Zuschauer und Züchter müssen dieses Jahr auf Holsteinkühe im Schauring verzichten. (c) Detlef Finger

Schaukühe der Schröters bleiben dieses Jahr im Stall

Der Landwirtschaftsbetrieb Schröter in Tilleda (Sachsen-Anhalt) über die ausfallenden Zuchtveranstaltungen für seine Schaukühe und Hoffnungen auf das nächste Jahr.

Von Detlef Finger

Eigentlich hätten Jörg und Pascal Schröter in diesen Tagen im Stall noch weit mehr zu tun gehabt als sonst. Denn ohne Corona wären im Betrieb jetzt die Vorbereitungen auf die 4. HolsteinVision auf Hochtouren gelaufen. Die ausgewählten Schaukühe stünden gesondert auf Tiefstreu, ihre Fütterung wäre umgestellt, die Tiere hätten die erste Schur hinter sich und würden alle drei Tage gewaschen. Dies alles, damit sie sich im Ring in Top-Kondition und mit bester Ausstrahlung präsentieren können.

Die Vorfreude auf dieses Highlight zerstob Ende Juli: Die RinderAllianz sagte wegen der Pandemie den gemeinsamen Wettbewerb mit den Züchtern aus Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Nachfolgerin der legendären Nikolausveranstaltung hätte am kommenden Donnerstag stattfinden sollen. Zum ersten Mal in ihrer Historie fällt die traditionsreichste ostdeutsche Schau, die mit Bismark einen weithin bekannten und einzigartigen Austragungsort hat, aus. Und das ausgerechnet zu ihrem 30. Jubiläum.

Bedauern aber Verständnis beim LANDWIRTSCHAFTSBETRIEB SCHRÖTER

Gleichwohl Jörg Schröter dies nachvollziehen kann, bedauert er die Absage sehr. Und das nicht nur, weil er wieder einige gute Kühe am Start gehabt hätte, wie er selbst sagt. Auch der hierfür übers Jahr hinweg betriebene zusätzliche Aufwand ist hinfällig. „Nach der Schau ist vor der Schau“, erklärt der Betriebsleiter. Im Prinzip gelte das Augenmerk bereits jetzt den Schaukühen fürs nächste Jahr, „um diese passend tragend zu bekommen“. Schließlich sollten die Auswahltiere nach neunmonatiger Tragzeit schon wieder 60 bis 100 Tage in Milch stehen, um sich bei ihrem kurzen Auftritt im Ring in bester Verfassung zeigen zu können.

Zuschauer bei der Show
Zuschauer und Züchter müssen dieses Jahr auf Holsteinkühe im Schauring verzichten. (c) Detlef Finger

Schröters Favoritin unter den eigenen Tieren ist Liz. Die O’Kaliber-Tochter, im Gemeinschaftsbesitz mit seinem Züchterfreund Rainer Schulz stehend, war 2019 als Zweitkalbin beste junge Kuh der 3. HolsteinVision geworden. Auf Schauen überzeugte der Familienbetrieb aus Tilleda bislang aber vor allem mit älteren Tieren. Fünfmal stellte die Südharzer Zuchtstätte in den vergangenen zehn Jahren die beste alte Kuh. Dreimal – 2013, 2015 und 2017 – wurde dieser ohnehin herausragende Erfolg mit dem Gewinn des Grand-Champion-Titels gekrönt.

Beharrlichkeit, Geduld UND Herzblut

Die Siegerschärpen fielen Jörg Schröter indes nicht einfach in den Schoß. Seit 2001 beteiligte sich der heute 52-Jährige alljährlich an der Bismarker Schau, die stets in der Woche um den Nikolaustag stattfand. In den ersten zehn Jahren blieben dem Züchter Top-Platzierungen mit seinen Kühen verwehrt. Es dauerte bis 2010, ehe mit Marleen als bester alter Kuh der erste Rubriksiegertitel gelang. Die StormaticTochter, die 2005 als Färse erstmals im Ring der Viehhalle stand, schrieb Geschichte: Sie erhielt 2012 eine Ehrung für ihre achte, ununterbrochene Teilnahme. Auch eine Anekdote aus ihrem Premierenjahr ist überliefert: Beim Fototermin nach der Schau stürmte die junge Kuh urplötzlich los und brach auf dem zugefrorenen Feuerlöschteich ins Eis ein, von wo sie in einer spektakulären Aktion gerettet wurde.

Am Beispiel des Landwirtschaftsbetriebes Schröter zeigt sich, dass es Beharrlichkeit, Geduld und Herzblut bedarf, um auf Schauen Lorbeeren ernten zu können. Die Veranstaltungen selbst bieten hierfür die Grundlage: Sie sind Plattform für den Austausch mit Kollegen, zugleich Inspiration und Antrieb, selbst noch besser zu werden. Schauteilnahmen kosten aber auch Zeit und Geld. Selbst ein Grand-Champion-Titel lohnt sich finanziell – im Gegensatz etwa zu Nordamerika oder im Einzelfall vielleicht auch in Deutschland – für den Betrieb nicht. Derlei Erfolge sind allenfalls etwas fürs Renommee.

Hoffnungen für nächstes jahr

„Der größte Gewinn für den eigenen Betrieb liegt darin, dass ein exzellentes Management der Herde erforderlich ist, um auf Schauen erfolgreich zu sein“, sagt Schröter. Nötig sind außerdem ein gutes Auge für potenzielle Schaukühe und viel Leidenschaft. Letztere ist dem Züchter beim Blick auf das insgesamt rückläufige Schaugeschehen anzumerken: „Anfangs gab es noch Kreistierschauen. Die sind mittlerweile Geschichte. Selbst überregionale Veranstaltungen wie das Harzer Landwirtschaftsfest oder die Altmärkische Tierschau finden heute ohne einen Schauwettbewerb statt.“

Einzig verblieben ist die HolsteinVision als Nachfolgerin der Nikolausschau. Und das im traditionsreichsten hiesigen Milchvieh-Zuchtgebiet. Im altmärkischen Fischbeck stand dereinst die Wiege der organisierten deutschen Rinderzucht. Bereits 1899 gründete sich der Vorläufer des heutigen Rinderzuchtverbandes Sachsen-Anhalt. Mit Blick auf diese Traditionen hofft Jörg Schröter für das nächste Jahr auf dann wieder bessere Bedingungen und ein Wiedersehen mit seinen Züchterkollegen im November 2021 in Bismark.


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