Überraschend: Der Vion-Konzern schließt seinen Schlachthof in Altenburg. (c) Frank Hartmann

Schock in Altenburg: Vion stellt Schweineschlachtung ein

Tierhalter aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Südbrandenburg wurden völlig überrascht: Der niederländische Konzern Vion wird ab Anfang 2020 keine Schweine mehr in Altenburg schlachten.

Von Frank Hartmann

Der letzte Großschlachthof in Thüringen, der Vion-Betrieb im Ostthüringer Altenburg, wird „die Schweineschlachtung im 1. Quartal 2020 einstellen und in Zukunft den Fokus auf den Ausbau des Rindfleischmarktes legen“, teilte die Vion-Konzernzentrale am 20. November mit.

Die liefernden Schweinehalter aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Teilen Südbrandenburgs sind von der Entscheidung völlig überrascht worden. Die Vorstandsvorsitzende der Mitteldeutschen Schlacht- und Nutzvieh Erzeugergemeinschaft w. V. (MSE) mit ihren 90 Mitgliedsbetrieben, Kerstin Fröhlich (Kriebitzscher Agrar eG), sprach von einer „Katastrophe“. Nicht zuletzt, weil der Altenburger Schlachthof der letzte „regionale Schlachthof“ in Mitteldeutschland ist. Nach Vion-Angaben kommen 90 % der Schweine aus einem 200-Kilometer-Radius.

15.000 Schweine wöchentlich am Standort Altenburg geschlachtet

Schweine im Stall - Symbolbild zur Schließung des Vion-Schlachthofes in Altenburg
Zuletzt wurden am Vion-Standort in Altenburg 15.000 Schweine in der Woche geschlachtet. (c) Frank Hartmann

Nach Recherchen der Bauernzeitung wurden in Altenburg zuletzt 15.000 Schweine in der Woche geschlachtet, davon 3.000 in Lohnschlachtung für Direktvermarkter und das regionale Fleischerhandwerk. Mit dem Aus in Altenburg ist nun der zum Tönnies-Konzern gehörende Schlachthof im sachsen-anhaltischen Weißenfels der letzte große Fleischarbeiter in Mitteldeutschland. Weder in Sachsen noch in Thüringen gibt es vergleichbare Schlachtstätten. Ob und zu welchen Konditionen Weißenfels bereit sein wird, die bislang in Altenburg geschlachteten Mastschweine aufzunehmen, sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, so Fröhlich. Die Konzentration, und damit die Abhängigkeit der Schweinehalter von einem Unternehmen, seien jedoch höchst bedenklich.

Das sieht auch das Thüringer Agrarministeriums so. Auf Anfrage der Bauernzeitung hieß es, dass sich insbesondere für die Mitteldeutsche Schlacht- und Nutzvieh EZG in Altenburg nun komplizierte Bedingungen ergeben würden, „da sie ihre Schweine nun ausschließlich zum Schlachthof in Weißenfels verbringen müssen“. Dies ist ein Rückschlag für den Tierschutz, da nunmehr weitere Transportwege anfielen. Das Agrarministerium bedauerte die Entscheidung von Vion und wies darauf hin, dass der Konzern im Vergleich der zehn größten Schweineschlachtunternehmen in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit weitere Marktanteile verloren hatte.

Konzernumbau bei Vion

Vion begründet das Aus für die Schweineschlachtung mit einem Konzernumbau. Zudem sei „in den vergangenen Jahren die Schweineproduktion in Ostdeutschland und im Einzugsgebiet des Vion-Betriebes Altenburg stetig zurückgegangen“. Dagegen sehe man in der Region ein großes Wachstumspotenzial im Bereich Rindfleisch, wofür Altenburg ausgebaut und spezialisiert werden soll. Gegenwärtig werden rund 1.200 Rinder in der Woche geschlachtet – um die 5.000 soll Vion nach Information der Bauernzeitung anpeilen.


Hier finden Sie Schlachtstätten in Thüringen

schlachtstaettenfinder-thueringen.de


Auch der Thüringer Bauernverband (TBV) bedauerte die Entscheidung. Zugleich hinterfragte der TBV gegenüber der Bauernzeitung die Argumentation des Konzerns, wonach durch die Spezialisierung auf Rinderschlachtungen für die Rinder kürzere Transportwege gegeben sein sollen. „Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch längere Transportwege für viele Schweine, was dem Tierwohl nicht dienlich ist“, so der TBV.

Der Verlust an Regionalität, insbesondere für die Ostthüringer Schweinemäster, sowie längere Transportwege für die Tiere, sind auch aus Sicht der „Interessengemeinschaft der Schweinehalter“ in Thüringen (IGS Thüringen) Konsequenzen aus der Konzernentscheidung. IGS-Vorsitzender André Telle sagte der Bauernzeitung, dass diese nicht nachvollziehbar sei, zumal es erst Modernisierungen in Altenburg gegeben habe.

Vion kündigt Sozialplan an

Zweifel hegen Schweine- und Rinderhalter, ob die angekündigte Spezialisierung in Altenburg zum Erfolg führt bzw. der Standort erhalten bleibt. Erinnerungen werden an das Jahr 2014 wach, als Vion den Schlachthof in Nohra (Weimarer Land) schloss. Dieser war Mitte der 1990er-Jahre mit Fördermitteln des Freistaates als modernste Schlachtstätte Europas errichtet worden. In Spitzenzeiten wurden hier 650.000 Schweine geschlachtet.  2010 wurden in Thüringen noch rund 1,7 Millionen Schweine geschlachtet. Nach den Schließungen der Schlachthöfe in Nohra und in Jena waren es 2018 noch 870.000 Stück. Im Jahr 2020 dürfte die Agrarstatistik noch rund 200.000 geschlachtete Schweine in Thüringen ausweisen!   

Sowohl die EZG-Vorsitzende Kerstin Fröhlich als auch der TBV vergaßen nicht, auf die angekündigte Reduzierung der Mitarbeiterzahl in Altenburg zu verweisen. Vion sprach von 110 Mitarbeitern, für die es einen Sozialplan geben soll.



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