Staubtrockene Ernte sorgt dafür, dass die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Trocknungsanlage größtenteils stillsteht. © Nicole Gottschall

Ernte: Wo Licht ist, ist auch Schatten

Dank drei eigener leistungsstarker Mähdrescher und fünf eigener Lagerhallen, konstant guter Erntebedingungen sowie fleißiger Mitarbeitern sind am Mittwoch vor zwei Wochen in der Agrofarm eG Lüssow bereits 70 % der Getreideernte eingefahren, die Strohernte abgeschlossen und der Blick auf die Rapsaussaat in der kommenden Woche gerichtet.

Von Nicole Gottschall

Das eingespielte Führungsduo Wencke Ladwig und Lars-Peter Loeck ist in Anbetracht der äußeren Einflüsse mit dem bisherigen Verlauf und Ergebnis der Ernte „im Groben zufrieden“. Auf der Habenseite stehen Wintergerste (394 ha), Triticale (125 ha) sowie Raps (458 ha).

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die im vergangenen Jahr neu in Betrieb genommene Trocknungsanlage fast nicht gebraucht wird. Die langanhaltende Trockenphase in den Frühjahrsmonaten und Hitzetemperaturen im Juni konnten der schon vollständig abgeernteten Lüssower Wintergerste nichts anhaben. Mit 86 dt/ha brachte sie ein um 6 dt/ha höheres Ergebnis ein als im vergangenen Jahr. „Der wenige Niederschlag genau zur Kornfüllungsphase hat offenbar geholfen, um über Korngröße und Hektolitergewicht Ertrag zu generieren“, zeigt sich Vorstandsvorsitzender Loeck mit dem Wert zufrieden.

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Beim Raps stimmen die Zahlen

Auch beim Raps – die einzige Kultur neben der Vermehrungstriticale, die nicht selbst eingelagert wird, sondern direkt zum langjährigen Partner geht und mitunter über Depotverträge vermarktet wird – stimmen die Zahlen. Der Ertrag liegt schlagbezogen bei 40 – 45 dt/ha mit 44–45 % Ölgehalt. Damit ist der Landesschnitt von 36,2 dt/ha des letzten Jahres übertroffen. „Wir hatten im Vergleich keinen großen Erdflohbefall“, weiß Ladwig, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende, den Grund dafür.

Erhöhte Direktkosten im Ackerbau: Fast dreimal so viel für Dünger ausgegeben

Diesen positiven Ergebnissen gegenüber stehen Weizen (590 ha) und Erbsen (236 ha) sowie die nach wie vor fehlende Sicherheit in Bezug auf das neue Anbaujahr, welches mit der Rapsaussaat beginnt. Ins Kontor schlägt auch der Kostenanstieg bei Betriebsmitteln. Lars-Peter Loeck nennt Beispiele für erhöhte Direktkosten im Ackerbau: Lagen die Ausgaben des Betriebes für Dünger bisher jährlich bei rund 350.000 Euro, hat er 2022 mit 1,1 Mio. Euro fast dreimal so viel ausgegeben. Die Dieselkosten für die Landmaschinen stiegen von 360.000 auf 650.000 Euro. „Das zu kompensieren, ist herausfordernd und kann nur durch Erlöse für unsere Erzeugnisse ausgeglichen werden“, so der 46-Jährige.

Bildergalerie: Agrofarm eG Lüssow Getreideernte 2022

Die Erbsen werden genau begutachtet, bevor sie eingelagert werden können. © Nicole Gottschall

Die Erbsen werden genau begutachtet, bevor sie eingelagert werden können. © Nicole Gottschall

Auszubildender Philip Lütkemüller freut sich auf die vielseitige Arbeit.

Auszubildender Philip Lütkemüller freut sich auf die vielseitige Arbeit. © Nicole Gottschall

Zum Reinigen der Konsumerbsen kommt der Trockner doch noch zum Einsatz. © Nicole Gottschall

Zum Reinigen der Konsumerbsen kommt der Trockner doch noch zum Einsatz. © Nicole Gottschall

Staubtrockene Ernte sorgt dafür, dass die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Trocknungsanlage größtenteils stillsteht. © Nicole Gottschall

Staubtrockene Ernte sorgt dafür, dass die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Trocknungsanlage größtenteils stillsteht. © Gerd Rinas

Ausreichende Lagerkapazitäten ermöglichen das Trennen des Weizens nach Qualität.

