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Milchproduktion Platkow: Auf Platz eins der hundert Besten

473 Kühe führte Madeleen van Damme zu 907 Fett-Eiweiß-Kilo im Durchschnitt. Damit war die Agrar- und Milchproduktion Platkow bester Betrieb in der Milchleistungsprüfung 2019/20 des Landes.

Von Heike Mildner

Schon als Kind zog es Madeleen zweimal die Woche auf einen Bauernhof. Ihre Eltern, Lehrerin und Zimmermann, wunderten sich über das landwirtschaftliche Interesse ihrer Tochter und förderten es nicht: In den Niederlanden hätte sie keine Chance auf einen eigenen Hof gehabt. Doch es kam anders. Heute hat Madeleen van Damme selbst fünf Kinder und verantwortet die Milchviehproduktion des besten ganzjährig geprüften Betriebes in Brandenburg. Ihr Mann Marnix van Damme hat in Sachen Feldarbeit, Biogasanlage und Buchführung den Hut auf, sie für die Rinder. Gemeinsam führen sie die Agrar- und Milchproduktion Platkow GbR in der Nähe von Seelow (Märkisch Oderland).

stellschrauben für tierwohl

Madlen und Marnix van Damme.
Seit knapp 20 Jahren in Platkow: Madlen und Marnix van Damme. (c) Heike Mildner

Als sich die DDR wendete, war Madeleen van Damme in den Niederlanden mit dem Abitur fertig. Sie studierte Agrarwirtschaft, weil sie hoffte, im Osten Deutschlands in die Landwirtschaft einsteigen zu können. Die praktischen Belange der Milchviehhaltung lernte sie in Kyritz, wo sie nach dem Studium einige Jahre arbeitete. Dann standen Familiengründung und Kinder im Vordergrund. 2002 stiegen die van Dammes in einen Landwirtschaftsbetrieb in Platkow ein, dem eine Milchliefersperre wegen zu hoher Zellzahlen drohte. Madeleen erkannte Streptococcus agalactiae, auch Gelber Galt genannt, als Ursache. 80 der 200 Tiere mussten gemerzt, die Herde neu aufgebaut werden.

2014 konnten van Dammes in einen neuen Kuhstall mit Jalousien, hoher Decke und Stroheinstreu investieren. Damit verbunden wurde auch in der Milchproduktion Platkow ein neuer Brunnen gebohrt: ein Tiefenbrunnen mit Enteisenungsanlage, aus dem mehr und größere Tränken gespeist werden konnten. 2015 seien sie erstmals unter den hundert besten Betrieben in der Milchleistungsprüfung gewesen, erzählt Madeleen van Damme. Licht, Luft und Wasser seien neben dem Futter die entscheidenden Stellschrauben für das Tierwohl und damit auch für die Milchleistung, ist sie überzeugt.

Erfolg beim Melken, Teil 1

Seit zwei Jahren gibt Madeleen van Damme diese Tipps in der Landwirtschaftsschule Seelow an künftige Meister weiter:

■ Die Lebenstagleistung sollte zwischen 14 und 20 kg liegen.
■ Mindestens vier Laktationen anstreben.
■ Milchproduktion pro Kuh auf mindestens 35.000 kg steigern.
■ Jung abkalben (22–24 Monate).
■ Kühe lange behalten, weniger als 15 % Abgang bei Färsen.
■ Maximal 6 % Abgang in den ersten 60 Tagen der Laktation.
■ Wert auf die Phase vom Trockenstehen bis zum Abkalben (Transition) legen, gutes Management ist die beste Vorbereitung auf die Laktation.
■ Längere Zwischenkalbezeit anstreben (mindestens 420 Tage).
■ Luft, Licht und Wasser sind die besten Futtermittel.
■ Stress für Kühe unbedingt vermeiden!

