30 Rinder der Rasse Rotes Höhenvieh weiden in fünf unterschiedlich große Herden verteilt im Sommer rund um den Betrieb. © Silvia Kölbel

Pflege mit Rotvieh als neues Standbein

Von der Milch- und Ferkelproduktion hat sich das Agrarunternehmen am Leinawald eG in Langenleuba-Niederhain getrennt. Die Ostthüringer etablierten ein neues Standbein.

Von Silvia Kölbel

Vor fünf Jahren trennte sich das Agrarunternehmen am Leinawald eG in Langenleuba-Niederhain von der Milchviehhaltung. Und wechselte zu Mutterkühen: „Wir haben das keinen einzigen Tag bereut“, sagt Vorstandschef Christian Els. Auch von der Ferkelerzeugung hat sich der Betrieb im vorigen Jahr verabschiedet. Die Ställe bewohnen im Winter nun 130 Rinder der Rasse Rotes Höhenvieh, die im Sommer verteilt auf fünf unterschiedlich große Herden rund um den Betrieb weiden. Bewirtschaftet werden insgesamt 800 ha Acker- und 100 ha Grünland, wovon 30 ha Mähweiden sind.

Schilf im Zaum halten

Auf einer 41 ha großen Grünlandfläche steht in diesem Sommer beim Agrarunternehmen am Leinawald eG eine 36-köpfige Rotviehherde mit ihrer Nachzucht und dem Bullen. Ein Teil dieser Fläche grenzt an die Talsperre Schömbach und dessen mit Schilf bewachsener Überflutungsfläche. In Absprache mit der Naturschutzbehörde übernehmen die Rinder hier die Landschaftspflege, drängen durch Abfressen das Schilf zurück und schaffen einen Lebensraum für bodenbrütende Vogelarten.

Christian Els sagt: „Wir haben uns extra für das Rote Höhenvieh entschieden, weil diese Rinderrasse auch das Schilf frisst.“ Die Genossenschaft hat sich für die Herdbuchzucht entschieden, „so können wir auch Zuchttiere verkaufen. Außerdem fördert Thüringen diese vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse“, begründet Els. Nicht zuletzt waren die Schönheit der Tiere, ihr ruhiges Wesen, die Leichtkalbigkeit, die guten mütterlichen Eigenschaften und die gute Milchleistung weitere ausschlaggebende Gründe bei der Rassewahl.

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Rote Höhenvieh: Friedfertige Dreinutzungsrasse

Meist Mitte April verlassen die Kühe den Stall. Den Rest des Jahres verbringt die große Herde auf der Wiese am Teich. Dort finden sie unter Bäumen ausreichend Schutz vor sommerlicher Hitze. Auf der Weide kommt auch die Mehrzahl der Kälber zur Welt. „Ich habe einen sehr zuverlässigen Herdenmanager, der die Tiere mehrmals am Tag kontrolliert. Trotzdem kann es passieren, dass wir auf der 41 Hektar großen Fläche ein Kalb suchen müssen, um es zu bemarken. Die Kühe suchen bevorzugte Abkalbeplätze auf. Das ist somit kein Problem“, so der Vorstandschef.

Der Herdenmanager komme beim Einziehen der Ohrmarken ohne Fangkorb aus. „Die Mutterkühe zeigen keinerlei Aggressivität und auch mit dem Bullen gibt es keine Probleme.“ Das sei ein weiterer Vorteil dieser ursprünglichen Dreinutzungsrasse. Schon immer hätten die Züchter friedfertige Tiere bevorzugt.

Bildergalerie

Christian Els © Silvia Kölbel

Christian Els © Silvia Kölbel

Agrarunternehmen am Leinawald eG Rotvieh, Zum Pflegerevier zählt eine 6,5 ha große Streuobstwiese. © Silvia Kölbel

Zum Pflegerevier zählt eine 6,5 ha große Streuobstwiese. © Silvia Kölbel

Agrarunternehmen am Leinawald eG Rotvieh, Das Rote Höhenviehist friedfertig und bringt gute mütterliche Eigenschaften mit. © Silvia Kölbel

Das Rote Höhenvieh ist friedfertig und bringt gute mütterliche Eigenschaften mit. © Silvia Kölbel

Im Sommer finden die Tiere Schutz unter Bäumen.

