen, betont Blöttner den Ernst der Lage. Konnten 2018 die Dürrefolgen mit den staatlichen Hilfen abgefedert werden, schlug die Situation im Trockenjahr 2019 direkt auf die Milchproduktion durch. Die Leistung ging von gut 11.000 kg auf 10.300 kg runter. Im automatischen GEA-Melkkarussell, das seine Weltpremiere in Teichel erlebte, wird seit dem Vorjahr nur noch zwei- statt dreimal am Tag gemolken.



Regionale Kreisläufe beim Raps

Die Grassilage, die neben Luzerne gewöhnlich Teil der maisbetonten Ration ist, legte man ausschließlich dem Jungvieh vor. Aktuell wird ihm eine Stroh-TMR gefüttert, da die Silagereserven erschöpft sind. Stroh sei zum Glück ausreichend vorhanden, so Blöttner. Daneben findet sich u.a. Rapskuchen in der Ration. Diesen bezieht der Betrieb von der nahegelegenen BKK-Biodiesel GmbH Rudolstadt-Schwarza, an der die Agrar eG Teichel mit anderen Betrieben beteiligt ist und wo die Rapsernte auch verarbeitet wird.



Der Futtersituation geschuldet, justierte man beim Substratmix für die 2013 errichtete 500-kW-Biogasanlage nach. Vornehmlich kommt Gülle zum Einsatz; der reduzierte Maisanteil wird im Rahmen der Möglichkeiten u.a. mit mehr Mist kompensiert.

Plexiglas an der Theke

Für die Direktvermarktung – geschlachtet wird in Franken – bedeutet die Corona-Krise zunächst das Aufrüsten der beiden Filialen mit Plexiglasscheiben an der Verkaufstheke. Die kleine Küche, deren Kantine gewöhnlich auch für Gäste kocht, bleibt jetzt allein den 46 Mitarbeitern vorbehalten. An die 50 Portionen gehen täglich per Auslieferung an ehemalige Mitarbeiter und Rentner.



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