Tierwohl kostet Geld. Für manche Betriebe mehr, als die Kalkulation hergibt. (c) Sabine Rübensaat

Vion: Tierbestände gehen spürbar zurück

Strengere Umweltauflagen, höhere Tierschutzstandards und sinkender Fleischkonsum führen dazu, dass Bauern die Tierhaltung aufgeben. Die Nummer zwei der Schlachtunternehmen in Deutschland nennt jetzt die Zahlen, mit denen dort geplant wird.

Von Ralf Stephan

Die Vion Food Group erwartet für die kommenden zehn Jahre eine deutliche Abstockung der Schweine- und Rinderbestände in Westeuropa. Gegenüber der Zeitung „Het Financieele Dagblad“ bezifferte der Chef des niederländischen Fleischkonzerns, Ronald Lotgerink die voraussichtliche Abbaurate auf insgesamt 20 %. Gleichzeitig dürfte der Fleischkonsum in den Niederlanden und Deutschland nach seiner Einschätzung um ein bis zwei Prozent pro Jahr zurückgehen.

Fleischkonzern baut Veggy-Angebot aus

 Vion-Chef Ronald Lotgerink. (c) Bram Saeys/Vion
Vion-Chef Ronald Lotgerink. (c) Bram Saeys/Vion

Um den Bestandsrückgang und die entsprechende Produktionseinschränkung auszugleichen, will sich Vion laut Lotgerink unter anderem im Geschäftsfeld pflanzliche Fleischsubstitute engagieren. Für dieses Marktsegment erwartet er ein jährliches Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent. Um diese positive Entwicklung zu nutzen, werde der Schlachthof in Leeuwarden entsprechend umgebaut. Ab Juli 2020 sollen dort pro Jahr 7.500 t vegetarische Produkte hergestellt werden. Das Potenzial sieht Lotgerink bei 30 bis 35 Mio. € Jahresumsatz.

Dem Vion-Manager zufolge besteht zurzeit ein globales Angebotsdefizit bei texturiertem pflanzlichem Eiweiß für die Substitute. Um dieses Problem binnen eines halben Jahres zu lösen, würden Gespräche mit dem US-Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) als potentiellem Lieferanten geführt. Die Erzeugung von Retortenfleisch habe das Unternehmen zwar „auf dem Schirm“, allerdings nur in einem „embryonalen Stadium“.

Im globalen Rennen um China zu teuer

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der niederländischen Schweinefleischexporte nach China gab sich Lotgerink mit Verweis auf die Konkurrenz aus Nord- und Südamerika zurückhaltend. Dort lägen die Produktionskosten je Kilogramm Schweinefleisch nämlich mit 0,95 € beziehungsweise 1,00 € deutlich unter denen in Westeuropa, die er auf 1,50 € veranschlagte. Durch die in China grassierende Afrikanische Schweinepest (ASP) habe Vion seinen Absatz dorthin im vergangenen Jahr zwar verdoppelt. Trotzdem sei es keine Option, im „Reich der Mitte“ Betriebe zu übernehmen. Vielmehr habe er weiterhin den im Vergleich zu China stabileren europäischen Markt im Visier, erklärte der Firmenchef.

Vion ist ein Hersteller von Fleisch, Fleischerzeugnissen und pflanzlichen Alternativen mit 30 Produktionsstandorten in den Niederlanden und Deutschland, darunter Perleberg (Brandenburg) und Altenburg (Thüringen). Verarbeitet werden 298.000 Schweine und 17.500 Rinder pro Woche. Der Jahresumsatz liegt bei 4.7 Mrd. € (2018). (mit AgE)

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