Im Sommer finden die Tiere Schutz unter Bäumen. © Silvia Kölbel

Die Überflutungsfläche der Talsperre Schömbach, wo die Rinder helfen, das Schilf allmählich zurückzudrängen.

Die Überflutungsfläche der Talsperre Schömbach, wo die Rinder helfen, das Schilf allmählich zurückzudrängen. © Silvia Kölbel

Christian Els schätzt am Roten Höhenvieh das zutrauliche Wesen © Silvia Kölbel

Das Agrarunternehmen am Leinawald baut auch Gemüse an, hier Gurken, die auf Stroh wachsen. © Silvia Kölbel

Das Agrarunternehmen am Leinawald baut auch Gemüse an, hier Gurken, die auf Stroh wachsen. © Silvia Kölbel

30 Rinder der Rasse Rotes Höhenvieh weiden in fünf unterschiedlich große Herden verteilt im Sommer rund um den Betrieb. © Silvia Kölbel

30 Rinder der Rasse Rotes Höhenvieh weiden in fünf unterschiedlich große Herden verteilt im Sommer rund um den Betrieb. © Silvia Kölbel

Langlebige Mütterkühe bei bester Gesundheit

Im Nachbarort Lohma ist die Bullenherde des Betriebes Teil eines weiteren Naturschutzprojektes. Die Tiere grasen dort auf der größten Streuobstwiese im Altenburger Land. Auf einer Fläche von 6,5 ha stehen 600 alte Obstbäume, die der Landschaftspflegeverband Altenburger Land betreut. „Eine Nutzung des Obstes ist zwar nicht möglich, aber die Bäume werden erhalten und gepflegt. Die Fläche bietet vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum“, weiß Els.

Der einsetzende Frost beendet für die insgesamt fünf Herden die Weideperiode. Die zur Schlachtung bestimmte Gruppe, bestehend aus Färsen und Jungbullen, steht immer in Stallnähe. „Wir müssen nicht alle Färsen für unsere Herde behalten. Die Mutterkühe sind sehr langlebig. Das älteste Tier ist 15 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit.“

Jährlich 35 Tiere geschlachtet

Die lange Nutzung der Mutterkühe ermögliche es außerdem, den Bullen bis zu drei Jahre einzusetzen. Die Schlachtung der jährlich 35 Tiere übernimmt ein Fleischer aus dem acht Kilometer entfernten Priefel. Fünf Fleischer aus drei Bundesländern holen im Laufe des Jahres 25 der geschlachteten Tiere dort ab, um sie in ihrem eigenen Betrieb zu zerlegen.

Die etwa zweijährigen Jungbullen kommen auf ein Schlachtgewicht von durchschnittlich 320 kg. Die Färsen wiegen am Haken um die 270 kg.

Eigene Hofläden

Die Abnehmer schätzen das magere, kurzfaserige und zarte Fleisch „Wir verkaufen in Thüringen, nach Sachsen-Anhalt und nach Sachsen“, so Els. Unter den Abnehmern sei auch ein Unternehmen aus Chemnitz mit angeschlossener Gastronomie. Zehn Rinder vermarktet das Agrarunternehmen im eigenen Hofladen in Niederhain. „Dort bieten wir auch regionale Produkte anderer Anbieter sowie Waren des täglichen Bedarfs an.“ Die acht bis zehn Schlachttage des Jahres bewirbt der Landwirtschaftsbetrieb mit Flyern und über soziale Netzwerke. Das komplett vorbestellte Fleisch werde dann an einem Tag verkauft, so der Geschäftsführer.

Zum Betrieb gehört ein zweiter Hofladen in Langenleuba-Niederhain mit angeschlossener Gärtnerei. „Wir bauen auf rund zwei Hektar vorwiegend Feldgemüse an, darunter Kohl und Bohnen und auf 0,8 Hektar unter Folie Tomaten, Gurken und Paprika. Floristik, also vorwiegend Blumen, kaufen wir zu.“


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