Landwirtschaft in Zeiten anhaltender Trockenheit - auch im Jahr 2020 droht eine Dürre. (c)imago images / Markus van Offern

Stimmungsbild: Erst Corona – und jetzt auch noch der Dürreschock?

Seit rund sechs Wochen setzt die Coronakrise den Landwirtschaftsbetrieben zu. Die Langzeitumfrage aus Thüringen zeigt, dass es neben Tierabsatz und fehlenden Ersatzteilen noch ein weiteres ernstes Problem gibt.

Von Frank Hartmann

Die Trockenheit wachse neben den Einschränkungen aus der Coronapandemie mittlerweile zum größeren Problem heran, urteilt ein Betriebsleiter in der jüngsten Umfrage des Thüringer Bauernverbandes (TBV). Seit Ende März schildern wöchentlich rund 100 Betriebe ihre Situation in der Coronakrise.

Und die Daten zeigen, dass etliche Probleme auf stabilem Niveau verharren. Noch immer berichtet die Hälfte der Betriebe von ausgefallenen Mitarbeitern. Jedem sechsten davon fehlen mehr als 20 % der Kollegen. Mit Abstand am häufigsten genannte Ursache bleibt die Kinderbetreuung


Coronakrise: Ersatzteile lassen auf sich warten

Die Betriebe berichten, dass einige Ersatzteile, die nicht aus Deutschland kommen, hin und wieder auf sich warten ließen, „da ist Improvisation von allen Beteiligten gefordert“. Während ein  Berufskollege berichtet, dass die meisten Hersteller sich gut auf die Situation eingestellt hätten, spürt ein anderer, dass es jede Woche länger dauere, an Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien zu kommen. Als größeres Problem stellt sich vielerorts das Nachbeschaffen von  Arbeitsschutzausrüstung, Desinfektionsmitteln oder Schutzmasken heraus.


Schwierigkeiten mit Servicepartern

Gut jeder fünfte Betrieb muss von Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit seiner Servicepartner berichten. Das betrifft etwa Melk-, Fütterungs- und Lüftungsanlagen, wobei sich hier zuletzt eine leichte Entspannung abzeichnete. Jeder fünfte Tierhalter gibt an, dass es Schwierigkeiten mit dem Tierarzt gibt. Nahezu unverändert ist die Lage beim Service der Landtechnikpartner.


Insbesondere Tierhalter unter Druck

Den wohl größten Druck verspüren die Tierhalter. Die Betriebe berichten, dass die Kälberpreise bzw. Schlachtviehpreise drastisch gefallen sind. Den Erfahrungen nach belaufen sie sich in einer Spanne von 0 bis 30 € je Kalb. Erste Direktvermarkter beklagen, dass ihr Lohnschlachter das Zerlegen eingeschränkt hat. Ein Schweinehalter beobachtet den Rückgang des Schweinepreises, zuletzt um 9 ct/kg innerhalb einer Woche. Mitunter gibt es Einschränkungen bei den Transportkapazitäten. 


Kälber und Lämmer würden zwar „abgeholt“, bestätigte ein Landwirt – trotz sehr guter Qualität seien Preisverhandlungen aber nicht möglich. Nach einem guten Saisonstart setzte vor Ostern ein Preisverfall bei Schlachtlämmern ein, weil die Nachfrage stark nachließ. Sorge bereitet der momentan „undurchsichtige Milchmarkt“. Gewährleistet werden müsse in jedem Fall, dass der Amtstierarzt/das Veterinäramt trotz Kontakteinschränkung weiter Lebendtierbeschauen zu Schlachtzwecken durchführt. Bei Mastgeflügel und Legehennen etwa sind termingerechte Behandlungen bzw. Impfungen wichtig, um den Einstallzyklus nicht zu unterbrechen.   


Fazit

Als Zwischenfazit bleibt festzuhalten, dass sich die Landwirte in ihren Betriebsabläufen auf die Coronakrise eingestellt haben. Soforthilfen zu beantragen, ist derzeit für die meisten noch kein Thema. Der Viehmarkt bleibt ein akutes Problem. Wenn die Trockenheit so weiter gehe, meinte ein Betriebsleiter, werde dies die Betriebe viel härter als die Coronakrise treffen.


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