Auf 3,1 Melkungen täglich kommen die Kühe im Landwirtschaftsbetrieb Schröter im Durchschnitt.

Zwei Astronauten melken die Kühe

Landwirtschaftsbetrieb Schröter hatte sich bereits vor ein paar Jahren für die Investition in ein automatisiertes Melksystem entschieden. Heute zahlt sich diese Entscheidung für den Betrieb aus.

Text und Fotos von Detlef Finger

Kurz vor Weihnachten jährt sich zum vierten Mal der Tag, an dem der Landwirtschaftsbetrieb Schröter seine Milchviehherde auf automatisches Melken umstellte. Bis dahin melkte Jörg Schröter die 120 Kühe zweimal täglich in einer Doppel-Sechser-„Fischgräte“ von Alfa Laval. Bis zu vier Stunden am Tag verbrachte der Betriebsleiter dann im Melkstand.

„Der Melkstand hätte es noch getan. Aber die Arbeitsbelastung war recht hoch“, blickt der 52-Jährige zurück. Der Entschluss, auf Roboter umzustellen, fiel zudem in eine schwierige Zeit. 2016 lastete die Milchkrise auf den Höfen. Weil es zugleich eine Zukunftsentscheidung war, traf Schröter diese gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Pascal, der den Familienbetrieb mit bewirtschaftet. Nach Besuchen von Kollegen, Erfahrungsaustauschen und reiflicher Überlegung entschieden sie sich für Lely-Roboter. Die Anschaffung von zwei Astronaut A4 wurde mit 20 % aus dem Agrarinvestitionsförderprogramm bezuschusst. Mit 120 Kühen sind die beiden Helfer gut ausgelastet, was aus wirtschaftlicher Sicht wichtig ist. Im Durchschnitt zapfen sie den Kühen täglich jeweils etwa 2.000 l Milch ab. Die beiden Milchtanks fassen zusammen 9.000 l, abgeholt wird zweitägig.

Jetzt herrscht Ruhe im stall

Der Einbau der Melkboxen erfolgte damals bei laufendem Betrieb. Ihren Platz fanden sie an einem Ende des Stalles auf dem ehemaligen Futtergang. Dort stehen sie – gespiegelt – nebeneinander in einer gemeinsamen Umhausung. Die Umstellung auf das automatische Melken erfolgte relativ abrupt – von einem Tag auf den anderen. Die Schröters lernten ihre Kühe an. Sie trieben diese den Melkboxen zu und melkten manuell an, damit die Roboter die einzeltierbezogenen Koordinaten für das Ansetzen des Melkgeschirrs abspeichern konnten. Die Umstellung ging nicht spurlos an der Herde vorüber: Die Milchleistung sank zunächst, die Eutergesundheit verschlechterte sich. Vor allem die noch ungewohnten Geräusche der Roboter machten den Kühen spürbar zu schaffen, sie waren lange nervös. „Dafür sind sie jetzt umso entspannter“, freut sich Jörg Schröter. Tatsächlich herrscht Ruhe im Stall, was der Landwirt als einen Vorteil des Systems ansieht.

Die Milchleistung verbesserte sich mit der Zeit wieder und legte inzwischen gut zu. Für das Kontrolljahr 2019/20 standen per Ende Juli knapp 12.000 kg Milch pro Kuh mit 4,13 % Fett (498 kg) und 3,40 % Eiweiß (410 kg) zu Buche. Selbst die Inhaltsstoffe stiegen bei konstant hoher Milchmenge an. „Die Fett- und Eiweißprozente sind für die Bezahlung nicht unwichtig“, ergänzt Pascal Schröter. Unter den leistungsgeprüften Roboter-Betrieben der RinderAllianz (Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) hat der Hof eine Spitzenstellung inne.

Es bleibt zeit für andere aufgaben

Die Milchgüte kann sich ebenfalls sehen lassen. Seit Juli 2019 liegt der Keimgehalt unter 10.000/ml. Nach anfänglichen Problemen läuft es rund – mit einer verlängerten Reinigungszeit bei der dreimal am Tag ablaufenden Gruppenreinigung (Spülung von Roboter und Milchleitungen mit Heißwasser). Zwischen den Melkungen wird das Melkzeug mit heißem Dampf desinfiziert. Die Zellzahl in der Ablieferungsmilch lag im Vorjahr unter 200.000/ml. „Wir haben uns von mancher lieb gewordenen Kuh vielleicht zu spät getrennt“, sieht Jörg Schröter noch weiteres Verbesserungspotenzial. In diesem Jahr machte sich vor allem die schwülwarme Witterung im Monat August bei der Zellzahlentwicklung negativ bemerkbar.

Wegen des Hitzestresses mussten zu jener Zeit verstärkt Kühe zum Melken getrieben werden. Das bremste das System in seiner Leistungsfähigkeit aus, stehen doch nur zwei Melkzeuge für die gesamte Herde zur Verfügung. Im Schnitt geht jede Kuh freiwillig 3,1-mal am Tag zum Melken. Das Melkanrecht ist nach oben hin begrenzt, um kleine Teilmilchmengen und misslungene Melkvorgänge zu vermeiden. Die Roboter erledigen nun die eintönige, körperlich belastende Melkarbeit. Die frei werdende Zeit ist anderweitig nutzbar, etwa für Tierbeobachtung und Gesundheitskontrolle. Unterstützung kommt auch hier von den Robotern: Das Managementsystem T4C (Time for Cows) liefert für jede Kuh tagaktuell Daten zur Rohmilchqualität und listet Parameter auf, die Rückschlüsse auf die Tiergesundheit zulassen.


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Verlängerte nutzungsdauer der Kühe

Den größten Vorteil des automatischen Melkens sieht Jörg Schröter darin, freier in der täglichen Arbeitseinteilung zu sein und betriebliche Abläufe nicht zuvorderst an den Melkzeiten ausrichten zu müssen. Das kommt dem Betrieb vor allem in den Arbeitsspitzen im Feldbau und bei der Futtergewinnung zugute. Schröter ist außerdem überzeugt davon, dass das automatische Melken hohe und „auch noch deutlich höhere“ Milchleistungen hergibt. Denn der mehrmalige Milchentzug entlaste das Eutergewebe und trage zur Eutergesundheit bei. Mit einem fitten Euter wiederum verlängere sich die Nutzungsdauer der Kühe.

Ein Selbstläufer sei das System dennoch nicht, gibt der Betriebsleiter zu bedenken. „Damit es funktioniert, müssen die Kühe hinsichtlich Futterzustand und Stoffwechsel fit sein.“ Euter und Charakter sollten ebenfalls stimmen, damit die Roboter das Melkzeug ansetzen können. Mithin müssten „Problemtiere“ selektiert werden. Auch sollten die Betriebskosten, etwa für Strom, Wasser, Reinigungsmittel und vor allem Ersatzteile, nicht unterschätzt werden.

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