Ausreichende Lagerkapazitäten ermöglichen das Trennen des Weizens nach Qualität. © Nicole Gottschall

Staubtrockene Ernte sorgt dafür, dass die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Trocknungsanlage größtenteils stillsteht.

Staubtrockene Ernte sorgt dafür, dass die erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Trocknungsanlage größtenteils stillsteht. © Nicole Gottschall

Erbsenernte enttäuscht

Einsparen könnten die Verantwortlichen der Agrofarm beim Trocknen. Wenn die Erbse nicht wäre: Die bisher zu zwei Dritteln abgeerntete Kultur enttäuscht und bleibt vor allem im Konsumbereich hinter den Erwartungen zurück. Dass die Gründe für das überwiegend schlechte Ergebnis – mitunter nur 20 dt/ha – schnell ausgemacht sind und nicht in der eigenen Hand liegen, ist nur ein schwacher Trost. „Nachdem die Erbsen gut aufgelaufen waren, führte die Trockenheit zum Wachstumsstillstand und dem Nichtwirken von Bodenherbiziden. Hoher Unkrautdruck war die Folge“, fasst Loeck die Situation zusammen.

Ein hoher Meldebesatz spiegelt sich nun im Feuchtegehalt des Erntegutes wider. Und so steht die Trocknungsanlage, an der Neuauszubildender Philip Lütkemüller gerade aktiv ist, doch nicht ganz still. Der 19–Jährige hilft beim Reinigen der Erbsen. Dass der Abiturient dafür Schaufel und Besen in die Hand nehmen muss, stört ihn nicht. „Diese Arbeiten gehören einfach dazu“, weiß er bereits aus seinem früheren Praktikum in Lüssow. „In der Landwirtschaft zu arbeiten, ist vielseitig und macht mir Spaß“, so der angehende Landwirt.

Dem Weizen fehlt der Dünger

Getrocknet werden muss der gedroschene Weizen zwar nicht. Dennoch bereitet er im Betriebsergebnis keine Freude. Während die bisher geernteten 363 ha mit 83 – 93 dt/ha einen den Umständen entsprechenden guten Ertrag einbrachten, passten die Qualitätsmerkmale nicht immer. Die Sorte Opal, ein E-Weizen, verfehlt beispielsweise mit 13,5 % Proteingehalt, 330 s Fallzahl und 83 kg/hl Hektolitergewicht die Kategorie E-Qualitätsweizen und wird abgestuft in A-Weizen. Vom A- zum B-Weizen herabgesetzt wird hingegen zum Beispiel die Sorte Depot mit 12,5 % Proteingehalt, 283 s Fallzahl und 76 kg/hl Hektolitergewicht.

Loeck und Ladwig brauchen nicht lange nach der Ursache zu suchen. „Es fehlt Dünger“, sind sich beide einig. Der Betrieb muss wegen der ausgewiesenen Roten Gebiete auf 1.145 ha Ackerland 20 % unter dem Pflanzenbedarf düngen.

Düngeverordnung: Wie weiter mit dem Weizenanbau in Lüssow?

Wie es unter den Vorgaben der Düngeverordnung mit dem Weizenanbau in Lüssow weitergeht und wie der Anbau im kommenden Jahr generell aussieht, ist unterdessen noch unklar. Die weiterhin offene Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023 sowie der Richtlinien der Länderprogramme verhindern einen rechtssicheren Anbauplan. „Das ist ein unerträglicher Zustand, normalerweise planen wir weit im Voraus“, blickt der Vorstandsvorsitzende in die Ackerschlagkarteien des vergangenen Jahres.

Da die Natur nicht auf Entscheidungen warten kann, wird es in der Agrofarm Lüssow voraussichtlich in der kommenden Woche mit der Rapsaussaat auf Gerstenschlägen weitergehen.


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