Am Melkstand: Madeleen van Damme mit Ahmed aus Somalia. Gemolken wird dreimal täglich. (c) Heike Mildner

Neue Futterzusammensetzung

Der neue Stall für die melkenden Kühe, der neue Side-by-Side-Melkstand und die Brunnen hätten 2.000 l mehr Milch je Kuh und Jahr gebracht, also eigentlich kein Geld gekostet, schmunzelt Marnix van Damme. Am Futter hätten sie nach 2014 nicht mehr viel geändert, also müsse es wohl am Rest liegen. Und er verrät einen verblüffenden Zusammenhang:
Der Schwefelgehalt in der Biogasanlage, die ausschließlich mit Gülle gefüttert wird, weist tagesaktuell auf die Futterverwertung durch die Kühe hin. Man könne 1:1 Unterschiede in den Maissilage-Partien oder bei den zugekauften Komponenten erkennen, so Marnix van Damme.

Auch bei der Futterzusammensetzung haben van Dammes an den Schrauben gedreht: Mit Zuckerrübenpellets, Lupinen und ungetoastetem Soja beispielsweise konnten ihre Kühe nicht viel anfangen. Für die Eiweißversorgung sorgt in Platkow vor allem Rapsschrot. Außerdem besteht das Futter etwa zur Hälfte aus Maissilage, dazu Anwelksilage, Biertreber, Heu, hofeigenes Getreide und 500 g Leinsamenschrot pro Kuh und Tag.

Erfolg beim Melken, Teil 2

In den Niederlanden wurden Betriebe mit Kühen mit mehr als 50.000 kg Lebensleistung nach ihrer Strategie befragt. Madeleen van Damme fasst zusammen:

■ Bereits tragenden Jungrindern die Klauen schneiden.
■ Kühe bereits eine Woche vor dem Trockenstehen auf Trockensteherration setzen (Dry-off-Gruppe).
■ Je Kuh ein mindestens 85 cm breiter Fressplatz.
■ Tiefliegebuchten für jede Kuh.
■ Der Kuh mindestens zehn Tage vor dem Abkalben eine Strohbuchte anbieten.

Milchproduktion Platkow: viel eigeninitiative und arbeit

Doch der Erfolg mit den Milchkühen hat vor allem auch mit dem zu tun, was Madeleen van Damme täglich selbst in den Ställen leistet. Gegen sieben macht sie die erste Runde durch den Stall, schaut sich die Kühe an, die am Computer (Transponder registrieren das Fressverhalten) oder beim Melken auffällig waren. Dann besamt sie die rindernden Kühe und melkt die kranken. Nach dem warmen Abendessen – mittags gibt es Stullen – macht sie diese Runde noch einmal. Dazwischen ist Zeit für Trächtigkeitsuntersuchungen, Enthornen der Kälber und was sonst anfällt, zum Beispiel die Belange der Familie. Hut ab!

Der Betrieb in Platkow läuft rund: neun Mitarbeiter, zwei Auszubildende, 620 ha, 870 Tiere, inklusive Nachzucht, eine Biogasanlage (250 kW) und eine Milchmenge, die mit 30.000 Liter an jedem zweiten Tag für die Molkerei attraktiv ist. Dennoch empfinden auch van Dammes, dass es früher leichter war, Landwirt zu sein. Die überbordende Bürokratie, eine neue Düngeverordnung, ohne die Wirksamkeit der alten geprüft zu haben, Umweltauflagen und schlechte Milchpreise sind nichts, was sonderlich motiviert. Trotzdem: van Dammes lieben ihre Arbeit – für sie die beste Voraussetzung für Erfolg.

Milchleistung 2020

307 Betriebe beteiligten sich im Kontrolljahr 2019/2020 an der Milchleistungsprüfung (MLP). Das sind 6,7 % weniger als im Vorjahr. Die Anzahl der Kühe verringerte sich um 3,1 %. Die durchschnittliche Bestandsgröße pro MLP-Betrieb erhöhte sich um 15 auf 412 Kühe.
Die Brandenburger Milcherzeuger erreichten eine Leistung von 9.931 kg Milch (+ 192 kg) und 741 FEK (+ 21 kg). Der Fettgehalt stieg um 0,04 auf 4,02 %, der Eiweißgehalt um 0,02 auf 3,44 %.

Mehr Infos zu Spitzenbetrieben und Spitzentieren der MiLP unter www.lkvbb.de

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